Rónán Hessions Roman 'Panenka': Vom verschossenen Elfmeter zur Lebensbeichte
Panenka: Roman über Schuld und Vergebung

Vor 25 Jahren verschoss Joseph einen saisonentscheidenden Elfmeter – und dieser Moment bestimmte fortan sein gesamtes Leben. Der Abstieg seines Vereins, das Ende seiner Fußballkarriere und eine tiefe Depression folgten. Joseph, heute 50, lebt als Schatten seiner selbst, unfähig, das Versagen hinter sich zu lassen. Seine Frau Lauren verließ ihn nach Jahren vergeblicher Bemühungen, und mit seiner Tochter Marie-Thérèse hat er erst wieder Kontakt, seit sie nach dem Scheitern ihrer eigenen Ehe mit seinem Enkel Arthur bei ihm eingezogen ist. In Rónán Hessions Roman „Panenka“, der nun in der Übersetzung von Andrea O'Brien auf Deutsch erschienen ist, wird eine einfühlsame Geschichte über Schuld, Vergebung und die Möglichkeit eines Neuanfangs erzählt.

Die Folgen des Fehlschusses

Josephs Elfmeter war eine Kopie des berühmten Panenka-Schusses, mit dem Antonín Panenka 1976 die Tschechoslowakei zum Europameister machte. Doch während Panenka unsterblich wurde, hielt der Torwart der gegnerischen Mannschaft Josephs Ball – und besiegelte damit sein Schicksal. Josephs Spitzname „Panenka“ wurde zur ständigen Demütigung. Er suchte sich einen Job, der so schwer und stumpfsinnig wie möglich war, als Strafe für sein Versagen. Seine sozialen Kontakte beschränkten sich auf die Kneipe seines Schwiegersohns, wo er immer wieder dieselben Männer traf und dieselben Gespräche führte. Hession beschreibt diese Treffen als verlässliche Verankerung in einem tristen Alltag, in dem sich kaum jemand für ihre kleinen Leben interessiert.

Eine unerwartete Begegnung

Bei einem Friseurbesuch lernt Joseph Esther kennen. Sie behandelt ihn mit einer Freundlichkeit, die ihn tief berührt und seine Selbstzweifel infrage stellt. Esther ist selbst geflüchtet – aus einer gescheiterten Beziehung – und hat die Sehnsucht nach Glück hinter sich gelassen. Nun findet sie sich in einer „unbenannten, undefinierten Beziehung“ wieder, die sie überraschend glücklich macht und die unschwer als zart beginnende Liebe zu erkennen ist. Diese Begegnung weckt in Joseph Hoffnung, doch gleichzeitig plagen ihn nächtliche Kopfschmerzattacken, die er „eiserne Maske“ nennt und die ihn auf dem Badezimmerboden in die Knie zwingen.

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Die niederschmetternde Diagnose

Als Joseph die Kopfschmerzen endlich ärztlich abklären lässt, erfährt er eine niederschmetternde Diagnose. Der Roman nutzt diesen Wendepunkt, um Joseph zu zwingen, sich seiner Vergangenheit zu stellen. „Verliert man erst den Glauben an sich selbst, betrachtet man sich rasch als Problem für die anderen“, schreibt Hession – ein Satz, der Josephs Lebensgefühl perfekt einfängt. Die verbleibende Zeit wird zur Chance, zu fühlen, zu sprechen und zu leben, bevor es zu spät ist.

Ein Roman über menschliche Würde

Wie schon in seinem Debüt „Leonard und Paul“ zeigt Hession einen präzisen und liebevollen Blick auf unscheinbare Figuren. Marie-Thérèse, die zur stellvertretenden Filialleiterin aufgestiegen ist, kämpft mit ihrer neuen Rolle und dem Schmerz über den abwesenden Vater. Die namenlose Stadt wird zur Kulisse für Geschichten voller Würde und Anmut. Die deutsche Übersetzung von Andrea O'Brien und die Hörbuchfassung, gelesen von Steffen Groth, verleihen dem Text eine Warmherzigkeit, die es leicht macht, sich in den Figuren wiederzuerkennen. „Panenka“ ist eine tröstliche Geschichte, die zeigt, dass selbst nach Jahrzehnten des Scheiterns ein Neuanfang möglich ist.

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