Schlagerlegende Gitte Hænning (80) wird im BILD-Podcast „MayWay“ sehr persönlich. Sie spricht über ihre Karriere als Kinderstar, ihre Freundschaft zu Nina Hagen (71) und den Tod ihrer Mutter.
„Ich mochte es nicht, berühmt zu sein“
Gitte Hænning war nie verliebt in den Ruhm. „Ich mochte es nicht, berühmt zu sein. Gar nicht. Dieses Bewundertwerden fand ich grauenvoll“, sagt sie im Podcast mit BILD-Vize Tanja May. Dabei begann ihre Karriere bereits als Achtjährige. Ihr Vater, ein Chansonnier und Gesangslehrer, überredete sie zu einem Vater-Tochter-Duett. „Ich wurde gelockt mit einem Fahrrad, wenn es ein Hit wird. Und es wurde leider ein Hit“, erinnert sie sich lachend.
Freundschaft mit Nina Hagen
Eine besondere Verbindung hat Gitte Hænning zu Nina Hagen. „Nina und ich, wir sind gute Freundinnen“, sagt sie. „Die Nina ist eine kleine Schamanin. In der Tat. So wie ich mich auch fühle. Und das teilen wir. Und sie ist sehr gütig.“ Einmal wollte Nina Hagen ein Duett mit ihr aufnehmen. „Ich habe gebrummt im Hintergrund auf ihrer Platte. Sie wollte ein Duett mit mir machen. Aber ich musste meine Tournee vorbereiten. Irgendwann beabsichtigen wir, das nachzuholen.“
Der Tod der Mutter
Ein prägendes Erlebnis war der Tod ihrer Mutter. Als diese im Sterben lag, bat sie Gitte, bei ihr zu bleiben. Doch Gitte musste auf die Bühne, Shakespeare spielen. „Während ich dort Sonette sprach, starb meine Mutter in der Berliner Charité. Beim dritten Sonett konnte ich kein Wort mehr aussprechen. Meine Stimme war plötzlich weg. In diesem Moment ist sie gestorben. Das erfuhr ich nach der Vorstellung.“ Bis heute fragt sie sich, ob sie damals hätte absagen müssen. „Das weiß ich immer noch nicht.“
Kindheit und Familie
Gitte Hænning wuchs in einem Haus voller Bücher auf. „Künstler gingen ein und aus. Jazzmusiker saßen am Wohnzimmertisch. Gespräche über Kunst gehörten zum Alltag. Das Umfeld war reich.“ Besonders ihre Mutter und ihre Schwester prägten sie. „Meine Schwester war eine sehr intelligente Frau. Toll. Ich habe vieles gelernt von ihr.“ Ihre Schwester starb mit 72 an Krebs, ihr ältester Sohn ebenfalls mit 52.
Liebe und Musik
„Nach Berlin kam ich wegen der Liebe. Es dreht sich immer um Liebe für mich“, sagt Gitte. Auch mit 80 Jahren liebt sie es, verliebt zu sein. „Das ist wie Champagner. Das ist das Schönste, was es gibt.“ Ihre große Konstante blieb die Musik. „Ich will nur Spaß haben mit meinem Publikum und mit den besten Musikern, die ich engagiere. Singen ist sehr gesund für die Seele. Alle sollten singen. Alle sollten tanzen.“
Kritik an Kinderstars
Dass sie selbst Kinderstar wurde, sieht sie kritisch. „Ich bin gegen Kinderstars.“ Rückblickend sagt sie: „Ich bin da sehr gesund durchgekommen. Vielleicht auch deshalb, weil meine Familie mich nie auf Ruhm reduzierte. Als ich als Kind weinend nach Hause kam, weil andere Kinder mich hänselten, fragte meine Mutter nur: Hast du etwas angestellt? Der Vater sagte: Ach, du brauchst nur zu sagen: Ja, ich singe. Es wurde nie ein Drama daraus.“
Zukunftsträume
Welchen Traum hat sie noch? „In einem Schloss zu wohnen. Am liebsten Dänemark. Aber ich glaube, da sind keine freien Schlösser zur Verfügung im Moment.“ Ein skandinavisches Schloss müsse es sein. „Das sind die schönsten Schlösser.“



