Retrospektive eines Jahrhundertfotografen
Die Galerie Pankow in Berlin widmet dem Fotografen Walter Schels eine umfassende Retrospektive. Unter dem Titel 'Die Entgrenzung der Fotografie' sind bis zum 7. Januar 2024 über 100 Arbeiten aus sieben Jahrzehnten zu sehen. Die Schau spannt einen Bogen von seinen frühen abstrakten Kompositionen bis hin zu den bekannten Porträts sterbender Menschen, die ihn weltberühmt gemacht haben.
Frühe Jahre und künstlerische Entwicklung
Walter Schels, geboren 1936, begann seine fotografische Laufbahn 1967. Seine frühen Arbeiten waren stark von der Pop Art beeinflusst – Collagen und abstrakte Experimente, die die Grenzen des Mediums ausloteten. 'Fotografie ist nicht dazu da, eine Sache schön zu machen', sagte Schels in einem Interview. 'Sie soll die Wahrheit zeigen, auch wenn sie unangenehm ist.' Dieses Credo zieht sich durch sein gesamtes Werk.
Der Durchbruch mit 'Leben vor dem Tod'
Weltweit bekannt wurde Schels mit seiner Serie 'Leben vor dem Tod', für die er sterbende Menschen porträtierte – kurz vor und nach ihrem Tod. Die Bilder, die in den 2000er Jahren entstanden, sind von großer Intimität und Respekt. Sie zeigen die Menschen in ihren letzten Momenten, ohne Sentimentalität, aber mit tiefer Empathie. Die Serie wurde in zahlreichen Museen ausgestellt und löste intensive Diskussionen über die Darstellung des Todes in der Kunst aus.
Weitere Werke und Serien
Die Retrospektive in Pankow zeigt aber auch weniger bekannte Arbeiten. Da ist die Serie 'Mutter und Kind', die die Bindung zwischen Mutter und Kind in minimalistischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen einfängt. Oder die 'Zwei Welten'-Reihe, in der Schels Gegensätze wie Arm und Reich, Jung und Alt gegenüberstellt. Jede Serie offenbart sein Talent, den Kern einer Situation einzufangen.
Ein Meister der einfühlsamen Porträts
Was Schels' Fotografie auszeichnet, ist die Fähigkeit, den Menschen hinter der Fassade zu zeigen. Seine Porträts sind nie oberflächlich; sie erzählen Geschichten. Ob er Obdachlose, Künstler oder Sterbende fotografiert – immer nähert er sich seinen Motiven mit Würde. Die Ausstellung in Berlin unterstreicht, wie Schels die Fotografie als Medium der Empathie und Wahrheitssuche genutzt hat.
Bedeutung der Ausstellung für die Fotokunst
'Die Entgrenzung der Fotografie' ist nicht nur eine Retrospektive, sondern auch eine Neubewertung von Schels' Schaffen. Kuratorin Anna-Lena Werner betont: 'Walter Schels hat die Grenzen der Dokumentarfotografie erweitert und gezeigt, dass Fotografie eine tiefe emotionale Wirkung haben kann.' Die Schau ist ein Muss für alle, die sich für die Entwicklung der Fotografie im 20. und 21. Jahrhundert interessieren.
Praktische Informationen
Die Ausstellung läuft vom 31. Oktober 2023 bis zum 7. Januar 2024 in der Galerie Pankow, Breite Straße 8, 13187 Berlin. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 12–18 Uhr, Samstag und Sonntag 11–17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen auf der Website der Galerie.



