KI-Video über Bolsonaro: Justiz untersucht möglichen Verstoß gegen Hausarrestauflagen
KI-Video: Justiz prüft Bolsonaros Hausarrest-Verstoß

Der unter Hausarrest stehende brasilianische Ex-Präsident Jair Bolsonaro sieht sich mit einer Untersuchung der Justiz konfrontiert, nachdem ein Video mit einem KI-erzeugten Doppelgänger seiner Person veröffentlicht wurde. Richter Alexandre de Moraes vom Obersten Gerichtshof Brasiliens erklärte, falls das Video mit Bolsonaros Zustimmung produziert worden sei, stelle dies einen „schwerwiegenden Verstoß“ gegen die Auflagen des Hausarrests dar. Bolsonaro beteuerte hingegen, er sei nicht für die Erstellung des Videos verantwortlich.

Richter de Moraes äußert Bedenken

Das umstrittene Video wurde am 25. Juli auf einer Wahlkampfveranstaltung gezeigt, bei der Bolsonaros Sohn Flávio offiziell zum Präsidentschaftskandidaten der Liberalen Partei gekürt wurde. In dem Clip ruft der KI-Doppelgänger von Jair Bolsonaro die Anhänger auf, seinen Sohn bei der Wahl im Oktober zu unterstützen. Richter de Moraes, der bereits im September 2025 das Urteil gegen Bolsonaro wegen eines geplanten Staatsstreichs gefällt hatte, ordnete umgehend eine Untersuchung an.

Anwälte weisen Verantwortung zurück

In einer Stellungnahme an das Oberste Gericht versicherten die Anwälte Bolsonaros am Mittwoch, ihr Mandant habe „die Verwendung seines Bildes und seiner Stimme für die Erstellung des mittels Künstlicher Intelligenz generierten Videos nicht genehmigt“. Gleichzeitig räumten sie ein, dass Bolsonaro nie Einwände dagegen erhoben habe, dass seine Kinder sein Bild für politische Aktivitäten nutzen – aufgrund der „natürlichen Vertrauensbeziehung zwischen Vater und Kindern“. Jair Bolsonaro ist es seit seiner Verurteilung untersagt, öffentliche Äußerungen zu tätigen.

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Hintergrund: Urteil und Hausarrest

Das Oberste Gericht hatte den rechtsradikalen Ex-Präsidenten im September 2025 wegen der Führung einer „kriminellen Organisation“ zur Umkehrung seiner Wahlniederlage gegen Luiz Inácio Lula da Silva zu 27 Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Bolsonaro verbüßte mehrere Monate seiner Strafe im Gefängnis, bevor er im März 2026 aus gesundheitlichen Gründen unter Hausarrest gestellt wurde. Der Hausarrest erlaubt ihm lediglich den Aufenthalt in seinem Wohnhaus in Brasília.

Mögliche Konsequenzen für Flávio Bolsonaro

Sollte der ehemalige Präsident das Video nicht genehmigt haben – wie von ihm nun angegeben –, könnte Flávio Bolsonaro gegen das brasilianische Wahlgesetz verstoßen haben. Dieses verbietet die Erstellung von sogenannten Deepfakes von Personen des öffentlichen Lebens zur Verbreitung politischer Botschaften ohne deren Zustimmung. Flávio Bolsonaro hatte in Umfragen zuletzt an Zustimmung eingebüßt, maßgeblich wegen eines Finanzskandals und einer öffentlich ausgetragenen Fehde mit seiner Stiefmutter, der früheren First Lady Michelle Bolsonaro. Zudem könnten die engen Verbindungen der Familie zu US-Präsident Donald Trump, der kürzlich Strafzölle gegen Brasilien verhängt hatte, die Wahlchancen des Kandidaten belasten.

Einordnung: Deepfakes im Wahlkampf

Der Fall verdeutlicht die wachsende Rolle von KI-generierten Inhalten in politischen Kampagnen. Während Deepfakes zunehmend zur Manipulation der öffentlichen Meinung eingesetzt werden, reagieren Justizbehörden weltweit mit strengeren Regulierungen. In Brasilien steht die Verwendung von Deepfakes ohne Einwilligung der dargestellten Person unter Strafe. Die Untersuchung gegen Bolsonaro könnte richtungsweisend sein für den Umgang mit solchen Technologien in Wahlkämpfen.

Die brasilianische Justiz prüft nun, ob neben Bolsonaro auch weitere Personen für die Erstellung und Verbreitung des KI-Videos verantwortlich gemacht werden können. Ein Urteil wird in den kommenden Wochen erwartet.

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