Der Leichenpräparator Gunther von Hagens, Erfinder der umstrittenen „Körperwelten“-Ausstellungen, ist tot. Er starb im Alter von 81 Jahren, wie aus seinem Umfeld bekannt wurde. Von Hagens litt bereits seit vielen Jahren an der Parkinson-Krankheit. Weltweit wurden seine konservierten Leichenpräparate von Millionen Menschen besucht.
Vom politischen Gefangenen zum Pionier der Anatomie
Der Mediziner wurde 1945 in Alt-Skalden (heute Skalmierzyce) bei Posen im heutigen Polen als Gunther Liebchen geboren. Später nahm er den Namen seiner ersten Ehefrau an. 1965 begann er in Jena ein Medizinstudium, geriet jedoch in politische Gefangenschaft der DDR und wurde später von der Bundesrepublik freigekauft. An der Universität Heidelberg promovierte er. In den 1970er Jahren entwickelte er in Heidelberg ein Verfahren zur Konservierung von Leichen, das als Plastination bekannt wurde: Dabei werden Körperflüssigkeiten und Fette durch Kunststoffe ersetzt, sodass die Präparate haltbar werden und für anatomische Studien sowie Ausstellungen genutzt werden können.
Die Idee der „Körperwelten“ und die Gründung eines Unternehmens
Seit den 1970er Jahren widmete sich von Hagens intensiv der Plastination. In den 1990er Jahren gründete er das private Institut für Plastination. Seine Plastinate zeigte er erstmals 1995 in einer Ausstellung in Japan. Die „Körperwelten“-Ausstellungen tourten seitdem um die Welt und zogen mehr als 50 Millionen Besucher an. Kritiker warfen dem Anatomen vor, die Menschenwürde zu verletzen, da die ausgestellten Körper nach ihrem Tod nicht bestattet, sondern zu Schauobjekten gemacht würden. Von Hagens selbst betonte stets den wissenschaftlichen und pädagogischen Wert seiner Arbeit. 2006 gründete er im brandenburgischen Guben die Gubener Plastinate GmbH, deren Geschäftsführer sein Sohn Rurik von Hagens ist. In einer gläsernen Werkstatt können Besucher den Herstellungsprozess der Präparate mitverfolgen.
Körperspender und Rechtsstreitigkeiten
Die menschlichen Plastinate stammen von Körperspendern, die zu Lebzeiten verfügten, dass ihr Körper nach dem Tod der Wissenschaft zur Verfügung stehen soll. 2017 waren nach Angaben des Instituts für Plastination rund 16.680 Menschen im Körperspenderprogramm registriert. Die weltweite Konzeption der Ausstellungen betreut von Hagens zweite Ehefrau Angelina Whalley. In Berlin öffnete 2015 ein Museum mit Plastinaten am Alexanderplatz. Der Bezirk Mitte versuchte dies von Beginn an zu verhindern mit der Argumentation, die ausgestellten Körper seien auch nach der Konservierung Leichen und müssten daher bestattet werden. Nach mehreren Gerichtsurteilen passte das Museum seine Schau an und blieb geöffnet. Von Hagens hinterlässt ein kontroverses, aber unbestreitbar prägendes Erbe in der Welt der Anatomie und der öffentlichen Gesundheitsbildung.



