OnlyFans wurde 2016 gegründet und hat sich innerhalb weniger Jahre zu einem der erfolgreichsten Bezahldienste für exklusive Inhalte entwickelt. Die Plattform mit Sitz in London wird von Millionen Nutzern weltweit genutzt – und sie ist zu einem Milliardengeschäft geworden. Immer mehr Prominente und Normalos verdienen hier Geld, indem sie Fotos, Videos oder persönliche Nachrichten gegen Abo-Gebühren anbieten.
Ein Beispiel, das für Aufsehen sorgte: Olympiasiegerin Lisa-Marie Buckwitz finanziert ihr Training mit Unterwäsche-Fotos auf OnlyFans. Die Bob-Pilotin, die bei den Winterspielen triumphierte, sieht sich offenbar gezwungen, alternative Einnahmequellen zu erschließen. Auch ihr Kollege Georg Fleischhauer, ebenfalls Bob-Champion, verkauft auf der Plattform Workouts in Unterhose. Reality-Star Edith Stehfest wiederum liebt es, sich erotisch zu inszenieren – und findet dafür ein zahlendes Publikum.
So funktioniert das Geschäftsmodell
Das Prinzip ist simpel: Ein Creator erstellt einen Account, lädt Inhalte hoch und legt einen monatlichen Abo-Preis fest. Fans, die die Inhalte sehen möchten, zahlen diesen Betrag. Zusätzlich können Nutzer Trinkgelder hinterlassen oder für spezielle Wünsche extra zahlen. Die Plattform erhält einen prozentualen Anteil der Einnahmen – der genaue Satz hängt von den Vertragsbedingungen ab. Üblicherweise werden die Einnahmen geteilt, wobei der Creator den größeren Teil erhält.
Dabei spielt die Reichweite eine entscheidende Rolle. Während ein Top-Creator dank Millionen Followern hohe fünfstellige Summen im Monat erzielen kann, bleiben viele kleine Anbieter unterhalb der Schmerzgrenze. Die Verteilung ist extrem ungleich: Die meisten verdienen wenig, einige wenige verdienen sehr viel. Doch gerade für Stars wie Edith Stehfest ist der Kanal attraktiv, weil er ihnen die Kontrolle über ihre Inhalte und die direkte Monetarisierung der eigenen Marke ermöglicht.
Stars und Normalos im Vergleich
Der Unterschied zwischen etablierten Prominenten und unbekannten Creators ist enorm. Lisa-Marie Buckwitz und Georg Fleischhauer profitieren von ihrer Bekanntheit aus dem Leistungssport. Ohne diesen Ruhm wäre es deutlich schwerer, zahlende Abonnenten zu finden. Für sie geht es um konkrete finanzielle Notwendigkeit: Die Trainingskosten im Hochleistungssport sind hoch, und die Sporthilfe deckt nicht immer alle Ausgaben. OnlyFans wird so zur Ersatzquelle für Sponsoren, die im Frauenbob oft schwer zu finden sind.
Edith Stehfest nutzt die Plattform dagegen als Bühne. Die ehemalige Dschungelcamp-Teilnehmerin zeigt sich selbstbewusst und hat keine Berührungsängste mit Erotik. Ihre Fans honorieren das mit Abos und Trinkgeldern. Damit verdeutlicht sie einen Trend: Immer mehr Prominente sehen OnlyFans nicht als Tabu, sondern als willkommene Zusatzeinnahme und Möglichkeit zur Selbstvermarktung. In den sozialen Netzwerken wird über diese Entwicklung kontrovers diskutiert – die einen feiern die Selbstbestimmung, die anderen kritisieren die zunehmende Kommerzialisierung des Körpers.
Schattenseiten: Druck, Jugendschutz und KI-Chats
Doch das Milliardengeschäft hat auch problematische Seiten. In der Vergangenheit kritisierten Datenschützer und Politiker, dass OnlyFans nicht ausreichend gegen Missbrauch vorgehe. So sollen wiederholt Inhalte Minderjähriger veröffentlicht worden sein, obwohl die Plattform eine Altersverifikation verlangt. Die Kontrolle funktioniert offenbar nicht immer zuverlässig. Zudem ist die Verarbeitung sensibler Daten ein heikles Thema – Leaks und Weitergabe von Bildern sind nicht ausgeschlossen.
Ein weiterer Kritikpunkt ist der Druck auf die Models. Immer wieder berichten ehemalige Creatorinnen von Agenturen, die sie zur Ausweitung der Inhalte drängen, um höhere Provisionen zu kassieren. Der Konkurrenzdruck ist hoch, und nicht jeder kann dauerhaft mithalten. Auch KI-gestützte Chats verändern die Interaktion: Abonnenten können nicht immer sicher sein, ob sie mit der echten Person schreiben oder einem Algorithmus gegenüberstehen. Transparenz sieht anders aus.
Die Plattform selbst verweist auf kontinuierliche Verbesserungen beim Jugendschutz und bei der Sicherheit. Dennoch bleiben rechtliche Grauzonen, insbesondere bei der Durchsetzung von Altersgrenzen in der internationalen Praxis. Kritiker fordern strengere Regulierung, nicht zuletzt auch aufgrund der Erfahrungen aus anderen sozialen Netzwerken.
Wie geht es weiter?
OnlyFans hat den Weg vom Nischenanbieter zur Popkultur geschafft. Die Nachfrage nach direkten Content-Angeboten steigt, und die Plattform erweitert ihr Portfolio stetig – etwa um Musik, Fitness oder Kochkurse. Für Prominente und Normalos bleibt sie eine Chance auf unabhängige Einnahmen. Doch die Schattenseiten sollten nicht übersehen werden: Wer sich hier präsentiert, muss sich über die Risiken im Klaren sein – und darüber, was es bedeutet, sich in Zeiten von KI und Social Media vollständig der Öffentlichkeit zu zeigen.



