NS-Raubgut: Kolbes Tänzerinnen-Brunnen für 4 Mio. Euro versteigert
Tänzerinnen-Brunnen von Georg Kolbe für 4 Mio. Euro versteigert

Der Tänzerinnen-Brunnen von Georg Kolbe, der seit 1979 im Garten des Georg Kolbe Museums in Berlin stand, gehört nun zu einer Privatsammlung in den USA. Diese habe bei der Auktion mit insgesamt sechs Bietern den Zuschlag bekommen, sagte eine Sprecherin des Berliner Auktionshauses Grisebach gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Der Hammer fiel bei vier Millionen Euro. „Was nun mit dem Brunnen passiert, wissen wir nicht“, sagte die Sprecherin.

NS-Raubgut mit bewegter Geschichte

Bei dem Brunnen aus Bronze und Travertin aus dem Jahr 1922 handelt es sich um NS-Raubgut. Das Museum im Berliner Westend hatte das Werk nach komplizierten Auseinandersetzungen jüngst an die Erben der Familie des ursprünglichen Eigentümers zurückgegeben. Am Donnerstagabend wurde der Brunnen nun als Highlight der Sommerauktion bei Grisebach versteigert – weit über dem Schätzpreis von 1 Million bis 1,5 Millionen Euro.

Einstiger Eigentümer überlebte KZ nicht

Georg Kolbe hatte den Brunnen 1922 für die Berliner Villa des jüdischen Sammlers und Direktors der Victoria-Versicherung Heinrich Stahl angefertigt, in dessen Garten er aufgestellt war. Während des Nationalsozialismus musste Stahl das Haus samt Brunnen unter Wert verkaufen. Stahl wurde im Konzentrationslager ermordet, seine Frau konnte sich in die USA retten. Der Brunnen galt viele Jahrzehnte als verschollen.

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In den 1970er Jahren führte das Kolbe-Museum die in Berlin verbliebenen unteren Teile des Brunnens wieder zusammen mit der bekrönenden Tänzerin-Figur, die mit dem späteren Käufer der Villa nach Spanien gelangt war.

Komplizierte Restitution

Der Enkel Werner Stahl hatte im Jahr 2001 den Verzicht auf den Brunnen mit der Tänzerin erklärt – allerdings geschah dies nicht im Namen der gesamten Familie, wie sich später herausstellte. Das Georg Kolbe Museum bot deshalb an, das Werk vollständig an die Erbengemeinschaft zu restituieren. Dem Museum gelang es nicht, die nötigen Gelder für einen Ankauf zu akquirieren. Damit wanderte das Werk auf den Markt.

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