KI-Tool „Brief nach Berlin“ hilft beim Kontakt zu Politikern
KI-Tool „Brief nach Berlin“: So kontaktiert man Politiker

Ein neues KI-gestütztes Portal namens „Brief nach Berlin“ soll Bürgerinnen und Bürgern helfen, schnell und einfach Kontakt zu ihren politischen Vertretern aufzunehmen. Entwickelt wurde es von dem Bremer Politikwissenschaftler Thomas Lorenz, der die Idee im Februar 2024 im Gespräch mit seinen Eltern in Duisburg entwickelte.

Wie funktioniert „Brief nach Berlin“?

Das Portal ist kostenlos und über Handy, Tablet oder Computer zugänglich. Nutzer schildern ihr Anliegen entweder schriftlich oder per Sprachnachricht. Die Künstliche Intelligenz erstellt daraufhin einen Briefentwurf und sucht die Kontaktdaten des zuständigen Abgeordneten heraus. Nach wenigen Klicks erhalten die Nutzer das Ergebnis per E-Mail. Lorenz empfiehlt, den Entwurf handschriftlich abzuschreiben und zu personalisieren, bevor er per Post versendet wird. „Ein handschriftlicher Brief fällt unter diesen ganzen Drucksachen noch mal ganz anders auf“, betont der Entwickler, der selbst als Praktikant für zwei SPD-Bundestagsabgeordnete gearbeitet hat. „Dann sieht man: Okay, jemand hat sich wirklich Zeit und Mühe gegeben.“

Mehr als 800 Briefe in den ersten Wochen

Bereits in den ersten Wochen nach dem Start ließen mehr als 800 Menschen aus ganz Deutschland über das Portal einen Brief verfassen. Der Podcast „Lage der Nation“ und mehrere Medien hatten zuvor darüber berichtet. Lorenz zeigt sich gerührt: „Ich finde wirklich rührend, dass Leute sagen: Ich habe mich zum ersten Mal getraut, einen Brief zu schreiben.“ Seine eigene Mutter, die sich über Müllberge und Randalierer in Duisburg ärgerte, war die erste Nutzerin. Sie zögerte zunächst, doch nachdem Lorenz einen Prototypen entwickelt hatte, verfasste sie einen Brief an einen Abgeordneten. „Das war schon richtig cool zu sehen, dass sie den Brief dann tatsächlich eingeworfen hat“, erinnert sich der 34-Jährige.

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Datenschutz und Kosten

Das Portal kommt ohne Account aus und speichert keine persönlichen Daten. Lorenz setzt auf eine KI aus Frankreich, die datenschutzkonform arbeitet. Nur durch freiwilliges Feedback erhält er Informationen über aktuelle Themen – etwa, dass sich viele Nutzer derzeit wegen der geplanten Gesundheitsreform an ihre Abgeordneten wenden. „Es macht auch Sinn, gerade akute Themen aufzugreifen, wo vielleicht noch so ein bisschen Entscheidungsspielraum ist“, erklärt Lorenz. Das Projekt finanziert er aus eigener Tasche; er trägt die laufenden Kosten und investiert viel Freizeit in die Weiterentwicklung. „Das ist mein Engagement gerade.“

Ausbau auf Landes- und Kommunalebene geplant

Bis Ende Juni 2024 soll das Tool auch Briefe an Landesregierungen und Kommunen ermöglichen. Künftig soll die KI zudem vorschlagen, welches Thema bei welcher Ansprechperson am besten aufgehoben ist. Lorenz gibt ein Beispiel: „Es ist zwar gut, dass meine Mutter nach Berlin schreibt: Ey, Duisburg hat Probleme damit. Wir haben strukturelle Schwierigkeiten und das Ruhrgebiet generell ist vernachlässigt. Aber eigentlich wäre dieser Brief besser bei der Kommune aufgehoben.“

Internationale Perspektive

Lorenz stellt den Quellcode des Portals online zur Verfügung, damit Entwickler aus anderen Ländern die Idee aufgreifen können. Allerdings müsse das Angebot an die jeweiligen lokalen Bedingungen angepasst werden. Die verwendete KI aus Frankreich eigne sich besonders für europäische Sprachen; für andere Sprachräume seien möglicherweise bessere Lösungen erforderlich. Lorenz hofft, dass sich Bürger durch das Tool nicht mehr politisch ausgeliefert fühlen, sondern selbst aktiv werden. „Eine Garantie ist sowieso nicht dabei, dass sich danach die Welt ändert“, räumt er ein.

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