Hundetrainer-Szene im Zwist: Ideologische Grabenkämpfe statt professionellem Dialog
Hundetrainer-Szene: Ideologische Grabenkämpfe statt Dialog

Ideologische Gräben in der Hundetrainer-Szene

Die Welt der Hundetrainer gleicht auf Social Media Plattformen mitunter einem rauen Haifischbecken, in dem sich Kollegen öffentlich schlechtmachen und Kunden gegeneinander aufgebracht werden. Dieses Problem ist keineswegs neu, wie die erfahrene Hundetrainerin Katharina Marioth im Gespräch mit PETBOOK deutlich macht. Die zentrale Frage lautet: Warum hat Ideologie im professionellen Hundetraining nichts verloren und wie können Halter einen kompetenten Trainer erkennen?

Zwei unversöhnliche Lager

Über die Jahre haben sich in der Hundetrainer-Branche klare Fronten verhärtet. Auf der einen Seite stehen Trainer, die primär auf Methoden der positiven Verstärkung setzen. Auf der anderen Seite finden sich jene Fachleute, die stärker auf Ordnung, Disziplin und unbedingten Gehorsam fokussieren. Offiziell arbeitet heute niemand mehr mit aversiven Methoden, also mit Druck oder Strafen. „In der Praxis wird dies jedoch nach wie vor angewandt“, stellt Marioth nüchtern fest. Ihr größtes Problem mit der aktuellen Debatte: „Wir haben zwei extreme Pole geschaffen – und vergessen dabei vollkommen, dass die reale Trainingswelt mit all ihren Nuancen dazwischen weiter existiert.“

Soziale Medien als Brandbeschleuniger

Die sozialen Netzwerke verschärfen diese angespannte Situation zusätzlich. Reichweite bedeutet hier direkte Sichtbarkeit, und Sichtbarkeit wiederum übersetzt sich oft in lukrative Kooperationen und Einnahmen. Marioth selbst verzichtet bewusst auf solche Strategien. Sie möchte authentisch bleiben und sich keinem unnötigen Erfolgsdruck aussetzen. „Es ist deutlich einfacher, schlecht über andere zu sprechen, als positiv über die eigene Arbeit zu berichten“, erklärt sie. Genau dieses Phänomen beobachtet sie regelmäßig: Statt sachlicher Fachkritik dominiert oft persönliches Bashing. Öffentlich zur Schau gestellte Aggression sagt dabei vor allem etwas über den Absender aus. Bei einem Hund würde man dieses Verhalten als wenig souverän bezeichnen.

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Verbale Gewalt statt konstruktivem Austausch

Besonders deutlich werden die verhärteten Fronten im Umgang mit aggressiven Hunden, wie Marioth betont. Kritische Stimmen oder alternative Vorschläge werden hier schnell mit abfälligen Kommentaren wie „Dann nimm du den Problemhund doch selbst bei dir auf“ abgekanzelt. Für die Expertin handelt es sich dabei nicht um Dialog, sondern um verbale Gewalt. In der eigenen Szene fehlt mitunter genau das, was man im Training mit den Hunden einfordert: nämlich Frustrationstoleranz und Impulskontrolle.

Woran erkennt man einen souveränen Hundetrainer?

Für verunsicherte Hundehalter ist die Lage oft unübersichtlich. Doch woran lässt sich ein wirklich guter Trainer erkennen? Marioth rät zu genauem Hinschauen und kritischem Hinterfragen:

  • Wie gestaltet sich das Erstgespräch? Wird transparent erklärt, mit welchen Methoden gearbeitet wird?
  • Müssen Sie sich sofort auf umfangreiche Pakete mit zehn oder fünfzehn Stunden festlegen?
  • Werden unrealistische Versprechungen gemacht wie „der einzig wahre Kurs zur perfekten Leinenführigkeit“ oder „in 30 Sekunden Schluss mit der Leinenpöbelei“?

Solche pauschalen Angebote sind unseriös, denn „Hundetraining ist immer individuell und kann nicht in Standardpakete gepresst werden“, so Marioth. Auch die zwischenmenschliche Chemie spielt eine entscheidende Rolle. Wenn es menschlich nicht passt, sollte dies offen angesprochen werden. Ein professioneller Trainer wird im Zweifel sogar Kollegen empfehlen, bei denen die Harmonie besser gegeben ist.

Skepsis ist außerdem angebracht, wenn ein Trainer „wirklich alles“ anbietet – von Agility über Mantrailing bis hin zu speziellen Geruchsanzeigen. Jeder seriöse Trainer hat klare Schwerpunkte und Spezialisierungen. Und nicht zuletzt ist Geduld gefragt: Es ist keineswegs verwerflich, mehrere Trainer auszuprobieren. „Es braucht mitunter Zeit, bis man den richtigen Fachmann findet, bei dem man sich und seinen Hund wirklich wohlfühlt“, resümiert Marioth.

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