Umfrage: 59 Prozent der über 50-Jährigen wollen früher in Rente
59 Prozent der über 50-Jährigen wollen früher in Rente

Eine aktuelle Studie der DAK-Gesundheit kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Die Mehrheit der älteren Beschäftigten in Rheinland-Pfalz plant einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Berufsleben. Konkret möchten 59 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab 50 Jahren vorzeitig in Rente gehen. Damit liegt das Bundesland über dem bundesweiten Durchschnitt. Die Untersuchung mit dem Titel „Arbeiten ab 50“ basiert unter anderem auf den Daten von rund 144.000 erwerbstätigen DAK-Versicherten in Rheinland-Pfalz. Die Kasse gehört zu den größten gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland.

Der Report liefert auch Zahlen zu den unterschiedlichen Einstellungen innerhalb der älteren Belegschaft. 28 Prozent der Befragten ab 50 wollen bis zur regulären Altersgrenze arbeiten. Zwölf Prozent können sich sogar vorstellen, über das Rentenalter hinaus weiterzuarbeiten. Betrachtet man alle Beschäftigten im Land, denken 44 Prozent über einen früheren Ausstieg nach. Diese Werte machen deutlich, dass der Wunsch nach einem früheren Ruhestand weit verbreitet ist – unabhängig vom Alter.

Was sich Beschäftigte für ein längeres Berufsleben wünschen

Die Studie zeigt konkrete Hebel, die ein längeres Arbeiten ermöglichen könnten. 48 Prozent der über 50-Jährigen nennen eine höhere Bezahlung als zentrale Bedingung. 44 Prozent wünschen sich Arbeitszeiten, die besser zu ihrer Lebenslage passen. Für 40 Prozent ist mehr Wertschätzung entscheidend. Diese Ergebnisse unterstreichen, dass monetäre Aspekte nicht allein ausschlaggebend sind. Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Gesundheit spielt eine große Rolle.

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DAK-Landeschef Rainer Lange interpretiert die Zahlen als Signal an die Unternehmen. „Wenn sich jede und jeder zweite ältere Erwerbstätige wünscht, vorzeitig aus dem Berufsleben auszuscheiden, sollten wir genau hinhören“, sagte Lange der Mitteilung zufolge. „Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, die sich Gesundheit, Anerkennung und gute Arbeitsbedingungen bis zum Ende ihres Berufslebens wünschen.“

Krankenstand: Ältere fehlen seltener, aber länger

Ein weiteres Ergebnis betrifft den Krankenstand. Beschäftigte ab 50 Jahren meldeten sich im Jahr 2025 seltener krank als jüngere. Sie kamen auf 170 Krankmeldungen je 100 Versicherte, während die Altersgruppe unter 50 auf 219 Fälle kam. Allerdings fielen die Ausfallzeiten der älteren Beschäftigten deutlich länger aus: durchschnittlich 16,9 Tage pro Krankheitsfall gegenüber 8,5 Tagen bei den jüngeren Kollegen. Die Falldauer war damit bei den Älteren fast doppelt so hoch.

Die Daten weisen auf einen grundlegenden Unterschied hin: Ältere Arbeitnehmer sind seltener von kurzen Erkrankungen wie Infekten betroffen, benötigen bei schwerwiegenderen Gesundheitsproblemen aber mehr Zeit für die Genesung. Dieses Muster zeigt sich regelmäßig in Krankenstandsanalysen. Für Unternehmen bedeutet das, dass sie neben der reinen Anzahl der Krankheitsfälle vor allem die Dauer der Ausfälle im Blick behalten müssen. Ein langfristig erkrankter Mitarbeiter kann eine ganze Abteilung vor Herausforderungen stellen.

Aktivrente: Interesse vorhanden, aber keine klare Nutzungsabsicht

Ein mögliches Modell, um den Übergang in den Ruhestand flexibler zu gestalten, ist die Aktivrente. Dabei können Rentnerinnen und Rentner weiterarbeiten und parallel ihre Rente beziehen, ohne finanzielle Einbußen befürchten zu müssen. In der Umfrage zeigen sich 68 Prozent der Befragten ab 50 offen für dieses Konzept. Eine eindeutige Absicht, es tatsächlich zu nutzen, besteht jedoch nicht. Die theoretische Zustimmung überträgt sich offenbar nicht ohne Weiteres in die Praxis.

Für Rainer Lange steht fest: „Das Ziel sollte nicht sein, Menschen länger arbeiten zu lassen, sondern Bedingungen zu schaffen, unter denen sie länger arbeiten können und wollen.“ Diese Haltung verdeutlicht, dass die reine Verlängerung der Lebensarbeitszeit ohne begleitende Maßnahmen wenig Erfolg verspricht.

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Folgen für Politik und Arbeitswelt

Die Ergebnisse der DAK-Studie sind vor dem Hintergrund der Diskussion um die Rente mit 67 von großer Bedeutung. Während viele Branchen unter Fachkräftemangel leiden, strebt die Mehrheit der über 50-Jährigen einen früheren Ausstieg an. Ohne spürbare Verbesserungen bei Gesundheit, Bezahlung und Arbeitszeitgestaltung wird sich dieser Widerspruch kaum auflösen lassen. Die Politik ist gefordert, Anreize zu schaffen, die ein längeres Arbeiten attraktiver machen.

Der Report liefert damit eine datenbasierte Grundlage für Entscheidungen in Unternehmen und Politik. Die Botschaft der Beschäftigten ist eindeutig: Sie sind nicht grundsätzlich abgeneigt, länger zu arbeiten – aber nur unter Bedingungen, die ihre Lebensrealität berücksichtigen. Dazu gehören neben fairen Löhnen auch flexible Arbeitszeitmodelle, eine wertschätzende Unternehmenskultur und ein betriebliches Gesundheitsmanagement, das auf die Bedürfnisse älterer Mitarbeiter eingeht. Die Studie „Arbeiten ab 50“ bleibt damit ein wichtiger Beitrag zur Debatte über die Zukunft der Arbeit in Deutschland.