Im Hamburger Bahnhof in Berlin sorgt eine außergewöhnliche Kunstinstallation für Begeisterung. Die litauische Künstlerin Lina Lapelytė hat 400.000 Holzklötze in der großen Halle ausgekippt. Besucher jeden Alters können damit bauen, stapeln und gestalten – ganz ohne Regeln. Das Projekt trägt den Titel „We Make Years Out of Hours“ und lädt zum Mitmachen ein.
Ein Spielplatz ohne Vorschriften
Die Halle gleicht einem wuseligen Spielplatz. Kinder und Erwachsene errichten Türme, Häuser und Höhlen. Die Klötze sind aus hellem, unbehandeltem Holz und duften angenehm. „Gib Kindern ein Stück Holz und sie wissen sofort, was zu tun ist“, sagt Lapelytė. Ein achtjähriger Junge aus Pankow war zunächst unsicher, doch schnell baute er begeistert. Sein Vater passt auf, dass niemand umgerannt wird – aber auch das gehört dazu.
Die Installation ist bewusst einfach gehalten. Es gibt keine Ziele oder Pläne. Jeder kann die Klötze nutzen, auch wenn dadurch bestehende Bauwerke zerstört werden. Die Künstlerin möchte damit Momente des Zusammenseins schaffen. „Ich möchte sehen, wie Unvorhersehbarkeit zur Komfortzone wird“, erklärt sie im Katalog.
Entspannung durch Musik und Duft
Neben den Klötzen spielt Musik eine wichtige Rolle. Sanfte Gesänge und Gedichtfragmente erklingen im Hintergrund. Manchmal werden sie von versteckten Performern live gesungen. Die Worte sind kaum zu verstehen, aber die Klänge wirken beruhigend. Der Holzduft tut sein Übriges. Trotz vieler Besucher entsteht kein Gedränge – alle finden ihren Platz.
Lapelytė ist auch Komponistin und Musikerin. In früheren Arbeiten brachte sie Menschen zusammen, die sich für unmusikalisch hielten. Sie ließ sie gemeinsam singen, ohne Leistungsdruck. Diese Erfahrung wiederholt sich hier: Die Erlaubnis, etwas zu tun, ohne gut sein zu müssen, wirkt befreiend.
Ein temporäres Kunstwerk für alle
Die Klötze sind alle gleich groß – etwas größer als eine Kinderhand. Die Installation ist nur temporär. Was auch immer entsteht, kann jederzeit verändert werden. „Fertig wird man ohnehin nie“, sagt die Künstlerin. Das Konzept geht auf: Erwachsene haben genauso viel Spaß wie Kinder. Ein Vater baute eine Höhle, die höher war als er selbst. Er erklärte seinen Kindern, wie man Klötze versetzt stapelt, um Stabilität zu erreichen.
Die Ausstellung läuft noch bis zum Sommer. Sie ist ein Beispiel dafür, wie Kunst Menschen verbinden kann – ohne Worte, nur durch gemeinsames Handeln. Lapelytė möchte, dass die Besucher für einen Moment mit der Welt verbunden sind. Das gelingt hier auf spielerische Weise.
Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie auf der Website des Hamburger Bahnhofs.



