Eigentlich möchte man so eine Milch-Orange, die Frucht des Osage-Baums, am liebsten jetzt und sofort in Wirklichkeit sehen: sich ihre erstaunliche Größe anschauen, die knorpelige, gelblich-grüne Schale studieren, an ihr riechen, ihr Inneres betrachten, das nur aus einer faserigen Substanz besteht. Genau diese Faszination greift die Künstlerin Antje Majewski in ihrer neuen Ausstellung im Gutshaus Steglitz auf.
Künstlerforscherin Antje Majewski und die Osage-Orange
Antje Majewski, die sich selbst als Künstlerforscherin bezeichnet, hat sich auf die Spuren der Osage-Orange begeben. Die Frucht des Osage-Baums (Maclura pomifera) stammt ursprünglich aus Nordamerika und spielte eine bedeutende Rolle in der Besiedlungsgeschichte der USA. Majewski untersucht in ihrer Arbeit nicht nur die botanischen Besonderheiten, sondern auch die kulturellen und historischen Verflechtungen, die mit diesem stacheligen Baum verbunden sind.
Die Ausstellung trägt den Titel „Kniffelige Ausstellung rund um eine exotische Frucht“ und lädt die Besucher ein, die vielschichtige Geschichte der Osage-Orange zu entdecken. Dabei geht es um mehr als nur um eine Frucht: Es geht um Kolonialisierung, Landnahme und die Verdrängung indigener Völker. Der Osage-Baum war für die Osage-Indianer von großer Bedeutung, bevor er von europäischen Siedlern als lebender Zaun genutzt wurde.
Die historische Bedeutung der Osage-Orange
Der Osage-Baum, auch als „Bois d'Arc“ bekannt, lieferte den indigenen Völkern Nordamerikas Holz für Bögen und Werkzeuge. Seine dornigen Äste machten ihn ideal für Hecken, die Siedler zur Abgrenzung ihrer Ländereien nutzten. Diese Hecken wurden zu Symbolen der Landnahme und der Vertreibung der Ureinwohner. Majewski verwebt diese Aspekte in ihrer Ausstellung zu einem dichten Netz aus Objekten, Texten und Installationen.
„Die Frucht ist wie ein Rätsel, das auf seine Entschlüsselung wartet“, sagt Majewski. „Sie verbindet Botanik mit Geschichte, Kunst mit Politik.“ Die Ausstellung zeigt unter anderem historische Karten, Pflanzensammlungen und künstlerische Arbeiten, die die vielschichtigen Beziehungen zwischen Mensch und Pflanze beleuchten.
Einblicke in die Ausstellung
Im Gutshaus Steglitz, einem historischen Ort im Berliner Südwesten, sind die Werke bis zum [Datum] zu sehen. Die Räumlichkeiten bieten eine intime Atmosphäre, die zum Verweilen und Nachdenken einlädt. Majewski hat für die Schau auch Kooperationen mit Botanikern und Historikern eingegangen, um die wissenschaftliche Genauigkeit zu gewährleisten.
„Die Osage-Orange ist ein Paradebeispiel dafür, wie eine Pflanze zur Projektionsfläche für koloniale Fantasien werden kann“, erklärt die Künstlerin. „Ich möchte zeigen, dass hinter jeder Frucht eine Geschichte steckt, die es wert ist, erzählt zu werden.“
Die Ausstellung ist Teil des Programms des Gutshauses Steglitz, das regelmäßig zeitgenössische Kunst mit historischen Bezügen präsentiert. Der Eintritt ist frei.



