Die Schriftstellerin Christine Wunnicke erhält den diesjährigen Georg-Büchner-Preis, eine der renommiertesten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt gab die Entscheidung am Donnerstag bekannt.
Jury würdigt überraschendes Erzählwerk und Sprachwitz
In ihrer Begründung lobt die Jury Wunnickes „stets überraschendes und souverän konzipiertes Erzählwerk, das an so unterschiedlichen Schauplätzen wie Hollywood, Nagasaki oder Paris angesiedelt ist“. Besonders hervorgehoben werden die „Verblüffungskraft ihres Œuvres“, sein unbekümmerter Eigensinn und die „unbeirrbare Arbeit eines Vierteljahrhunderts“. Die Jury betont zudem die gelungene Auseinandersetzung mit Fakten und Fiktionalem: Wunnicke mache im vermeintlich Historischen das Fiktionale sichtbar und ermögliche so einen neuen Blick auf die europäische Wissenschafts- und Kolonialgeschichte, „ohne dabei die Empathie für ihre Figuren zu verleugnen“.
Ihre Arbeit zeichne sich durch Sprachwitz aus, ohne selbstreferenziell zu werden. Unterhaltendes und anspruchsvolle Reflexion würden so verbunden, heißt es in einer Erklärung der Akademie.
Lebenslauf und literarische Erfolge
Christine Wunnicke, geboren 1966 in München, studierte Linguistik, Altgermanistik und Psychologie in Berlin und Glasgow. Nach dem Studium war sie in der Wissenschaftsverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft in München tätig. Seit Anfang der 1990er Jahre tritt sie als Autorin in Erscheinung, zunächst mit Hörspielen und Radiofeatures, seit mehr als 20 Jahren auch mit Romanen.
Zu ihren bekanntesten Werken zählen „Der Fuchs und Dr. Shimamura“ (2015) über einen scheinbar an Hysterie erkrankten japanischen Nervenarzt sowie „Katie“ (2017) über die Begegnung des englischen Physikers William Crookes und der Verrenkungskünstlerin Florence Cook. Für ihren Roman „Die Dame mit der bemalten Hand“ (2020) erhielt sie den Wilhelm Raabe-Literaturpreis und stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Ihr jüngstes Buch „Wachs“ (2025), das im Frankreich des 18. Jahrhunderts spielt, brachte ihr erneut eine Shortlist-Nominierung für den Deutschen Buchpreis ein. Zudem wurde sie 2025 mit dem Jean-Paul-Preis für ihr Gesamtwerk und 2026 mit dem Literaturpreis der Darmstädter Jury „Buch des Monats“ für „Wachs“ ausgezeichnet.
Preisverleihung im Oktober in Darmstadt
Die Verleihung des Georg-Büchner-Preises, der mit 50.000 Euro dotiert ist, findet am 24. Oktober im Staatstheater in Darmstadt statt. Die Laudatio hält die Schriftstellerin Judith Schalansky. Der Preis wird seit 1951 vergeben und zählt zu den wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Namensgeber ist der Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner („Woyzeck“), der 1813 im Großherzogtum Hessen geboren wurde und 1837 in Zürich starb.
Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem Max Frisch (1958), Günter Grass (1965), Heinrich Böll (1967) sowie in jüngerer Zeit Terézia Mora, Lukas Bärfuss, Elke Erb, Clemens J. Setz, Oswald Egger und Ursula Krechel.



