KI als Propagandawerkzeug: Wie Rechtsextreme Bilder verstärken
KI als Propagandawerkzeug für Rechtsextreme

KI verstärkt Klischees und Nostalgie

Künstliche Intelligenz ist ein ideales Werkzeug für rechtsextreme Propaganda, sagt der Medienwissenschaftler Roland Meyer. In einem Essay erklärt er, dass generative KI besonders gut nostalgische Bildwelten erschaffe, die eine vermeintlich vertraute Vergangenheit zeigen, die es so nie gegeben habe. Zudem vereindeutige KI Muster und verstärke Klischees – etwa bei Geschlechterdarstellungen: Männer und Frauen würden maximal stereotyp abgebildet, ohne Zwischenstufen. Dies entspreche einem rechten Weltbild.

Propaganda zum Mitmachen

Der Account „Traditionshüter“ verbreitet KI-generierte Musik mit rechtspopulistischen Inhalten. Das Lied „Deutschland erheb dich“ zeigt eine idealisierte Menschenmenge vor Fachwerkhäusern – ein Motiv, das sich als Foto nur mit großem Aufwand inszenieren ließe. Meyer betont, dass KI-Bilder auf mobile Geräte optimiert seien und in der Aufmerksamkeitsökonomie der Plattformen besonders gut funktionierten. „Man könnte wahrscheinlich nichts Schnelleres, Billigeres und Besseres finden als KI“, so Meyer.

Technologie begünstigt rechte Ästhetik

KI-Bildgeneratoren funktionieren wie eine umgekehrte Mustererkennung: Aus einem Prompt werden visuelle Muster erzeugt, die möglichst eindeutig dem entsprechen, was gepromptet wird. Studien zeigen, dass KI bei geschlechtsneutralen Prompts wie „professor“ praktisch immer weiße Männer generiert. Der Unterschied zu früherer Propaganda liege darin, dass sie heute „gewissermaßen von unten generiert wird“, so Meyer. „Soziale Medien in Kombination mit KI erlauben es, allen teilzunehmen. Propaganda zum Mitmachen.“

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Rechte Bildwelten: „Wilhelm Kachel“ und die Identitäre Bewegung

Der Account „Wilhelm Kachel“, hinter dem mutmaßlich die Agentur „Tannwald Media“ mit Verbindungen zur Identitären Bewegung steht, produziert Bilder, die Geschlechterklischees rassistisch aufladen. Sie zeigen eine bestimmte Idee von „Weiß“-Sein, kampfbereiter Maskulinität und sexualisierter Feminität – „faschistische Idealbilder von Geschlecht, die im Stil der NS-Malerei reproduziert werden“, sagt Meyer. Die Bilder knüpfen an populäre Memes und TikTok-Trends an und geben ihnen einen rechten Spin.

Kommerzielle Accounts bedienen rechte Ästhetik

Nicht nur politische Akteure nutzen KI für rechte Inhalte. Das britische Bureau of Investigative Journalism identifizierte Accounts, die islamfeindliche und rechtsextreme Inhalte generierten – betrieben von Menschen aus Sri Lanka oder Pakistan, die damit Geld verdienen wollten. „Die politische Propaganda muss gar nicht mehr mit entsprechenden Intentionen produziert werden, sondern wird durch die Architektur der Plattform und ihre Ökonomie begünstigt“, erklärt Meyer.

KI als Verschwörungsmaschine

KI-Chatbots helfen Verschwörungstheoretikern, ihre Narrative konsistenter auszubauen. „Die Logik der Chatbots ist so angelegt, dass sie ihre Nutzer bestätigen – auch dann noch, wenn jedes menschliche Gegenüber bereits ausgestiegen wäre“, so Meyer. Große Sprachmodelle seien „Plausibilisierungsmaschinen, die aber keinen Begriff von wahr oder falsch haben“. Dies befördere ein Verhältnis zu Bildern, das Wahrheit in der symbolischen Verdichtung suche, nicht in der authentischen Aufzeichnung.

Auswirkungen auf die Öffentlichkeit

Meyer befürchtet, dass Weltbeschreibungen und -vorstellungen weiter auseinanderdriften. „KI ist besonders gut darin, vorhandene Erwartungen zu bestätigen und in plausible Bilder und Texte zu übersetzen.“ Die Blasen in sozialen Medien träfen ständig aufeinander und verschärften die Gegensätze. Auf die Frage, ob man sich der Technologie nur verweigern könne, antwortet Meyer: „Es geht eher darum, wie wir als Gesellschaft mit dieser Technologie umgehen wollen. Der Erzählung, dass all das unvermeidlich sei, gilt es zu widersprechen.“

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