Die britische Trip-Hop-Band Massive Attack ist nach einem Konzert in Singapur mit einem Auftrittsverbot belegt worden. Auslöser ist das Hochhalten einer Palästinenserflagge auf der Bühne. Die Behörden des Stadtstaats gehen mit ungewöhnlicher Härte gegen die Musiker vor.
Bei dem Auftritt am Mittwoch hatten die Bandmitglieder eine palästinensische Fahne gezeigt, einer der Musiker rief laut Polizei „Free Palestine“. In Singapur ist es verboten, ohne behördliche Genehmigung eine ausländische Flagge zur Schau zu stellen. Die Polizei nahm die gesamte Band fest, verhörte die Mitglieder getrennt und durchsuchte ihre Hotelzimmer.
„Surreale Erfahrung“: Massive Attack meldet sich zu Wort
Die Gruppe schilderte die Aktion auf Instagram als beängstigend und unverhältnismäßig. „Wir waren überrascht und enttäuscht, dass unsere gesamte Band von der Polizei festgenommen, isoliert und getrennt befragt wurde“, schrieben die Musiker. Einige Pässe seien vorübergehend eingezogen worden.
Besonders irritiert zeigte sich die Band über die Rechtsgrundlage. „Wir hätten uns nicht vorstellen können, dass das bloße Hochhalten einer Fahne eines souveränen Staates, der von 157 Ländern anerkannt wird (Palästina), einen Gesetzesbruch darstellen könnte“, heißt es in dem Statement. Die „surreale Erfahrung“ sei eine Mahnung, die Menschenrechte und die Meinungsfreiheit dort zu verteidigen, wo sie in Gefahr seien.
Singapurs strenge Symbolpolitik
Der Stadtstaat Singapur zählt zu den reichsten Ländern Asiens, hat aber eine der restriktivsten politischen Kulturen. Versammlungen und Proteste sind stark reguliert, ausländische Flaggen dürfen nicht ohne Erlaubnis gezeigt werden. Die Polizei verhängte gegen die Musiker eine „strenge Verwarnung“, wie die BBC unter Berufung auf die Behörden meldete.
Die Konsequenzen gehen über die Warnung hinaus: Massive Attack dürfen nicht erneut nach Singapur einreisen, und sämtliche künftigen Konzertgenehmigungen werden verweigert. In der Praxis bedeutet das das Aus für den Tourneestopp in dem südostasiatischen Finanzzentrum.
Del Naja: Festnahme in London erst im April
Für Sänger Robert Del Naja ist diese Erfahrung nicht die erste dieser Art. Der 61-Jährige war im April in London festgenommen worden. Bei einer Demonstration auf dem Trafalgar Square hatte er ein Schild hochgehalten, mit dem er seine Unterstützung für die in Großbritannien verbotene Organisation Palestine Action ausdrückte. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete über den Vorfall.
Massive Attack sind seit langem für ihre politische Haltung bekannt. Die Band kritisiert den Umgang Israels mit den Palästinensern und fordert wiederholt eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts. Diese Positionen vertreten die Musiker nicht nur in Interviews, sondern auch bei Auftritten und in sozialen Netzwerken.
Auswirkungen auf die Band
Das Auftrittsverbot trifft Massive Attack wirtschaftlich. Singapur ist ein wichtiger Markt für internationale Musiker, viele Bands spielen dort regelmäßig ausverkaufte Konzerte. Der Verlust des Termins bedeutet nicht nur eine finanzielle Einbuße, sondern auch einen Imageschaden, sollte die Band in der Region nicht mehr auftreten dürfen.
Ob sich weitere Länder mit ähnlich strengen Auflagen anschließen, bleibt abzuwarten. Die Band hat sich bislang nicht dazu geäußert, ob sie juristische Schritte prüft. In ihrem Statement betonte sie jedoch, dass die Ereignisse in Singapur sie darin bestärken, sich weiterhin für Menschenrechte und freie Meinungsäußerung einzusetzen.



