Mit ihrem neuen Roman „Alles Liebe“ (dtv-Verlag, 240 Seiten) entlarvt Ronja von Rönne die Schattenseiten der Liebe. Die 34-jährige Autorin, bekannt für ihre schonungslosen Analysen, zeigt anhand fünf Protagonisten, wie weit Menschen aus Sehnsucht nach Zuneigung gehen – bis ihre Lügenkonstrukte unter ihnen zusammenbrechen. Das Buch ist eine bitterböse Komödie über moralische Abgründe, die gleichzeitig heilsam wirkt.
Fünf tragische Existenzen im Fokus
Jede der fünf Figuren erhält ein eigenes Kapitel. Da ist Barbara, deren Tochter an Krebs stirbt. Nachdem ihr Mann sie verlässt, klammert sie sich an die Selbsthilfegruppe und erfindet eine Scheinwelt: Sie bestellt massenhaft Produkte aus Hochglanzmagazinen und verliebt sich in das Katalogmodel „Rolf“. Die Tagträumerei endet in einem Polizeieinsatz. Heike wiederum lässt sich aus Angst vor Einsamkeit auf eine lieblose Ehe mit Norbert ein, zieht ins Haus seiner Mutter in den Hunsrück und verschwindet 30 Jahre lang hinter Gleichgültigkeit. Erst der Gartenblogger Erik weckt neues Leben – bis sie ihre eigene Gleichgültigkeit entdeckt.
Teenager Laura und der Kampf um Anerkennung
Laura lernt früh, dass sie sich Zuneigung verdienen muss. Die Krebserkrankung ihrer besten Freundin sieht sie als Chance: „Die beste Freundin eines Krebskinds zu sein, ist fast so gut, wie selbst Krebs zu haben“, findet das Mädchen. Ihr Prinzip treibt Fedor auf die Spitze: Der erfolglose Künstler lebt in einer über Jahre aufgebauten Lebenslüge, kämpft um Anerkennung von Eltern und Medien – und schlägt seine Liebe zu Christina in Hass um.
Ein Buch über die Verbindung von Liebe und Lüge
Von Rönne zeigt, wie stark Liebe mit Selbstachtung und Selbstwert verknüpft ist. Je weniger ihre Figuren davon haben, desto gieriger werden sie nach Zuneigung – und desto hemmungsloser lügen sie. Der schmale Grat zwischen Liebe und Lüge zieht sich als roter Faden durch das Buch. Die Autorin beschreibt das Verhalten ihrer Protagonisten gewohnt pointiert und schonungslos, die Szenen wirken oft unwirklich. Trotz Tod und Tragik ist der Roman nicht düster, sondern urkomisch und heilsam. „Alles Liebe“ müsste eigentlich „Alles Lüge“ heißen, so von Rönne auf Instagram, die beim Schreiben „nur gelitten“ hat. Das Buch ist ihr bisher bestes Werk.



