Tagesspiegel beurlaubt Ex-Chefredakteur wegen KI-Nutzung
Der frühere Chefredakteur und Herausgeber des Berliner „Tagesspiegels“, Stephan-Andreas Casdorff, ist mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden worden. Wie die Chefredaktion am Freitag mitteilte, habe Casdorff mehrfach Meinungsartikel mithilfe Künstlicher Intelligenz verfasst. Er war zuletzt als sogenannter „Editor-at-Large“ für das Blatt tätig.
Verstoß gegen KI-Regeln
Casdorff werde bis auf Weiteres nicht mehr für den Tagesspiegel publizistisch aktiv werden, erklärte die Zeitung. Die Entscheidung sei gefallen, nachdem bekannt geworden sei, dass der ehemalige Herausgeber und Chefredakteur KI genutzt habe, um Meinungstexte zu verfassen. Die Redaktion betonte, dass KI ein Werkzeug sei, um redaktionelle Arbeitsschritte zu vereinfachen, aber nicht den Kern der Arbeit übernehmen dürfe.
Glaubwürdigkeit gefährdet
„Journalistische Urteilsbildung, Gewichtung von Informationen, analytische Einordnung und sprachliche Gestaltung müssen immer in der Verantwortung der Autorinnen und Autoren liegen“, hieß es in der Mitteilung. Es gehe um den Kern der journalistischen Glaubwürdigkeit, die durch das wiederholte Verwenden von KI-erstellten Meinungstexten gefährdet sei.
Casdorff entschuldigt sich
Casdorff bat im Tagesspiegel um Entschuldigung: „Ich habe einen Riesenfehler gemacht, habe dem Haus geschadet und mir.“ Er habe KI für seine Texte genutzt, was er hätte kenntlich machen müssen. Casdorff war seit 1999 für den Tagesspiegel tätig und gemeinsam mit Lorenz Maroldt von 2004 bis 2018 Chefredakteur; bis 2024 war er einer der Herausgeber.



