IT-Panne legt Bahn lahm: Welche Rechte haben Passagiere jetzt?
IT-Panne legt Bahn lahm: Rechte der Passagiere

Eine schwere IT-Panne hat am Dienstagabend den gesamten Zugverkehr in Deutschland für rund zwei Stunden zum Erliegen gebracht. Betroffen waren nicht nur Fern- und Regionalzüge, sondern auch S-Bahnen und der Güterverkehr. Ursache war der planmäßige Austausch einer technischen Komponente im digitalen Zugfunksystem GSM-R. Die Deutsche Bahn entschuldigte sich bei den Fahrgästen und versprach eine lückenlose Aufklärung. Am Mittwochmorgen lief der Verkehr weitgehend reibungslos, doch der Güterverkehr kämpft noch mit den Folgen.

Was genau ist passiert?

Der digitale Bahnfunk GSM-R fiel in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch aus. Die Störung betraf alle Züge, die auf das System angewiesen sind, darunter auch Privatbahnen. Der Grund war nach Angaben der Deutschen Bahn der Austausch einer technischen Komponente. „Wie es dadurch genau zu der Störung kam, analysieren wir nun mit höchster Priorität“, erklärte Philipp Nagl, Chef der DB InfraGo. Details zur Komponente wurden nicht genannt.

Wie ist die aktuelle Lage?

Der Personenverkehr läuft seit Mittwochmorgen wieder weitgehend planmäßig. Der Güterverkehr hingegen leidet noch unter den Folgen. Nach Angaben des Verbands der privaten Güterbahnen werden die Logistikketten noch Tage beeinträchtigt sein. „Die Lage ist extrem angespannt, weil Güter-, Nah- und Fernverkehr gleichzeitig auf Weiterfahrt warten“, sagte Geschäftsführerin Neele Wesseln. Etwa die Hälfte der Güterzüge stand am Mittwochnachmittag noch still.

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Was ist GSM-R?

GSM-R steht für „Global System for Mobile Communications – Railway“. Es ist ein digitales Mobilfunknetz, das nahezu alle analogen Funksysteme der Bahn ersetzt. Es ermöglicht eine sichere Kommunikation zwischen Lokführern und Stellwerken sowie den Bahnnotruf. Das System basiert auf der 2G-Technologie aus den 1990er Jahren. Ein moderner Nachfolger auf 5G-Basis (FRMCS) soll europaweit bis spätestens 2035 eingeführt werden.

Warum ist das System anfällig?

Die Bahn betreibt ein riesiges IT-Netzwerk mit Tausenden Geräten, Datenbanken und Schnittstellen. Alte und neue Software laufen oft parallel. Beim Austausch einer Komponente kann es zu Fehlern kommen, die wie jetzt zu einem Systemausfall führen. Solche Risiken bestehen bei allen großen Unternehmen. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich 2024, als ein fehlerhaftes Update der Cybersicherheitsfirma Crowdstrike weltweit Banken, Krankenhäuser und Fluglinien lahmlegte.

Kann sich der Ausfall wiederholen?

Die Bahn versichert, die Ursachen intensiv aufzuarbeiten und Prozesse anzupassen, um künftige Ausfälle zu verhindern. „Wichtig war in diesem Fall, dass durch den Redundanzstandort die Funktion des GSM-R zeitnah vollständig wiederhergestellt werden konnte“, so das Unternehmen. Ein Totalausfall dieser Art sei bisher nie vorgekommen.

Welche Rechte haben Fahrgäste?

Betroffene Reisende haben Anspruch auf Entschädigung gemäß der EU-Fahrgastrechte. Bei einer Verspätung von mindestens 60 Minuten am Zielbahnhof erhalten sie 25 Prozent des Fahrpreises zurück, ab 120 Minuten 50 Prozent. Für Taxi- oder Hotelkosten erstattet die Bahn maximal 120 Euro, wenn die letzte Verbindung des Tages ausfällt oder die Ankunft zwischen 0 und 5 Uhr liegt. Ein Bahn-Sprecher bestätigte, dass „angemessene Übernachtungskosten erstattet“ werden, wenn eine Weiterfahrt nicht möglich ist.

Wie reagiert die Politik?

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) verlangt eine umfassende Aufklärung. Sollte es sich um Hardware- oder Update-Probleme handeln, müsse die Bahn ihre Systeme so aufstellen, dass sich der Vorfall nicht wiederhole. Der SPD-Wirtschaftspolitiker Armand Zorn betonte, der Vorfall zeige die Verwundbarkeit der kritischen Infrastruktur. „Wenn eine technische Störung den Bahnverkehr in großen Teilen Deutschlands beeinträchtigen kann, dann muss schnell und umfassend gehandelt werden.“

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Wie verwundbar ist die Infrastruktur?

Sicherheitsbehörden haben keine Hinweise auf einen Angriff durch fremde Nachrichtendienste oder Hacker. Die Bahn informierte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) noch in der Nacht. Das Unternehmen ist als kritische Infrastruktur zu solchen Meldungen verpflichtet. In der Vergangenheit war das Bahnnetz Ziel von Angriffen durch Linksextremisten und russische Akteure. Ein Sicherheitsbeamter betont: „Statt alles schützen zu wollen, müssen wir schnell reparieren lernen.“