Der Modehändler About You hat eine auf Künstlicher Intelligenz basierende Technologie entwickelt, die herkömmliche Fotoshootings überflüssig macht. Statt 70 bis 80 Euro pro Produkt kostet die KI-gestützte Fotoproduktion nur noch einen Euro. Bei bis zu 300.000 jährlich fotografierten Produkten ergibt sich ein Einsparpotenzial im zweistelligen Millionenbereich. Bereits bis Ende 2026 sollen sämtliche E-Commerce-Bilder von About You KI-generiert sein.
Höhere Umsätze durch KI-Bilder
Das Tool, das den Namen „Scayle Studios“ trägt, ist jedoch nicht nur ein Sparprogramm. „Wenn wir Bilder mit KI erstellen, ist es nicht nur viel billiger, die Qualität ist auch deutlich höher“, sagt Julian Jansen, bei About You für Marketing-Innovationen verantwortlich. „Bei Vergleichstests mit klassischen Bildern zeigte sich, dass die Umsätze bei der Verwendung von KI-Bildern im Schnitt um 9,2 Prozent höher lagen“, berichtet er. Die Technologie wird nun auch anderen Unternehmen angeboten. Bereits nutzen Betty Barclay, S.Oliver, Goldner Fashion und der FC Bayern München die KI-Lösung.
Zwei Jahre Entwicklungsarbeit
Die Entwicklung des Tools dauerte rund zwei Jahre. „Beim Einsatz von KI liegt der Teufel im Detail“, erklärt Jansen. Anfangs stimmten Schattenwurf oder Reißverschlüsse nicht. „Da fängt dann die Arbeit für die Entwickler an, ein Modell zu bauen, das zu 100 Prozent zuverlässig ist.“ Ein speziell entwickelter Layer sorgt dafür, dass Hintergründe stets einfarbig bleiben – eine Aufgabe, die KI allein nicht bewältigt. Die Zuverlässigkeit ist inzwischen so hoch, dass About You sein klassisches Fotostudio im Oktober schließen wird. Lediglich Kampagnen mit Prominenten werden weiterhin traditionell fotografiert.
Wettbewerber setzen ebenfalls auf KI
About You ist nicht der einzige Händler, der KI für Modefotos nutzt. Die Otto Group hat ein ähnliches Tool von ihrer Softwaretochter One.O entwickeln lassen und beziffert die Kostensenkung auf 60 Prozent. Innerhalb weniger Stunden könne eine komplette neue Kollektion online präsentiert werden, teilte Otto mit. Zuvor waren dafür mehrere Wochen nötig. Auch die About-You-Mutter Zalando hat eine eigene KI-Lösung entwickelt. Nach der Fusion im Januar 2026 prüften beide Unternehmen eine Zusammenlegung, entschieden sich aber aufgrund unterschiedlicher Ausrichtungen für getrennte Wege. „Wir reden miteinander und können viel voneinander lernen, aber wir gehen mit zwei verschiedenen Lösungen an den Start“, so Jansen. Ein entscheidender Unterschied: About You vermarktet sein Tool extern, Zalando nutzt es nur intern.
Markt für KI-Modefotografie wächst rasant
Laut dem Analysehaus Dataintelo lag das weltweite Marktvolumen für KI-generierte Modefotografie im vergangenen Jahr bei 1,8 Milliarden US-Dollar. Bis 2034 soll es auf 9,4 Milliarden Dollar wachsen – ein jährlicher Anstieg von 20 Prozent. Jansen sieht für About You zwei Vorteile gegenüber klassischen Technologieunternehmen: Der Anstoß für das Projekt kam von der kreativen Seite, und About You sei als Berater glaubwürdig, da es die gleiche Transformation durchlaufen habe. „Wenn du die Bildproduktion auf Künstliche Intelligenz umstellst, werden ja ganze Prozessketten umgewälzt“, betont er.
Uneinigkeit über den Einsatz von KI-Models
In der Branche herrscht noch Uneinigkeit, ob Modefotos komplett KI-generiert werden sollten oder ob menschliche Models als Vorlage dienen müssen. Otto und About You arbeiten bereits mit KI-Models. About You sieht darin den Vorteil, Bilder an regionale Vorlieben anzupassen. „Wir sehen beispielsweise, dass der Geschmack in Osteuropa ganz anders ist als in Deutschland“, sagt Jansen. Tchibo hingegen setzt weiterhin auf menschliche Models, da Tests zeigten, dass Kunden bei rein KI-generierten Gesichtern ein Störgefühl empfänden. Eine repräsentative Umfrage von Appinio und Etribes ergab, dass die weit überwiegende Mehrheit der Befragten echte Fotos bevorzugt; nur zwölf Prozent war es egal. About You hat dennoch keine Bedenken. „Wir haben keine Sorgen, dass die Kunden Vorbehalte gegenüber KI-generierten Bildern haben“, sagt Jansen. Eine Kennzeichnung der KI-Bilder erfolge nicht, lediglich in sozialen Medien werde gelegentlich darauf hingewiesen, was überwiegend positives Feedback erhalte.



