Die Eröffnung der Bayreuther Festspiele zum 150-jährigen Jubiläum verlief in diesem Jahr anders als gewohnt. Statt einer Wagner-Oper erklang Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie, dirigiert von Christian Thielemann. Im Mittelpunkt des Festakts stand jedoch nicht nur die Musik, sondern eine deutliche politische Botschaft: Festspielleiterin Katharina Wagner, Urenkelin des Komponisten, bezog klar Stellung gegen den zunehmenden Rechtsruck in Deutschland.
Klare Worte gegen Rassismus und Geschichtsverharmlosung
„Es geht darum, hier Nein zu sagen gegen Rassismus, Chauvinismus und eine Verharmlosung der Geschichte“, erklärte Wagner beim Festakt. Sie betonte die besondere Verantwortung der Festspiele aufgrund der engen Verknüpfung ihrer Familie mit dem NS-Regime unter Adolf Hitler. „Die Bayreuther Festspiele waren nie losgelöst von ihrer Zeit“, so die 46-Jährige. Das Jubiläum sei „weit mehr als ein Anlass, zu feiern“. Ziel müsse es sein, „die Tradition ernst zu nehmen, ohne sie zu verklären – damit die Zukunft nicht erneut in der Finsternis der Vergangenheit endet.“
Kanzler Merz: Kritische Auseinandersetzung statt Cancel Culture
Bundeskanzler Friedrich Merz griff in seinem Grußwort die dunkle Seite der Festspielgeschichte auf. Er zitierte Thomas Mann und riet, Wagners Musik zu „genießen, aber nicht ohne Misstrauen“. „Canceln ist jedenfalls auch hier keine Lösung“, sagte Merz. Besser sei eine kritische Auseinandersetzung, wie sie in Bayreuth stattfinde: „Spät, aber es ist geschehen.“ Merz würdigte damit den offenen Umgang der Festspiele mit Richard Wagners Antisemitismus.
Bayerns Kunstminister: Ambivalente Geschichte der Festspiele
Bayerns Kunstminister Markus Blume unterstrich die zwiespältige Historie: „150 Jahre Bayreuther Festspiele erzählen von den größten Sternstunden der Oper und sie erzählen von den dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte – beides gehört untrennbar zu Bayreuth.“ Richard Wagner sei „ein musikalisches Genie, zugleich aber ein erbitterter Antisemit“ gewesen. „Sein antisemitisches Denken ging in Teilen weit über die Vorurteile seiner Zeit hinaus. Bei aller Bewunderung für sein Werk dürfen wir davor niemals die Augen verschließen“, so Blume.
Politprominenz auf dem roten Teppich
Vor dem Festakt und dem gefeierten Dirigat von Thielemann bot der rote Teppich das gewohnte Bild: Kanzler Merz schritt mit seiner Frau Charlotte zum Portal und konnte kurz die Turbulenzen um seinen Kabinettsumbau hinter sich lassen. Ex-Kanzlerin Angela Merkel erntete den größten Applaus der Zaungäste – auch im Festspielhaus brandete Beifall auf, als ihr Name genannt wurde. Merkel und ihr Mann Joachim Sauer sind seit vielen Jahren Stammgäste am Grünen Hügel. Auch Thüringens Regierungschef Mario Voigt und Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir waren anwesend. Zudem kamen die neue Kanzleramtschefin Nina Warken und Philipp Amthor, der neue Bund-Länder-Koordinator im Kanzleramt.
Prominenz aus Film und Fernsehen
Aus der Unterhaltungsbranche reisten Moderator Florian Silbereisen, Ex-„Tatort“-Schauspieler Udo Wachtveitl und TV-Koch Alexander Herrmann an. Herrmann hatte die kürzeste Anreise, da er im nahen Wirsberg sein Stammhaus betreibt. Die Bayreuther Festspiele dauern vom 24. Juli bis zum 26. August.



