Ein beliebtes Handzeichen auf Fotos kann mehr preisgeben, als einem lieb wäre – vor allem empfindliche persönliche Daten. Die Rede ist vom Peace-Zeichen, bei dem Zeige- und Mittelfinger zu einem V geformt werden. Was steckt dahinter? Ein Artikel von Jonas Stein, Online-Redakteur.
Gefährliche Bilder: Fingerabdrücke können per Selfie geklaut werden
Laut der Zeitung „South China Morning Post“ zeigte der Finanzexperte Li Chang in einer chinesischen Fernsehsendung anhand eines Promi-Selfies, wie man die Fingerabdrücke der Personen sichtbar und nutzbar machen kann. Dafür reichten ihm bereits Bilder, die aus einer Entfernung von 1,5 Metern zur Hand aufgenommen wurden. In manchen Fällen seien sogar Aufnahmen aus drei Metern Entfernung verwendbar. Durch den Einsatz von Bildbearbeitungsprogrammen und Künstlicher Intelligenz (KI) ließen sich die Ergebnisse noch verbessern.
Auch die Kryptografieprofessorin Jing Jiwu von der Universität der Chinesischen Akademie der Wissenschaften bestätigte gegenüber „China Newsweek“, dass dieses Verfahren technisch möglich ist. Zwar werde die Extraktion von Fingerabdrücken aus Fotos oft durch schlechte Beleuchtung oder mangelnde Bildschärfe erschwert, doch moderne Kameras werden immer hochauflösender. Zudem laden Social-Media-Nutzer oft nicht nur ein einziges Foto von sich hoch, sondern mehrere. Dadurch steige laut Jing Jiwu das Risiko für den kriminellen Missbrauch biometrischer Daten – auch von Gesichtern. So eröffnen sich für Betrüger mehrere Einfallstore für einen Identitätsdiebstahl.
Fingerabdrücke aus Selfies: Experten ordnen das Risiko ein
Pei Zhiyong, Direktor des Qianxin Industry Security Research Centre, erklärte gegenüber der „South China Morning Post“, dass es zwar technisch möglich sei, Fingerabdrücke aus Selfies zu extrahieren, in der Praxis sei dies jedoch schwierig umzusetzen. Fingerabdrücke würden zudem meist nur in Bereichen mit geringem Sicherheitsniveau eingesetzt. Ein größeres Risiko sieht er in ihrer Verwendung bei gefälschten Dokumenten.
Die Gefahr, dass Cyberkriminelle die simple Handgeste für ihre Zwecke missbrauchen, hält sich also in Grenzen. Dennoch ist Vorsicht geboten. Doch warum ist das Peace-Zeichen eigentlich so beliebt? Seinen historischen Ursprung hat die Symbolik im Zweiten Weltkrieg. Damals wurde das „V“ für „Victory“ (deutsch: Sieg) vom belgischen Justizminister zum Widerstandssymbol gegen die deutschen Besatzer gemacht. Der britische Premier Winston Churchill machte es anschließend populär. In den 1960er-Jahren wurde es von der US-amerikanischen Hippie-Bewegung von seiner militärischen Bedeutung befreit und zum Friedenszeichen umgedeutet.
Bei der Verwendung der Geste ist dennoch Vorsicht geboten – vor allem in britisch geprägten Ländern wie Großbritannien oder Australien. Hebt man dort Zeige- und Mittelfinger mit dem Handrücken nach vorn, gilt das als Beleidigung, ähnlich wie der erhobene Mittelfinger.



