Neuer Spider-Man-Film: Peter Parker kämpft gegen die Einsamkeit
Fünf Jahre sind seit den Ereignissen von „Spider-Man: No Way Home“ vergangen – zumindest in der realen Welt. Im neuen Film „Spider-Man: Brand New Day“ ist der Zeitraum deutlich kürzer, doch für Peter Parker (Tom Holland) fühlt es sich an wie eine Ewigkeit. Nachdem Doctor Strange die Erinnerungen aller Menschen an Peter Parker gelöscht hat, lebt dieser als Einzelgänger in New York. Seine Freundin MJ (Zendaya) und sein bester Kumpel Ned (Jacob Batalon) haben ihr Studium begonnen und eine WG gegründet – ohne jede Erinnerung an ihn. Peter verfolgt ihr Leben nur noch über Instagram und stürzt sich in die Verbrecherjagd.
„Während Spider-Man aufblüht, erlebt Peter Parker die dunkelste Zeit seines Lebens“, erklärte Holland auf einer Pressekonferenz. „Was ich an dem Film am meisten liebe, ist, dass er letztlich eine Mahnung vor den Gefahren eines einsamen Lebens ist, eines Lebens ohne Gemeinschaft und ohne Freunde. Manchmal ist es der mutigste Schritt, jemanden um Hilfe zu bitten. Doch genau diesen Rat ignoriert er bewusst.“
Körperliche Veränderungen und eine neue Bedrohung
Die Einsamkeit und der unermüdliche Kampf gegen das Verbrechen fordern ihren Tribut. Peter leidet unter Kopfschmerzen und Armproblemen. Seine Spinnenhormone machen sich immer stärker bemerkbar: Er wird kräftiger, seine Sinne schärfer – aber auch aggressiver. Diese Veränderungen sind eine Reaktion auf den Stress, dem er sich aussetzt.
Gleichzeitig taucht in New York eine übernatürliche Bedrohung auf: Ein mysteriöser Gegner, der das Bewusstsein anderer Menschen übernehmen und beliebig von Person zu Person wechseln kann. Nur Spider-Man scheint immun gegen diese Kontrolle zu sein. Warum der Feind es auf die Behörde Damage Control abgesehen hat, bleibt zunächst unklar. Peter muss sich allein der Herausforderung stellen, denn er will keine Hilfe annehmen.
Unterstützung von alten Bekannten und neuen Gesichtern
Auf seiner Suche nach Antworten trifft Spider-Man auf unerwartete Verbündete: Yelena Belova (Florence Pugh), Bruce Banner alias Hulk (Mark Ruffalo) und schließlich Frank Castle alias The Punisher (Jon Bernthal). Letzterer gibt nach seiner TV-Serie nun sein Leinwand-Debüt. „Meine langjährige Freundschaft mit Jon Bernthal hat die Szenen zwischen Spider-Man und Punisher geprägt“, verriet Holland der Deutschen Presse-Agentur in London.
Besonders gespannt waren Fans auf die Rolle von „Stranger Things“-Star Sadie Sink, deren Auftritt im Vorfeld streng geheim gehalten wurde. „Ich hatte lange Zeit gar kein Drehbuch“, berichtete Sink. Ihre genaue Funktion im Film wird hier nicht verraten, um Spoiler zu vermeiden.
Regiewechsel und Fokus auf das Persönliche
Nach drei Filmen unter der Regie von Jon Watts, die im Multiversum-Spektakel von „No Way Home“ gipfelten, übernahm nun Destin Daniel Cretton die Regie. Obwohl die Handlung nahtlos fortgesetzt wird, wirkt der Film wie ein sanftes Reboot. Statt eines übergroßen Marvel-Spektakels steht der innere Konflikt von Peter Parker im Mittelpunkt. „Was 'Brand New Day' so besonders macht, ist, dass sich diesmal alles auf Peter und New York konzentriert“, sagte Kevin Feige, Präsident der Marvel Studios.
Die New Yorker Kulissen, zum Teil in den britischen Pinewood-Studios nachgebaut, werden diesmal intensiv genutzt. „In den ersten Filmen haben wir bewusst darauf verzichtet, ihn durch die Häuserschluchten schwingen zu lassen, weil man das schon oft gesehen hatte“, erklärte Feige. Jetzt schwingt Spider-Man wieder ausgiebig um die Wolkenkratzer.
Chemie zwischen Holland und Zendaya – und einige Längen
Die Szenen zwischen Tom Holland und Zendaya, die im echten Leben mittlerweile verheiratet sind, gehören zu den stärksten des Films. Ihre spürbare Chemie verleiht den emotionalen Momenten eine besondere Tiefe. Auf die Frage nach Improvisation antwortete Holland ausweichend, aber aufschlussreich: „Was ursprünglich im Drehbuch stand, unterscheidet sich deutlich von dem, was letztlich im Film zu sehen ist.“
Jon Bernthal, der parallel mit Holland und Zendaya auch in „Die Odyssee“ zu sehen ist, spielt den unterhaltsamen Gegenpol zum nachdenklichen Spider-Man. Dabei zeigt er eine weitere Seite seines sonst oft harten Charakters.
Emotionale Höhepunkte und erzählerische Schwächen
Nach über 30 Marvel-Filmen wird es für die Macher schwieriger, noch neue Akzente zu setzen. „Spider-Man: Brand New Day“ hat zwar unterhaltsame Actionszenen, glänzt aber vor allem in seinen emotionalen, teils rührenden Momenten. Tom Hollands einfühlsames Spiel lässt den Zuschauer wirklich mit Peter Parker mitfühlen und seine Sehnsucht spüren.
Allerdings bremsen die vielen, teils langen Rückblenden den Erzählfluss. Auch die ausgedehnten Dialoge führen zu Längen. Mit fast zweieinhalb Stunden ist der Film eindeutig zu lang geraten. Dennoch bietet er starke Momente und eine ungewohnt persönliche Note für das Marvel-Universum.



