B.L.O.-Ateliers in Berlin: Künstler bangen um ihr Bahn-Areal
B.L.O.-Ateliers: Künstler bangen um ihr Bahn-Areal

Die Zukunft der B.L.O.-Ateliers in Berlin-Lichtenberg ist ungewiss. Mehr als 80 Künstlerinnen und Künstler haben ihre Werkstätten auf dem Gelände an der Kaskelstraße 44 – und sie wollen nicht weichen. Unterstützung bekommen sie womöglich von einem unerwarteten Verbündeten: der geschützten Zauneidechse.

„Ich liebe diesen Ort“, sagt Anya Hübschle. Man hört sie nicht ganz so gut, weil in diesem Moment ein ICE an ihrem Atelierfenster quietschend zum Stehen kommt. Dieses Bild beschreibt die besondere Lage: Die Ateliers liegen direkt am Bahn-Areal der Deutschen Bahn, eingebettet zwischen Schienen und Stadtleben. Es ist ein Ort voller Kontraste – laut und leise, industriell und kreativ zugleich.

Ein kreativer Mikrokosmos auf dem Bahn-Gelände

Die B.L.O.-Ateliers sind weit über die Grenzen des Bezirks hinaus bekannt. Hier arbeiten über 80 Künstlerinnen und Künstler aus den unterschiedlichsten Sparten: von der Malerei über die Bildhauerei bis hin zum Bühnenbild. Die Werkstätten dienen nicht nur als Arbeitsorte, sondern auch als Begegnungsstätten für die Kreativszene.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Auch international hat der Ort bereits Spuren hinterlassen. In den Hallen an der Kaskelstraße 44 entstanden Requisiten für Filmproduktionen wie „Dune“ oder „John Wick“. Diese Referenz zeigt, welche handwerkliche Qualität in den Ateliers steckt. Die Künstlerinnen und Künstler haben sich in den vergangenen Jahren ein beachtliches Netzwerk aufgebaut.

Besonders das „Hexenhaus“ und das „Separatistenhaus“ sind in der Szene berühmt. Diese Namen stehen für charakteristische Gebäude auf dem Areal, die von den Künstlerinnen und Künstlern über die Jahre hinweg mit Leben gefüllt wurden. Sie haben die Räume renoviert, Werkstätten aufgebaut und ein nachbarschaftliches Miteinander entwickelt.

Der Mietvertrag läuft aus – was passiert mit dem Areal?

Doch genau diese Arbeit ist nun in Gefahr. Der Mietvertrag mit der Deutschen Bahn läuft aus. Was mit dem Gelände anschließend passieren soll, ist bislang völlig offen. Die Künstlerinnen und Künstler befürchten, dass sie ihre Räume räumen müssen. Ein Auszug würde nicht nur den Verlust von Arbeitsplätzen bedeuten, sondern auch das Ende einer einzigartigen kulturellen Keimzelle.

Wie der Tagesspiegel berichtet, sind die Ateliers seit Jahren ein fester Bestandteil der Berliner Kunstszene. In der Vergangenheit haben die B.L.O.-Ateliers auch überregionale Aufmerksamkeit erhalten. Zahlreiche Projekte entstanden hier in Zusammenarbeit mit Filmstudios, Theatern und Museen. Ein plötzlicher Verlust der Fläche würde daher weit über den Bezirk Lichtenberg hinaus Wirkung zeigen.

Die Zauneidechse als heimliche Verbündete

Ein Hoffnungsträger ist nun ausgerechnet das kleinste Lebewesen auf dem Gelände: die Zauneidechse. Das Reptil ist in Deutschland streng geschützt. Nach Bundesnaturschutzgesetz dürfen ihre Lebensstätten nicht beschädigt oder zerstört werden. Wenn auf dem Bahn-Areal Eidechsen nachgewiesen werden, kann das ein Bauvorhaben erheblich verzögern oder sogar unmöglich machen.

Genau darauf setzen die Künstlerinnen und Künstler der B.L.O.-Ateliers. Sie zählen auf den Schutzstatus der Tiere, um die Fläche vor einer Umgestaltung zu bewahren. Das mag wie ein ironischer Zufall der Geschichte anmuten, ist aber in der Praxis ein bewährtes Mittel: Immer wieder werden Bauprojekte in Berlin durch geschützte Tierarten gestoppt oder abgeändert.

Warum es um mehr als nur Ateliers geht

Der Konflikt um die B.L.O.-Ateliers ist auch ein Symbol für einen grundsätzlichen Wandel in der Stadtentwicklung. Künstlerische Freiräume werden in wachsenden Metropolen oft von Renditeinteressen bedrängt. Die Künstlerinnen und Künstler betonen, dass ihr Areal nicht nur ihnen selbst diene, sondern auch der Öffentlichkeit. Immer wieder fänden auf dem Gelände Veranstaltungen, Ausstellungen und offene Werkstätten statt.

In den vergangenen Jahren haben sich die B.L.O.-Ateliers zu einem wichtigen Bestandteil der Berliner Kulturlandschaft entwickelt. Für viele Besucherinnen und Besucher ist der Ort eine Entdeckung: mitten in der Großstadt eine Oase der Kreativität, in der aus Holz, Metall und Farbe Filmrequisiten, Kunstwerke und Bühnenbilder entstehen. Die Atmosphäre ist geprägt von einer Mischung aus Abenteuer und Handwerk.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

„Ich liebe diesen Ort“, sagt Anya Hübschle – und man glaubt es ihr, wenn man durch die Hallen geht. Das Quietschen des ICEs gehört genauso dazu wie der Geruch von Holz und Farbe. Es sind diese Details, die den Ort unverwechselbar machen. Ein Wegzug würde eine Lücke hinterlassen, die kaum zu schließen ist.

Die kommenden Monate werden entscheidend

Nun hoffen alle auf eine Lösung – sowohl im Sinne der Künstler als auch im Sinne des Artenschutzes. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Zauneidechse tatsächlich zur Retterin der Ateliers wird. Zunächst bleibt den Künstlerinnen und Künstlern nur das Warten – und die Aussicht, diesen besonderen Ort doch noch einmal zurückzubekommen.