Ex-Chefredakteur Casdorff darf wegen KI-Nutzung nicht mehr für Tagesspiegel schreiben
KI-Einsatz: Ex-Chefredakteur Casdorff suspendiert

Die Chefredaktion des „Tagesspiegel“ hat ihren früheren Chefredakteur und Herausgeber Stephan-Andreas Casdorff aufgefordert, alle publizistischen Aktivitäten für die Zeitung bis auf Weiteres ruhen zu lassen. Hintergrund sind Meinungsartikel, die Casdorff nach Angaben der Zeitung nicht selbst verfasst haben soll. Stattdessen habe er die Beiträge von einer Künstlichen Intelligenz (KI) schreiben lassen.

Konsequenzen nach Bekanntwerden der KI-Nutzung

In einem von der Chefredaktion unterzeichneten Beitrag auf der Website des „Tagesspiegel“ heißt es, Casdorff habe die Texte von einer KI verfassen lassen. Nachdem dies bekannt geworden sei, habe man sich entschlossen, vorerst keine Texte des 67-Jährigen mehr zu veröffentlichen. Die betroffenen älteren Artikel seien „bis zum Abschluss der genauen Prüfung“ offline genommen worden.

Casdorff räumt Fehler ein

Casdorff selbst räumte die Vorwürfe ein. Er habe für die Texte KI genutzt, „das hätte ich kenntlich machen müssen und sie deswegen nicht publizieren dürfen“, wurde er in dem Beitrag mit der Überschrift „In eigener Sache“ zitiert. Er habe „einen Riesenfehler gemacht, habe dem Haus geschadet und mir“. Dafür bitte er von ganzem Herzen um Entschuldigung. Casdorff arbeitet seit 1999 für den „Tagesspiegel“ und war gemeinsam mit Lorenz Maroldt von 2004 bis 2018 Chefredakteur und anschließend bis 2024 einer der Herausgeber des Blattes.

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Verstoß gegen redaktionelle Richtlinien

Die Chefredaktion erklärte, beim „Tagesspiegel“ sei KI „ein Werkzeug“, das der Redaktion helfe, „einzelne redaktionelle Arbeitsschritte zu vereinfachen und auch zu verbessern“. Sie sei aber definitiv kein Mittel, das den Kern der Arbeit übernehmen dürfe. Weiter hieß es: „Die journalistische Urteilsbildung, die Gewichtung von Informationen, die analytische Einordnung und die sprachliche Gestaltung müssen immer in der Verantwortung der Autorinnen und Autoren liegen.“ Deshalb könne KI nicht die Aufgabe übernehmen, ganze Texte zu verfassen. Was Casdorff getan habe, sei „eindeutig ein Verstoß gegen unsere redaktionellen Richtlinien“. Die Regeln seien intern klar kommuniziert und für alle verbindlich. Daher lasse der Fall „keinen anderen Schritt zu, als die publizistischen Aktivitäten von Stephan-Andreas Casdorff bei uns bis auf Weiteres zu beenden“.

Bedauern und Glaubwürdigkeit

Die Chefredaktion teilte mit, den Schritt zu bedauern, da Casdorff lange Jahre für den „Tagesspiegel“ gearbeitet habe. Es gehe jedoch „um den Kern der journalistischen Glaubwürdigkeit, die wir durch das seit einigen Wochen wiederholte Verwenden von KI-erstellten Meinungstexten gefährdet sehen“.

Erst vor wenigen Tagen wurde publik, dass der thüringische Regierungschef Mario Voigt offenbar ebenfalls KI zum Erstellen von Gastbeiträgen und Reden nutzte. Die „FAZ“ löschte daraufhin einen bei der Zeitung veröffentlichten Beitrag Voigts.

Beim „Tagesspiegel“ will man mit externer Unterstützung prüfen, ob an anderen Stellen in der Redaktion unsachgemäß KI eingesetzt wurde.

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