In Hamburg beginnt heute das Internationale Sommerfestival auf Kampnagel. Bis zum 23. August präsentiert die Veranstaltung Tanz, Theater, Kunst und Musik unter dem Motto "hope!". Künstlerinnen und Künstler zeigen Arbeiten, die angesichts persönlicher und globaler Katastrophen Zuversicht und Humor bewahren sollen.
Eröffnung mit argentinischem Karneval
Die Eröffnungsproduktion verspricht mitreißende Fröhlichkeit. Die argentinische Choreografin Ayelen Parolin verbindet in "Irresistible Revolution" politischen Protest mit argentinischem Karneval. Eine Woche später sorgt das Trio (La)Horde mit "Après Moi, Le Déluge" und dem Ballet national de Marseille für ein großes Tanztableau über die Suche nach Auswegen aus der drohenden Apokalypse.
Persönliche Schicksalsschläge verarbeiten zwei Künstler: Jacob Jonas aus Los Angeles übersetzt seine Krebserkrankung in einen dreiteiligen Physical-Dance-Abend, Melanie Jame Wolf verwandelt ihre Brustkrebserkrankung in befreiende Comedy. Das norwegische Kollektiv Susie Wang lädt in "Burnt Toast" zu einem scheinbar konventionellen Theatererlebnis in ein Hotel in den USA, das in surreale Horror-Elemente kippt.
Nesterval und Nawalnaja als Höhepunkte
Das österreichische Theaterkollektiv Nesterval, bekannt für interaktive Performances, bringt "Das Schiff" auf der MS Stubnitz. Am 14. August spricht Julija Nawalnaja, Witwe des inhaftierten russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, auf Kampnagel. Das Konzertprogramm umfasst die malische Sängerin Fatoumata Diawara, die britische Jazz-Elektro-Band The Cinematic Orchestra in der Elbphilharmonie sowie Ana Frango Elétrico, Jimi Tenor und Sophia Kennedy.
Christoph Marthaler inszeniert mit den Symphonikern Hamburg unter Sylvain Cambreling "Erste letzte Sekunde - eine Gala" – ein Abschied, denn nach dem Festival beginnt die Sanierung der ehemaligen Maschinenfabrikhallen.
168-Millionen-Euro-Sanierung nach dem Festival
Die Modernisierung kostet 168 Millionen Euro, davon trägt der Bund 60 Millionen, den Rest die Stadt Hamburg. Das Pariser Architekturbüro Lacaton & Vassal wurde nach europaweiter Ausschreibung beauftragt. Die Arbeiten dauern vier Jahre, der Theaterbetrieb läuft angepasst weiter. Der Festival-Garten, der jedes Jahr fantasievoll gestaltet ist, bietet in diesem Sommer letzte Gelegenheit zum Verweilen vor den Bauarbeiten.



