Spider-Man: Brand New Day – Kampf im Kopf: Rezension
Spider-Man: Brand New Day – Kampf im Kopf

Der neue Spider-Man-Film „Brand New Day“ ist ein Höhepunkt im Marvel Cinematic Universe – und das liegt vor allem an der ernsten Note, die die jugendliche Identitätskrise seines Helden dem Film verleiht. Regisseur Destin Daniel Cretton, bekannt durch „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“, inszeniert ein Abenteuer, das weit über die typische Superhelden-Action hinausgeht. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der mit Anfang zwanzig seine erste Sinnkrise durchlebt.

Peter Parkers einsamer Kampf

Vier Jahre sind seit den Ereignissen in „No Way Home“ vergangen. Peter Parker (Tom Holland) ist allein, die Welt hat ihn vergessen. Um den Kollaps des Multiversums zu verhindern, ließ er sich mithilfe eines Zauberspruchs von Dr. Strange aus den Erinnerungen aller löschen – auch seiner Freunde MJ (Zendaya) und Ned (Jacob Batalon). Nun verfolgt er sie heimlich, stalkt ihre Social-Media-Accounts und steht einmal unbeachtet auf MJs Housewarming-Party. Detective Jean DeWolff (Liza Colón-Zayas) rät ihm, das Cape abzulegen und eine Pause zu machen. Doch Peter stürzt sich in die Arbeit für die NYPD, um die Leere zu verdrängen.

Der Film beginnt mit einer zehnminütigen Sequenz, die wie ein Best-of aller Spider-Man-Abenteuer wirkt: durch Häuserschluchten schwingen, Banküberfälle verhindern, Kinder retten. Doch dazwischen blitzen immer wieder die Instagram-Storys von MJ und Ned auf, die am MIT studieren. Die Unbeschwertheit der früheren High-School-Komödien ist verflogen. Peter fühlt sich schuldig am Tod seiner Tante May (Marisa Tomei).

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Ein Neustart für das MCU

„Brand New Day“ fungiert auch als eine Art Reboot des Marvel Cinematic Universe. Spider-Man ist der letzte der alten Avengers-Garde mit Solofilmen, die an den Kinokassen noch funktionieren. Die handlungstechnisch praktische Amnesie hilft dabei, die Marke neu zu starten. Gleichzeitig durchläuft Peter körperliche Veränderungen: Seine arachniden Hormone drehen durch, eklige Flüssigkeiten treten aus seinem Körper aus – er tritt in eine Art zweite Pubertät ein. Dies könnte ihn von den Technologien aus Tony Starks Haus emanzipieren.

Der neue Superschurke kann die Körper anderer Menschen kontrollieren, was zu sehenswerten Choreografien führt. Eine Organisation namens Damage Control verwaltet die gefangenen Schurken. In ihrem Hochsicherheitstrakt lagert eine Waffe namens „V-Max“, die die von Sadie Sink („Stranger Things“) gespielte Widersacherin an sich bringen will. Dabei legt sie mit einem Panzerfahrzeug halb Downtown New York in Schutt und Asche.

Emotionale Balance

Cretton gelingt die Balance zwischen großen Actionsequenzen und ruhigeren Momenten, in denen Peter mit sich ins Reine kommen muss. Wie viel Spider-Man steckt in Peter Parker? Übernimmt die Spinnen-DNA die Kontrolle? In „No Way Home“ konnte der von Tobey Maguire gespielte Spider-Man noch verhindern, dass Peter Selbstjustiz übt. Nun ist er auf sich allein gestellt. Der Punisher Frank Castle (Jon Bernthal) wird zu einem schlagkräftigen Partner, und Black Widow Yelena Belova (Florence Pugh) empfängt ihn im Spa.

Die Beziehung zwischen Peter und MJ ist unilateral zerrissen – ein tragischer Subtext für das Glamourpärchen Tom Holland und Zendaya, die zurzeit das beliebteste Paar der GenZ sind. Zendaya bestand darauf, dass Justin Kuritzkes („Challengers“) das Autorenteam ergänzt. Die Spider-Man-Filme haben sich einen Eigensinn bewahrt, da sie sich eher an der Peripherie des MCU bewegen.

Am Ende spendet ausgerechnet die Erinnerung Trost. Der Schmerz der Einsamkeit wird transformiert. Die schwierigsten Kämpfe eines Superhelden finden im Kopf statt – eine schöne Schlussnote, bevor im nächsten „Avengers“-Film wieder Hochbetrieb herrscht.

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