Qualzucht bei Hunden: Neue Studie zeigt dramatische Auswirkungen auf weitere Rassen
Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung enthüllt erschreckende Fakten über die Folgen von Qualzucht bei Hunden. Während bisher vor allem Rassen wie Mops, Französische Bulldogge und Bulldogge für ihre Atemprobleme bekannt waren, zeigt die Studie, dass deutlich mehr Züchtungen unter dem sogenannten Brachyzephalischen Obstruktiven Atemwegssyndrom (BOAS) leiden.
Pekinesen und Japan Chins besonders stark betroffen
Laut der im Fachjournal PLOS One veröffentlichten Studie sind fast 90 Prozent aller Pekinesen und mehr als 80 Prozent der Japan Chins von dieser lebensqualitätseinschränkenden Erkrankung betroffen. Damit erreichen diese Rassen ähnlich hohe Erkrankungsraten wie die bereits bekannten Problemrassen, berichtet das Forschungsteam um Francesca Tomlinson von der University of Cambridge.
Die Wissenschaftler untersuchten rund 900 erwachsene Hunde verschiedener Rassen und bewerteten deren Atmung sowohl in Ruhephasen als auch nach einem dreiminütigen Belastungstest. Die Ergebnisse sind alarmierend und zeigen, dass das Problem der Qualzucht weiter verbreitet ist als bisher angenommen.
Was ist BOAS und welche Symptome treten auf?
Das Brachyzephalische Obstruktive Atemwegssyndrom ist eine chronische Erkrankung, die auf züchterisch bedingte anatomische Veränderungen zurückgeht. Durch die extrem kurze Schnauze und den flachen Schädel werden die oberen Atemwege verengt, was zu schwerwiegenden Gesundheitsproblemen führt.
Typische Symptome von BOAS sind:
- Lautes, schnaufendes oder röchelndes Atmen
- Maulatmung auch in Ruhephasen
- Ohnmachtsanfälle und Erbrechen
- Schlafstörungen und chronische Erschöpfung
- Schnelle Überhitzung bei Belastung oder warmen Temperaturen
- Erhöhtes Risiko für Herzprobleme und tödliche Atemnot
Betroffene Hunde können kaum toben oder spielen, da sie sofort außer Atem geraten. Selbst einfache Aktivitäten werden zur Qual, und viele Tiere benötigen chirurgische Eingriffe, um ihre Lebensqualität zu verbessern. In besonders schweren Fällen müssen Hunde sogar eingeschläfert werden, um sie von ihrem Leiden zu erlösen.
Fünf weitere Rassen als mäßig gefährdet eingestuft
Die Studie identifizierte neben den stark betroffenen Rassen fünf weitere Züchtungen, die als mäßig gefährdet gelten:
- King Charles Spaniel
- Shih Tzu
- Brüsseler Griffon
- Boston Terrier
- Bordeauxdogge
Bei diesen Rassen waren jeweils zwischen 50 und 75 Prozent der untersuchten Hunde von BOAS betroffen. Weitere Rassen wie Staffordshire Bullterrier, Cavalier King Charles Spaniel, Chihuahua, Boxer und Affenpinscher zeigten zwar bei etwa der Hälfte der Tiere gewisse Atemgeräusche, aber nur wenige waren klinisch relevant erkrankt.
Komplexer Zusammenhang zwischen Schnauzenlänge und Erkrankungsrisiko
Die Forschungsergebnisse zeigen, dass der Zusammenhang zwischen der relativen Schnauzenlänge und dem BOAS-Risiko komplexer ist als bisher angenommen. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Zusammenhang zwischen der relativen Schnauzenlänge und dem BOAS-Risiko komplexer ist als allgemein angenommen", erklärt Mitautor David Sargan.
Ein bemerkenswertes Beispiel ist der King Charles Spaniel: Obwohl diese Rasse einen extrem kurzen Schädel aufweist, waren 40 Prozent der untersuchten Tiere nicht von BOAS betroffen. Die Studie ergab zudem, dass Übergewicht die Atemprobleme deutlich verstärkt und dass BOAS sowohl zwischen verschiedenen Rassen als auch innerhalb einer Rasse erheblich variieren kann.
Forderungen nach mehr Bewusstsein und veränderten Zuchtstandards
Die Wissenschaftler fordern mit ihrer Untersuchung mehr Bewusstsein für die Folgen von Qualzucht. Besonders Preisrichter bei Hundeausstellungen sollten darauf achten, Merkmale, die mit BOAS in Verbindung stehen, nicht weiter zu belohnen oder zu fördern.
Qualzucht bezeichnet die bewusste Zucht von Tieren, bei der bestimmte äußerliche Merkmale gefördert werden, obwohl sie das Wohlbefinden und die Lebenserwartung erheblich beeinträchtigen. Das als süß empfundene Aussehen flachgesichtiger Hunde bezahlen die Tiere oft mit dauerhafter Atemnot und eingeschränkter Lebensqualität.
Die Studie unterstreicht die dringende Notwendigkeit, Zuchtstandards zu überdenken und das Wohl der Tiere über ästhetische Vorlieben zu stellen. Nur so können zukünftige Generationen von Hunden vor den qualvollen Folgen extremer Zuchtpraktiken bewahrt werden.



