Genetische Verarmung durch Kälte führte zum Aussterben der Neandertaler
Genetische Verarmung durch Kälte führte zum Aussterben der Neandertaler

Eine internationale Studie im Fachjournal PNAS zeigt, dass eine geringe genetische Vielfalt vor rund 65.000 Jahren zum Aussterben der Neandertaler beitrug. Die Neandertaler durchliefen damals einen genetischen Flaschenhals, der ihre Anpassungsfähigkeit an Umweltveränderungen, Ressourcenknappheit und Krankheiten verringerte.

Vor 75.000 Jahren verschlechterte sich das Klima drastisch. Der an der Studie beteiligte Archäologe Thorsten Uthmeier von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) erläutert: „Es war so kalt, dass es in großen Flusstälern keine Vegetation mehr gegeben hat. Es gab Kleinsäuger, Lemminge, die an extreme arktische Temperaturen angepasst sind.“ Die Neandertaler zogen aus Nord- und Osteuropa in den klimatisch günstigeren Südwesten Frankreichs, wo eine kleinere Gruppe überlebte.

Als das Klima vor 60.000 bis 40.000 Jahren wieder milder wurde, breiteten sich diese „späten“ Neandertaler erneut aus, so der leitende Forscher Cosimo Posth von der Universität Tübingen. Die Analyse der mitochondrialen DNA von 59 Neandertaler-Individuen von sechs Fundorten zeigte, dass vor dem Flaschenhals eine viel größere genetische Vielfalt existierte. Bei den späten Neandertalern fand sich jedoch nur eine einzige DNA-Linie, die dann über ganz Europa verbreitet wurde.

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Vor etwa 45.000 bis 42.000 Jahren brach die Population drastisch ein, und kurz darauf verschwanden die Neandertaler endgültig. Die geringe genetische Vielfalt verringerte ihre Anpassungsfähigkeit, so Posth. Die Neandertaler lebten weit verstreut und isoliert voneinander, vermischten sich nicht und erhöhten so die genetische Vielfalt nicht. Schätzungen zufolge gab es zu der Zeit etwa 10.000 bis 15.000 Neandertaler in ganz Eurasien verteilt.

Einen besonderen Fall liefert die Sesselfelsgrotte im Altmühltal bei Kelheim. Dort fanden Forscher ein etwa 55.000 Jahre altes Teilskelett eines Neandertaler-Fötus. Die DNA-Analyse ergab, dass der Fötus nicht zu der Linie gehört, die den Flaschenhals überstanden hat, sondern zur sogenannten Thorin-Gruppe, die isoliert von den späten Neandertalern lebte. Archäologe Uthmeier betont zudem, dass sich Neandertaler und der zeitgleich auftretende Homo sapiens nur selten vermischten und sich äußerlich kaum unterschieden – beide waren dunkelhäutig.

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