Thüringen: IT-Grundschutz soll Kommunen vor Cyberattacken schützen
Thüringen: IT-Grundschutz für Kommunen gegen Cyberangriffe

Die Thüringer Landesregierung stuft die Bedrohungslage im Bereich der Informationstechnologie weiterhin als hoch ein. Angesichts von Spionage, Spam und Schadsoftware soll nun der IT-Grundschutz in den Kommunen eingeführt werden. Digitalisierungsstaatssekretärin Milen Starke kündigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur an, die Zusammenarbeit mit den Kommunen zu intensivieren, um ein einheitlich hohes Sicherheitsniveau zu erreichen.

„Die Angriffe auf unsere IT-Systeme bleiben jedoch auf einem hohen Niveau und werden immer perfider. Wir müssen unsere IT-Abwehrkräfte stetig überprüfen und weiterentwickeln“, sagte Starke in Erfurt. Die Landesverwaltung selbst sei im Sicherheitsbereich gut aufgestellt, doch gerade die kommunalen Strukturen müssten besser geschützt werden.

Millionen E-Mails aus Sicherheitsgründen abgewiesen

Aus dem Digitalministerium wurden konkrete Zahlen genannt: Im Jahr 2025 erreichten rund 35,1 Millionen E-Mails die Systeme der Landesverwaltung. Davon blockierten die Filter aus Sicherheitsgründen zentral etwa 24,1 Millionen Nachrichten. Das entspricht einem Anteil von fast 70 Prozent. Zudem identifizierten die Sicherheitsmechanismen 371.000 E-Mails als Spam. Bei weiteren 63.000 E-Mails wurde ein Schadsoftware-Befall festgestellt.

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  • Erfasste E-Mails 2025: 35,1 Millionen
  • Aus Sicherheitsgründen abgewiesen: 24,1 Millionen
  • Als Spam erkannt: 371.000
  • Mit Schadsoftware: 63.000

Für die erste Jahreshälfte 2026 meldet das Ministerium erneut hohe Abwehrzahlen: Von 14,9 Millionen eingegangenen E-Mails wurden 7,2 Millionen abgewiesen – etwa die Hälfte. Diese Zahlen belegen laut Ministerium die anhaltende Bedrohung durch Cyberkriminalität und staatlich gesteuerte Angriffe.

IT-Grundschutz als verbindlicher Standard für Kommunen

Um die Sicherheitsarchitektur zu vereinheitlichen, hat die Landesregierung ein klares Ziel ausgegeben. „Für ein einheitlich hohes Sicherheitsniveau in den Kommunen soll in allen kommunalen Verwaltungen der IT-Grundschutz eingeführt werden“, betonte Starke. Der IT-Grundschutz bietet einen systematischen Leitfaden, um technische, organisatorische und personelle Sicherheitsmaßnahmen in Behörden zu etablieren. Er soll dazu beitragen, Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Cyberangriffen zu erhöhen.

Der IT-Grundschutz ist in Deutschland ein etablierter Standard für die Absicherung von Informationsverbünden. Er sieht die Erstellung eines Sicherheitskonzepts, die Umsetzung von Basis- und Standardmaßnahmen sowie die regelmäßige Überprüfung vor. Für die Kommunen bedeutet das einen zusätzlichen Aufwand, der durch die Unterstützung des Landes aber abgefedert werden kann.

Spionageversuche und geopolitische Lage

Die angespannte Sicherheitslage steht nach Einschätzung des Ministeriums in engem Zusammenhang mit der politischen Weltlage. Insbesondere der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Konflikte im Nahen Osten tragen dazu bei. Weil Deutschland die Ukraine unterstütze, sei es ein potenzielles Ziel für prorussische Akteure, heißt es aus dem Digitalministerium.

Diese Einschätzung wird durch interne Statistiken untermauert: Bei 4.174.564 Angriffen im Jahr 2025 habe der Anfangsverdacht eines Spionageversuchs bestanden. „Diese konnten detektiert und abgewehrt werden“, erklärte das Ministerium. Dennoch müsse die IT-Abwehr permanent an neue Bedrohungen angepasst werden, da die Angreifer ihre Methoden stetig verfeinerten.

Mit der Einführung des IT-Grundschutzes will Thüringen die Basis für eine langfristig robuste IT-Infrastruktur in der gesamten öffentlichen Verwaltung schaffen. Die Maßnahmen sollen die Handlungsfähigkeit der Behörden sichern und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die digitale Verwaltung stärken. Die Landesregierung will die Kommunen dabei nicht allein lassen: Geplant sind enge Abstimmung mit den kommunalen Spitzenverbänden und den Rechenzentren sowie begleitende Schulungs- und Informationsangebote.

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