Der Bau des Fehmarnbelt-Tunnels kommt Schritt für Schritt voran: In der Nacht zum Freitag haben die Arbeiter das dritte von insgesamt 89 Tunnelelementen abgesenkt. Am Samstagmorgen meldete die Betreibergesellschaft Femern A/S, dass das fast 220 Meter lange Betonteil korrekt positioniert und mit dem bereits installierten Tunnelabschnitt verbunden sei. Damit liegen nun bereits drei Elemente des künftig längsten Absenktunnels der Welt auf dem Meeresboden zwischen Deutschland und Dänemark.
Rekordprojekt in der Ostsee
Der Fehmarnbelt-Tunnel wird nach seiner Fertigstellung den Fehmarnbelt zwischen der deutschen Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland unterqueren. Mit einer Gesamtlänge von 18 Kilometern wird er der längste Absenktunnel der Welt sein. Durch den Tunnel verlaufen eine vierspurige Autobahn mit zwei Fahrbahnen je Richtung sowie Gleise für den Zugverkehr. Autofahrer sollen den Fehmarnbelt in etwa zehn Minuten durchqueren können, Züge in etwa sieben Minuten.
Das Projekt gilt den Angaben der Betreibergesellschaft zufolge als eines der größten Infrastrukturvorhaben Europas. Am Ende wird der Tunnel aus 89 einzelnen Elementen bestehen, die nacheinander auf dem Meeresboden versenkt werden. Der Fehmarnbelt-Tunnel ist damit ein zentraler Baustein im europäischen Verkehrskorridor von Malta bis Finnland.
Produktion in Rødbyhavn auf Lolland
Die insgesamt 89 Tunnelelemente werden in einer eigens errichteten Produktionsstätte im Hafen von Rødbyhavn auf der dänischen Insel Lolland hergestellt. Jedes einzelne Element wiegt mehr als 73.500 Tonnen und ist in etwa so groß wie ein Frachtschiff. Die Fertigung eines solchen Elements ist ein komplexer Prozess, da der Beton in riesigen Mengen verarbeitet wird und höchsten Qualitätsansprüchen genügen muss.
Die Elemente sind so konstruiert, dass sie nach der Fertigstellung mithilfe von Schleppern zu ihrem Einsatzort gebracht und dort kontrolliert abgesenkt werden können. Anfang Mai war das erste Tunnelelement für die Querung zwischen Fehmarn und Lolland abgesenkt worden. Nun folgte das dritte, das den Namen Heiligenhafen trägt. Wie alle Elemente ist auch dieses nach einer Stadt benannt, die entlang der Verkehrsachse Malta-Finnland liegt, deren zentraler Bestandteil der Tunnel sein soll.
Präzisionsarbeit im Fehmarnbelt
Die Reise des dritten Tunnelsegments begann bereits am Dienstagabend: Fünf Schlepper transportierten das tonnenschwere Betonelement vom Produktionshafen zum Tunnelgraben im Fehmarnbelt. Dort wurde es über der vorgesehenen Position mit Hilfe von Stahlseilen in Position gebracht. Das eigentliche Absenken startete in der Nacht zum Freitag; am Samstagmorgen war das Element korrekt positioniert und mit dem bereits verlegten Tunnelteil verbunden.
„Jeder Absenkvorgang ist eine anspruchsvolle Präzisionsaufgabe, bei der viele Komponenten zusammenspielen müssen“, sagte der stellvertretende Projektdirektor Lasse Vester laut Mitteilung. Das Zitat unterstreicht, wie anspruchsvoll die Arbeiten auf offener See sind. Schon kleinste Abweichungen könnten die Passgenauigkeit der Elemente beeinträchtigen und den gesamten Bauplan gefährden.
Weitere Schritte: Abdeckung und viertes Element
Nach dem erfolgreichen Absenken wird das dritte Tunnelelement nun mit Steinen und Schotter bedeckt. Diese Abdeckung dient dazu, das Element im Tunnelgraben zu sichern und es dauerhaft stabil am Meeresboden zu halten. Zeitgleich beginnen den Angaben zufolge bereits die Arbeiten für das vierte Element, das in den kommenden Wochen ebenfalls abgesenkt werden soll.
Die Betreibergesellschaft Femern A/S treibt das Projekt mit Hochdruck voran, um die Verzögerungen im Zeitplan zu begrenzen. Ursprünglich war die Fertigstellung des Ostseetunnels für 2029 geplant. Der Bau des 18 Kilometer langen Tunnels liegt jedoch laut Projektgesellschaft mindestens zwei Jahre hinter dem Plan. Ein Abschluss der Bauarbeiten wird daher frühestens 2031 erwartet.
Auch die Hinterlandanbindung verzögert sich
Auch Deutschland rechnet damit, dass sich der Bau der Hinterlandanbindung über 2029 hinaus verzögern wird. Die Anbindung ist notwendig, um den Tunnel mit dem bestehenden Straßen- und Schienennetz zu verbinden. Erst wenn sowohl der Tunnel als auch die Zulaufstrecken fertiggestellt sind, kann der Verkehr durch den Fehmarnbelt rollen. Nach aktuellem Stand wird der längste Absenktunnel der Welt also erst nach 2030 in Betrieb gehen.



