Platz in Berlin-Wedding nach NS-Retterin Franziska Bereit benannt
Platz in Wedding nach NS-Retterin Franziska Bereit benannt

Ein kleiner, unscheinbarer Platz in Berlin-Mitte wird an diesem Freitag nach einer Frau benannt, deren Geschichte von unvorstellbarem Mut in finsterster Zeit zeugt. Die Rede ist von Franziska Bereit, die in einer winzigen Einzimmerwohnung im Wedding ihr Leben riskierte, um drei jüdische Berliner vor der Deportation zu bewahren.

Vom Kindermädchen zur Lebensretterin

Franziska Bereit war jahrzehntelang die gute Seele im Haus der jüdischen Familie Silbermann. Sie putzte, kochte und gehörte fest zum Alltag. Doch als die Nationalsozialisten in den 1930er-Jahren das Leben der Familie systematisch zerstörten, drehte sich das Verhältnis um: Aus der Angestellten wurde eine Lebensretterin.

Trotz drohender Strafen ließ Bereit ihre früheren Arbeitgeber nicht im Stich. Heimlich besorgte sie Lebensmittel und überlebenswichtige Waren für die immer stärker drangsalierten Silbermanns. Am 27. Februar 1943 eskalierte die Situation dramatisch. Bei der berüchtigten „Fabrik-Aktion“, einer Großrazzia in Berlin, entging die Tochter Adelheid Silbermann nur knapp der Verhaftung. Auf der Flucht vor der Gestapo kannte sie nur einen sicheren Zufluchtsort: die Wohnung von Franziska Bereit.

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Versteck auf engstem Raum

Die mutige Weddingerin zögerte nicht. Sie versteckte die junge Frau und versuchte gleichzeitig verzweifelt, auch deren Eltern zu retten. Doch dieser Versuch scheiterte: Carl und Rosalie Silbermann wurden im April 1943 in das Ghetto Theresienstadt deportiert.

Im Januar 1944 spitzte sich die Lage weiter zu. Auch Adelheids Schwester Therese Ornstein und deren Ehemann Hermann brauchten dringend Schutz. Franziska Bereit nahm auch sie auf. Die Bedingungen waren extrem: Die Einzimmerwohnung bot kaum Platz zum Atmen. Vier Personen – eine Frau und drei jüdische Verfolgte – lebten hier Wand an Wand. Tägliche Todesangst begleitete sie: Jedes Geräusch im Treppenhaus konnte das Ende bedeuten. Trotz der beengten Verhältnisse hielten sie durch. Ein Überleben war nur möglich, weil auch drei Kinder halfen. Sie organisierten unter größtem Risiko zusätzliche Nahrungsmittel für die Untergetauchten. Das Versteck flog nicht auf – alle drei Überlebenden sahen das Ende des Krieges und die Befreiung.

Verspätete Ehrung durch Platz im Wedding

Jahre nach dem Krieg wollte die Stadt Berlin diesen außergewöhnlichen Mut würdigen. Ab 1958 zeichnete der West-Berliner Senat Menschen, die Verfolgten geholfen hatten, als „unbesungene Helden“ aus. Auch Franziska Bereit stand auf der Liste für die feierliche Auszeichnung. Doch das Schicksal war ungerecht: Nur kurze Zeit vor der Verleihung verstarb die mutige Berlinerin. Die Ehrenurkunde für ihren unvergessenen Einsatz im Wedding nahm stellvertretend ihr Sohn Rudi Bereit entgegen.

Nun wird der schlichte Platz an der Malplaquet- und Utrechter Straße in Berlin-Wedding nach Franziska Bereit benannt. Er liegt ganz in der Nähe ihrer damaligen Wohnung. Die feierliche Umbenennung findet an diesem Freitag statt. „Es ist eine Geschichte von unvorstellbarem Mut in finsterster Zeit“, betont Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) im Vorfeld der Zeremonie.

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