Die Waldbrandsaison im Mittelmeerraum hat am Wochenende erneut an Intensität zugenommen. Während sich die Lage in Frankreich und Spanien leicht entspannte, breiteten sich in Griechenland neue Großfeuer aus. Nordwestlich von Athen bekämpften Feuerwehr und Anwohner einen Brand, der mehr als 100 Häuser zerstörte. Auf der Touristeninsel Kefalonia veranlasste ein weiteres Feuer die Behörden zu Evakuierungen.
Brand bei Porto Germeno: Winde lassen nach, Flammen überqueren Berg
Rund um Porto Germeno am Golf von Korinth, etwa 60 Kilometer nordwestlich von Athen, waren die stürmischen Winde am Sonntag zunächst abgeflaut. Doch die Flammen überquerten einen Berg in Richtung Süden und erreichten die Siedlung Veniza sowie einen militärischen Schießplatz, auf dem alte Munition detonierte. Die Feuerwehr sprach von einer weiterhin gefährlichen Lage, da sich der Brand in unwegsamem Gelände ausbreitet.
Nach Schätzungen der Behörden umfasst die zerstörte Fläche in der Region mehr als 10.000 Hektar. Mindestens 100 Häuser wurden ein Raub der Flammen. Fast 500 Feuerwehrleute waren mit schwerem Gerät und Löschflugzeugen im Einsatz. Verstärkung kam aus Rumänien und Frankreich. Auch einheimische Helfer waren im Einsatz: In Agios Konstantinos versuchte der 61-jährige Tasos Tzempelikos gemeinsam mit seinem Sohn, die Flammen mit Wasser zu löschen. „Natürlich können die Einsatzkräfte nicht überall sein“, sagte er. „Wir Bewohner tun, was wir können.“
Der Zeitung „Protothema“ zufolge wurde mit Hochdruck daran gearbeitet, ein Übergreifen des Feuers von Veniza auf die nahe gelegene Küstenstadt Megara zu verhindern. Den ganzen Tag über waren Löschflugzeuge in der Luft, um die Fronten einzudämmen.
Kefalonia: Evakuierungen in der Nacht
Auch auf der Ferieninsel Kefalonia ist die Lage außer Kontrolle geraten. Ein neues Feuer veranlasste die Behörden in der Nacht zum Sonntag, Evakuierungen anzuordnen. Betroffen waren mehrere Ortschaften in der Nähe der Küste. Einheimische und Urlauber mussten ihre Unterkünfte verlassen und in Sicherheit gebracht werden. Über die genauen Schäden und die Zahl der evakuierten Personen gab es zunächst keine offiziellen Angaben.
Die Insel Kefalonia ist besonders bei Touristen beliebt und eine wichtige Einnahmequelle für die Region. Die Brände bedrohen neben Wohnhäusern auch Hotels und Ferienanlagen. Die örtlichen Behörden appellierten an die Bevölkerung und Gäste, den Anweisungen der Einsatzleitungen Folge zu leisten und Gefahrenzonen zu meiden.
Frankreich: Entspannung in Gironde und Var
In Frankreich gibt es dagegen positive Signale. Die Waldbrände in den Départements Gironde und Var haben an Kraft verloren. Nach Angaben der Präfekturen meldeten die Einsatzkräfte nur noch kleinere Brandherde im südwestlichen Gironde-Gebiet. Im südöstlichen Var breitete sich das Feuer über Nacht nicht weiter aus. Die Gefahr ist jedoch noch nicht gebannt: Wegen der anhaltenden Trockenheit besteht weiterhin eine hohe Brandgefahr.
Spanien: Brände in Zentralspanien unter Kontrolle – neuer Brand in Caceres
In Zentralspanien war die Lage am Sonntag weitgehend stabil. Die Brände, die in der vergangenen Woche Zehntausende Hektar Land zerstört hatten, sind nach offiziellen Angaben größtenteils unter Kontrolle. In der westlichen Provinz Caceres sorgte allerdings ein neues Feuer für einen chaotischen Tag: Rund 800 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Am Sonntag durften die Anwohner zwar zurückkehren, aber nicht wieder ausreisen. Der Brand war noch immer aktiv, und die Behörden wollten eine erneute Räumung nicht riskieren.
Hilfe aus dem Ausland und weiterhin hohe Gefahr
Griechenland erhält bei der Bekämpfung der Brände Unterstützung aus dem Ausland. Rumänien und Frankreich haben Einsatzkräfte entsandt, um die griechische Feuerwehr zu unterstützen. Weitere Staaten haben ebenfalls Hilfe angeboten, wie aus dem Umfeld der Regierung in Athen zu hören war. Die Zusammenarbeit zeigt, dass Waldbrände längst keine nationalen Ereignisse mehr sind, sondern eine gemeinsame Herausforderung in der Mittelmeerregion darstellen.
Die unmittelbare Gefahr ist jedoch noch nicht gebannt. In den betroffenen Gebieten Griechenlands gelten weiterhin Warnungen. Anwohner und Urlauber müssen sich auf gesperrte Straßen, Rauch und eine eingeschränkte Sicht einstellen. Die Einsatzkräfte wollen die Feuerfronten in den kommenden Tagen weiter einkreisen.



