Ronja von Rönnes „Alles Liebe“: Leben als Illusionstheater
„Alles Liebe“: Leben als Illusionstheater

Fünf Geschichten über Täuschung und Selbstbetrug

Ronja von Rönnes neuer Erzählband „Alles Liebe“ besteht aus fünf eigenständigen, locker miteinander verwobenen Geschichten. Der Titel täuscht: Im Kern geht es nicht um Liebe, sondern um Betrug und Selbstbetrug, um das Leben als großes Illusionstheater. Vor allem Frauen inszenieren ihr Leben als Drama, flüchten sich in Scheinwelten und führen andere in die Irre – mit oft tragischen Folgen.

Die zynische Antiheldin Laura

Laura, eine Schülerin, versteht es bereits in der siebten Klasse, ihren Vorteil aus dem Unglück anderer zu ziehen. Sie sagt: „Schon in der siebten Klasse war mir klar, dass man ohne Drama niemand war, dass Aufmerksamkeit eine Währung ist, die man sich verdienen muss. Und jetzt hatte ich das perfekte Drama – eine todkranke beste Freundin.“ Laura ist eine besonders zynische Antiheldin, die im furiosen Finale des Buches wieder auftaucht.

Barbara und die Flucht in die Katalogwelt

Barbara verliert ihr Kind durch Krebs und wird von ihrem Mann verlassen. Sie flüchtet sich in eine Welt bunter Kataloge, verliebt sich in ein männliches Modell und verliert den Bezug zur Realität. Ihre Geschichte setzt sich erst am Ende des Buches fort.

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Verbindungen zwischen den Erzählungen

Das Buch lebt von überraschenden Verbindungen: Das Schicksal der trauernden Barbara und das der Rentnerin Heike, deren Träume von einer bösen Schwiegermutter durchkreuzt werden, werden wiederaufgenommen. Die Autorin springt leichtfüßig über zwanzig Jahre – von der nostalgischen Katalogwelt in die grelle Social-Media-Realität.

Gesellschaftskritik und Trost

Ronja von Rönnes Buch ist unterhaltsam, spannend, böse und tragisch. Es entlarvt eine Gesellschaft, die auf Selbstbetrug, eitlen Schein und brutale Aufmerksamkeitsökonomie setzt und oft die Falschen belohnt. Dennoch hält das Buch auch Trost und Genugtuung bereit.

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