Das Museum Barberini in Potsdam widmet dem Neoimpressionismus eine umfassende Ausstellung mit dem Titel „Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus“. Im Zentrum steht Paul Signac (1863–1935), einer der prägendsten Vertreter dieser Kunstrichtung. Die Schau umfasst knapp einhundert Werke, davon ein Drittel von Signac selbst, und zeigt die Entwicklung des Neoimpressionismus von seinen Anfängen bis zu seinen internationalen Ausläufern.
Das flirrende Licht von Saint-Tropez
Im Obergeschoss des Museums ist ein großer Saal den Mittelmeer-Bildern Signacs gewidmet. Seine Gemälde von Saint-Tropez, dem Hafenstädtchen an der Côte d’Azur, fangen das flirrende Licht ein, das über der Küste liegt. Signac malte nicht farbige Gegenstände, sondern das Licht selbst – in kühl konstruierten Schöpfungen aus einzelnen Farbpunkten, die sich gegenseitig erhellen. Der Betrachter taucht in diese Bilder ein und badet förmlich in diesem Licht.
Wissenschaftliche Farbwirkung statt sinnlichem Eindruck
Der Neoimpressionismus, den Signac gemeinsam mit dem 1891 verstorbenen Georges Seurat begründete, verstand sich als eine Art Anti-Impressionismus. Statt auf den unmittelbaren Augeneindruck setzte die Bewegung auf eine wissenschaftlich abgesicherte Farbwirkung im Auge des Betrachters. Während Seurat noch penibel gesetzte Farbpunkte unvermischter Farben verwendete, gingen Signac und seine Anhänger zu Tupfen oder kurzen Strichen über. Dadurch wurde das Prinzip der nebeneinander stehenden Farben deutlich, und jede Illusion von fotografischer Abbildhaftigkeit verschwand. Die Gemälde sind reine Malerei, die sich des gegenständlichen Sujets bedient, aber die Künstlichkeit der Kunst offenlegt.
Ausstellungsgliederung und Höhepunkte
Die Ausstellung ist nach Motivkreisen gegliedert. Neben den Mittelmeer-Bildern Signacs sind Porträts, Interieurs des bürgerlichen Zeitalters und Werke mit starken ornamentalen Elementen zu sehen, die von der Japan-Mode in Paris beeinflusst sind. Kuratorin Nerina Santorius hat an vielen Gemälden eingeschriebene Ornamente und Arabesken erkannt, die im vorzüglichen Katalog näher erläutert werden.
Ein besonderes Highlight sind die Bilder der Industriewelt aus Charleroi von Maximilien Luce, einem Anhänger des Anarchismus, die mit ihren Eisenschmelzen und lodernden Feuern ein härteres Moment in die Ausstellung bringen. Die flämischen Mitstreiter wie Théo van Rysselberghe hingegen pflegen die Landschaftsmalerei mit Kanälen und Windmühlen und zeigen, dass auch das Licht des Nordens sanft erhellend sein kann.
Deutsche Nachfolger und abschließender Saal
Die Ausstellung schließt mit einem Saal zu den deutschen Nachfolgern des Neoimpressionismus. Henry van de Velde in Weimar war ein wichtiger Vermittler, und Christian Rohlfs malte in jungen Jahren in diesem Stil, ehe er zu einem erdigen Expressionismus wechselte. Paul Signac selbst blieb dem Neoimpressionismus auch über den Ersten Weltkrieg hinaus treu.
Ein Erlebnis für die Sinne
„Die Musikalität der Farben, ihren Harmonien und bewussten Kontrasten kann man sich nicht entziehen“, schreibt der Tagesspiegel. Die Ausstellung im Museum Barberini, die noch bis zum [Enddatum] läuft, bietet eine seltene Gelegenheit, das Werk Signacs und seiner Zeitgenossen in dieser Dichte zu erleben. Knapp dreißig Jahre nach der letzten deutschen Ausstellung zum Neoimpressionismus (1997 in Münster) wird hier ein Verständnis für die von Frankreich ausgehende Klassische Moderne aufgebaut, wie es in Deutschland einzigartig ist.



