Am Montag präsentierte Altkanzlerin Angela Merkel (71) gemeinsam mit dem deutsch-französischen Maler Jérémie Queyras (28) im Berliner Bode-Museum ihr Porträt. Das Gemälde soll künftig in der sogenannten „Ahnengalerie“ des Kanzleramtes hängen. Der Künstler hatte sich selbst bei Merkel um den Auftrag beworben.
Realistische Darstellung ohne Schonung
Das Porträt zeigt Merkel ungeschönt und ohne Verjüngung. Die Falten um den Mund werden sogar betont. „Ist das Gemälde realistisch? Ja“, kommentiert Walter M. Straten. Queyras verzichtet auf jede Idealisierung und stellt die ehemalige Kanzlerin so dar, wie sie heute ist.
Historische Vorbilder: Rembrandt und Vermeer
Das Porträt erinnert an niederländische Barockmalerei. In Queyras‘ Atelier hingen zwei Selbstbildnisse von Rembrandt (1606–1669) und „Die Frau mit der Perlenkette“ von Jan Vermeer (1632–1675). Queyras orientierte sich an beiden: Die dunklere rechte Gesichtshälfte Merkels spielt mit Licht und Schatten, typisch für Rembrandt. Zudem mischte er Elemente Vermeers ein, etwa das tiefe Blau des Merkel-Blazers, das früher nur mit dem teuren Ultramarin aus Lapislazuli erreichbar war.
„Linkes Licht“ ohne politische Botschaft
Wie in vielen Vermeer-Gemälden fällt das Licht von links ein und erhellt Merkels linke Gesichtshälfte. „Das ‚linke Licht‘ ist also kein politisches Statement, sondern einfach nur Kunsthandwerk“, erklärt Straten. Ein Tisch begrenzt den Raum mit detailliert gemalten Gegenständen, darunter ein glitzernder Würfel – ein kleines Rätsel, das Queyras bewusst offenließ.
Künstlerischer Aufstieg und Kosten
Queyras, der bisher abstrakt malte und seine Werke für bis zu 9000 Euro verkaufte, hat sich mit dem Merkel-Bild auf dem Kunstmarkt etabliert. Das Honorar und die Kosten für den Rahmen übernahm Merkel selbst. Das Porträt ist bis zum 4. Oktober im Bode-Museum ausgestellt, bevor es als Leihgabe der Altkanzlerin ins Kanzleramt wechselt.



