Elektrobeats statt klassischer Klänge: Zum 150. Jubiläum der Bayreuther Festspiele hat DJ Alle Farben am Sonntagabend im historischen Festspielhaus aufgelegt. Rund 1.700 Gäste feierten mit ihm – ein Novum in der Geschichte des traditionsreichen Hauses. Damit wagten die Organisatoren erstmals überhaupt einen musikalischen Stilbruch mit komplett anderem Genre.
Ein Stilbruch mit Ansage
Die Party stand unter dem Motto „Kinder, schafft Neues!“ – eine Forderung, die einst Richard Wagner (1813–1883) selbst formulierte. Urenkelin Katharina Wagner, die das Festival leitet, zeigte sich sichtlich zufrieden über den Strom an Gästen. Hinter dem unkonventionellen Event habe die Überlegung gestanden, wie man Menschen neugierig machen könne, „die uns normalerweise nicht besuchen“, sagte sie.
Organisiert wurde die Feier gemeinsam mit der Bayreuther Eventlocation „Die Fabrik“. Den eigens dafür verpflichteten DJ Alle Farben lobte Wagner als „hochmusikalisch“. Dass der Künstler die Wände des ehrwürdigen Hauses zum Beben bringen durfte, musste die Richard-Wagner-Stiftung zunächst absegnen – denn offiziell dürfen in dem Haus nur zehn ausgewählte Werke Wagners aufgeführt werden.
Alle Farben: „Die Kunst muss sich entwickeln“
DJ Alle Farben, der mit bürgerlichem Namen Frans Zimmer heißt, war sich der Besonderheit des Abends durchaus bewusst. „An diesem Ort ist in den vergangenen 150 Jahren stets Wagner gespielt worden, und ich darf heute etwas Neues machen“, sagte er. Sein Set habe er an den Ort angepasst. Tatsächlich war etwa nach der Hälfte der Zeit unverkennbar das Motiv aus dem Walkürenritt zu hören – natürlich zeitgemäß mit schnellen Beats unterlegt.
Das Publikum war sofort begeistert, als Zimmer loslegte, obwohl er mit kritischen Stimmen gerechnet hatte. Es werde sicher Leute geben, die sagen, „das geht hier nicht“, hatte der DJ gesagt. Aber es sei wichtig, dass man sich gerade an so einer Stelle auch öffne. „Die Kunst muss sich entwickeln.“
Ungewöhnliche Perspektiven im Festspielhaus
Die Party ermöglichte auch durchaus ungewöhnliche Perspektiven: Die Hauptbühne war nach hinten geöffnet, dort tummelte sich das Partyvolk – und hatte freien Blick auf die Ränge, wo normalerweise das Publikum ergriffen Wagners Werken wie „Parsifal“ und „Der Ring des Nibelungen“ lauscht.
Nach der Party geht es im Festspielhaus weiter: Sobald DJ-Pult und Scheinwerfer abgebaut sind, wird das Festival bis zum 26. August fortgesetzt. Die Festspiele feiern ihr Jubiläum auch mit Wagners Frühwerk „Rienzi“, das erstmals überhaupt im Festspielhaus aufgeführt wird – und mit einem „Ring des Nibelungen“, der mit KI-generierten Bilderwelten gestaltet ist. Auch das ist ein Stilbruch, der in die Geschichte eingehen könnte.



