Der italienische Rüstungskonzern Leonardo übernimmt das auf Künstliche Intelligenz (KI) und Logistik spezialisierte US-Unternehmen Raft für 450 Millionen US-Dollar (rund 400 Millionen Euro) in bar. Das gab Leonardo am Dienstag nach Börsenschluss bekannt. Die Transaktion erfolgt über die US-Tochtergesellschaft Leonardo DRS mit Sitz in Arlington, Virginia, und soll im vierten Quartal 2026 abgeschlossen werden.
Erste Übernahme unter neuer Führung
Es handelt sich um die erste Transaktion unter Lorenzo Mariani, der dem staatlichen Rüstungskonzern seit Mai 2026 als Chief Executive Officer vorsteht. Mariani sagte: „Diese Übernahme stärkt die Fähigkeit von Leonardo DRS, integrierte, einsatzorientierte Technologien bereitzustellen, die es den Kunden ermöglichen, in komplexen Einsatzumgebungen schneller, übersichtlicher und sicherer zu agieren.“ Mit dem Kauf setzt Mariani die Konzernstrategie seines Vorgängers Roberto Cingolani fort, die auf Digitalisierung und KI fokussiert war.
Raft: Spezialist für Missionssoftware
Das 2018 gegründete Unternehmen Raft bietet sogenannte Missionssoftware an – also Software zur Steuerung und Koordination komplexer Einsätze. Das Unternehmen hat sich dabei auf die Zusammenführung von Daten aus verschiedenen Bereichen sowie auf KI spezialisiert. Die Übernahme soll Leonardo DRS helfen, seine Angebote im Bereich der digitalen Kriegsführung weiterzuentwickeln.
Erfolgsgeschichte unter Cingolani
Der vorherige CEO Roberto Cingolani führte Leonardo von 2022 bis 2026 äußerst erfolgreich. Unter seiner Leitung versechsfachte sich der Börsenwert des Konzerns auf 33,8 Milliarden Euro bis Ende 2025. Cingolani fokussierte und weitete das Angebot aus – durch Wachstum, Übernahmen und Kooperationen, etwa ein Joint Venture mit Rheinmetall in der Panzerherstellung. Heute bietet Leonardo Lösungen in den Bereichen Luft, Land, See und Weltall an, ergänzt durch Digitalgeschäft und Cybersicherheit.
Dass die italienische Regierung Cingolanis Vertrag nach vier Jahren nicht verlängerte, überraschte Beobachter. Als Grund galt, dass die rechtsnationalistische Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni einen Manager an der Spitze von Leonardo wünschte, der enger mit der Politik in Rom zusammenarbeitet. Cingolani galt als unkonventioneller Freigeist, der kaum Rücksicht auf politische Befindlichkeiten nahm.
Strategie für hybride Kriege
Beim Investors Day 2026 unterstrich Cingolani, dass der Erfolg von Rüstungsunternehmen in der Zukunft nicht nur von klassischer Kriegsführung abhängen würde. Auf die derzeit aktiven Kriege würden „hybride Kriege“ folgen, bei denen neben der Hardware auch Elektronik, Sensoren, Cybersicherheitslösungen und KI entscheidend seien. Intern wird die Wahl des neuen Chefs so erklärt, dass Cingolani eine neue Vision für die Zukunft entwickelt habe und Mariani nun die Umsetzung dieser Strategie vorantreibe.
Mariani: Kenner des Konzerns
Lorenzo Mariani ist seit über zwanzig Jahren in verschiedenen Funktionen bei Leonardo tätig, zuletzt als stellvertretender Generaldirektor. Er kennt das Unternehmen bestens und soll die begonnene Transformation fortsetzen. Die Übernahme von Raft ist ein klares Signal, dass Leonardo weiter auf KI und Digitalisierung setzt, um sich für die Herausforderungen der Zukunft zu rüsten.
Mehr: Helsing, Airbus, Rheinmetall – Wer baut die erste Jagdbomberdrohne der Bundeswehr? Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien.



