Omas gegen Rechts in Reinickendorf: Dialog unter erschwerten Bedingungen
Omas gegen Rechts: Dialog unter Druck

Alle zwei Wochen stehen sie an wechselnden Orten in Reinickendorf – in Tegel, im Märkischen Viertel oder auf der Residenzstraße. Die Omas gegen Rechts versuchen, mit Passanten ins Gespräch zu kommen. Doch der Kampf gegen rechtes Gedankengut wird nicht leichter, wie ein aktueller Einsatz in der Gorkistraße zeigt.

Ein Samstag im Zeichen des Dialogs

An einem Samstag, als die Temperaturen auf fast 30 Grad klettern, stehen die Aktivistinnen in der Tegeler Gorkistraße. Die Neubauten im Tegel-Quartier spenden etwas Schatten, doch die Hitze ist nicht die einzige Herausforderung. Viele Menschen eilen vorbei, einige bleiben kurz stehen, andere ignorieren die Gruppe.

„Wir kommen aus schweigenden Familien“, sagt eine der Frauen. Dieser Satz bringe die Motivation der Gruppe auf den Punkt: In vielen Familien werde über rechte Tendenzen geschwiegen. Die Omas wollen das Schweigen brechen und zum Nachdenken anregen.

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Immer neue Herausforderungen

Die Gruppe existiert bereits seit mehreren Jahren und hat in dieser Zeit viele Gespräche geführt. Doch die gesellschaftliche Stimmung sei rauer geworden, berichten die Aktivistinnen. Rechte Parolen würden häufiger offen geäußert, gleichzeitig sei die Bereitschaft zum Dialog bei vielen gesunken. „Manche drehen sich einfach um und gehen weg“, sagt eine Teilnehmerin.

Trotz dieser Schwierigkeiten lassen die Omas nicht locker. Sie sehen ihre Arbeit als wichtigen Beitrag zur Demokratieförderung. Besonders in Reinickendorf, einem Bezirk mit einer aktiven rechten Szene, sei Präsenz wichtig.

Strategien und Erfolge

Die Gruppe setzt auf niedrigschwellige Gespräche. Sie verteilen Flyer und Informationsmaterial, aber vor allem suchen sie den persönlichen Kontakt. Oft gehe es um konkrete lokale Themen wie die Flüchtlingsunterkunft oder Proteste gegen Asylbewerberheime. Die Omas versuchen, Ängste zu nehmen und für Toleranz zu werben.

Nicht immer gelingt das. Es gebe auch verbale Angriffe, berichten die Frauen. Dennoch überwiege die Dankbarkeit jener, die stehen bleiben. „Viele sagen uns, dass sie froh sind, dass wir da sind“, erzählt eine Aktivistin.

Blick in die Zukunft

Die Omas gegen Rechts in Reinickendorf planen, ihre Aktionen fortzusetzen. Sie wollen noch präsenter sein, trotz des zunehmenden Gegenwinds. Für den nächsten Termin in zwei Wochen haben sie sich wieder am Märkischen Viertel verabredet. Ob Regen oder Sonnenschein – sie werden kommen.

Die Gruppe ist Teil der bundesweiten Bewegung „Omas gegen Rechts“, die in vielen Städten aktiv ist. In Berlin sind die Omas aus Reinickendorf besonders standhaft. Ihr Einsatz zeigt: Es braucht Geduld und Ausdauer, um demokratische Werte zu verteidigen – auch wenn der Weg steiniger wird.

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