Lecks an der ISS: Astronauten in Sicherheit gebracht
Nachdem an der Internationalen Raumstation ISS Lecks aufgetreten waren, mussten mehrere Astronauten die Station vorübergehend verlassen. Für Experten kommt dieser Vorfall nicht überraschend. Der ehemalige Chef der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA, Jan Wörner, erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Bei einer so großen Infrastruktur sind immer gewisse Leckraten an Verbindungen vorhanden. Kritisch wird es, wenn lokales Materialversagen, zum Beispiel einer Dichtung, auftritt. Dann kann es zu einem unkontrollierten Fortschritt des Lecks kommen. Daher ist eine Evakuierung eine reine Vorsichtsmaßnahme.“
Evakuierung als Vorsichtsmaßnahme
Am Freitag mussten die vier Mitglieder der SpaceX-Crew 12 sowie der US-Astronaut Chris Williams die ISS zeitweise verlassen und sich in das Dragon-Raumschiff begeben. Während dieser Zeit sollten zwei undichte Stellen am sogenannten Swesda-Modul repariert werden. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos teilte mit, dass eine Stelle sofort abgedichtet wurde, während für die zweite Stelle noch Vorbereitungen liefen. Nach einer Pause der Arbeiten gab die NASA grünes Licht für die Rückkehr der fünf Raumfahrer auf die Station. Roskosmos betonte: „Die Sicherheit der Besatzung und der Bordsysteme ist nicht gefährdet, der Druck an Bord der ISS ist stabil und wird auf dem vorgesehenen Niveau gehalten.“ Wann die Reparaturen fortgesetzt werden, blieb zunächst offen.
Ursachen: Verschleiß nach vielen Andockungen
Der russische Raumfahrtexperte Georgi Trischkin führt die Lecks auf den zunehmenden Verschleiß im Swesda-Modul zurück. Es gebe Mikrorisse in den alten Schweißnähten und Defekte. „Das Hauptproblem ist jedoch der Verschleiß des Andockteils des Moduls“, schreibt er in einer Analyse. Swesda habe bereits 66 Andockvorgänge hinter sich – mehr als jedes andere Modul der Station. Jeder Andockvorgang bedeute eine zusätzliche Belastung für die Konstruktion. „Mit diesen Lecks hat man schon seit sieben Jahren zu tun und arbeitet an ihnen mit wechselhaftem Erfolg.“ Dieses Mal handele es sich um ein neues Leck, nicht um die Folge einer früheren Reparatur, was die Ursachensuche erschwere.
Die ISS: Ein internationales Projekt
Laut SpaceX passen bis zu sieben Personen in das Dragon-Raumschiff. Seit rund 25 Jahren leben und forschen kontinuierlich Raumfahrer auf der ISS. An dem Projekt arbeiten Russland, die USA, Kanada, Japan und die ESA zusammen. Trotz des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine läuft die Zusammenarbeit weiter. Die Station umkreist die Erde in etwa 400 Kilometern Höhe.



