70 Jahre BRAVO: Wie die Jugendzeitschrift Generationen prägte
70 Jahre BRAVO: Jugendzeitschrift prägte Generationen

Die BRAVO wird 70: Ein Stück Jugendgeschichte

Sommer 1994, Klassenfahrt im nicht klimatisierten Reisebus. Einer 11-Jährigen wird noch wärmer, als sie die heiße Ware in den Händen hält, die ihre Eltern am liebsten mit Weihwasser bespritzt hätten: die BRAVO. Grüße an Julia Huber aus der 5a, die damit dealte. Lucilectric im Walkman, vor den Augen: Nackte! Tabus brechen und Fragen beantworten, die manchen Eltern bis heute nicht über die Lippen kommen: Genau dafür war die BRAVO da. Seit dem 26. August 1956, als sie erstmals erschien für 50 Pfennig. Die Startauflage betrug 30.000 Exemplare, zu besten Zeiten waren es 1,7 Millionen verkaufte Exemplare.

Von Peter Kraus bis zur Kelly Family: Stars und Aufklärung

Peter Kraus zierte häufig das Cover des Magazins – er war DER Teenie-Schwarm deutscher Mädchen Ende der 50er Jahre. Wer wissen wollte, wer mit wem zusammen ist, kaufte die BRAVO. Wer wissen wollte, ob man vom Küssen schwanger werden kann, kaufte die BRAVO. Und wer gar nichts wissen wollte, kaufte sie trotzdem. Sie gehörte zur Pubertät wie Pickel und Liebeskummer. Dr. Sommer klärte auf, die Foto-Love-Story verklärte die Liebe, und die Leser sammelten Starschnitte und Poster. Generationen warteten donnerstags auf sie, die Beatlemania, Disco, Neue Deutsche Welle, Boygroups und sogar das Internet überlebte. Nur gegen das Smartphone war selbst sie machtlos. Seit 2020 erscheint die BRAVO nur noch monatlich zum Preis von 3,99 Euro.

BRAVO TV und die Bedeutung für die Musikindustrie

Auch den Fernsehableger BRAVO TV gab es auf unterschiedlichen Sendern zwischen 1985 und 2007, unter anderem mit Collien Fernandes (damals 20) und Sebastian Höffner (damals 25). Die Kelly Family war in den 90er Jahren fast jede Woche im Magazin. Patricia Kelly (56, unten, 1. v. l) erinnert sich in BILD: „Unsere Karriere wäre ohne die BRAVO nicht denkbar gewesen. Ich habe mehr mit der Redaktion telefoniert als mit meiner Plattenfirma. BRAVO war damals so wichtig, wie Social Media heute ist.“

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Ein langsameres Tempo des Erwachsenwerdens

Die Autorin erinnert sich an die „Hihihis“ im Ohr, als der Bus das oberbayerische Tittmoning passierte, während alle gebannt blätterten. Keiner checkte, was der Algorithmus der letzten zehn Minuten empfiehlt. Das Tempo der Reise zum Erwachsenwerden war langsamer. Es reichte, zu wissen, was in der neuen BRAVO steht. Brigitte Bardot (damals 25) wurde 1959 zum ersten BRAVO-Star-Schnitt.

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