Der Zusammenbruch des milliardenschweren Projekts ist ein schwerer Rückschlag für FIFA-Präsident Gianni Infantino. Der Plan, mit dem die 211 Mitgliedsverbände finanziell unterstützt werden sollten, scheiterte an Streitigkeiten über die Kontrolle der Gelder. Zuletzt sollen sich die Investoren und die FIFA nicht über die Mitspracherechte geeinigt haben.
Wie aus Verhandlungskreisen zu hören ist, hatten sich die Gespräche über Monate hingezogen. Der Fonds sollte eine neue Geldquelle für die Fußballentwicklung weltweit darstellen. Besonders Verbände in Afrika und Asien sollten profitieren. Doch in zentralen Fragen gab es keine Einigung: über die Verteilung der Mittel, die Höhe der Renditen und die Verantwortung bei Verlusten.
Das Scheitern des Deals entwickelt sich nun zu einem politischen Problem für Infantino. Die Kritik an seinem Führungsstil wächst seit Langem. Mehrere Vizepräsidenten gelten als unzufrieden, weil der Präsident häufig im Alleingang entscheidet. Das Investoren-Debakel könnte ihnen als Begründung für ein koordiniertes Vorgehen dienen.
Das Milliarden-Versprechen
Der Plan war ambitioniert: Mit einem globalen Fußballfonds wollte der FIFA-Präsident eine finanzielle Grundlage für die Zukunft schaffen. Rund eine Milliarde Euro sollten mit Hilfe externer Geldgeber eingesammelt werden. Die Summe sollte in den Bau von Stadien, Trainingszentren und Jugendakademien in weniger entwickelten Regionen fließen.
Doch die Beteiligung privater Investoren ist heikel. Investoren erwarten Renditen, doch der Fußball unterliegt einer weltweit komplexen Regulierung. Seit Jahren wird über den Fonds spekuliert. Offiziell sprach die FIFA von einem „nachhaltigen Investitionsmodell“, inoffiziell war von hohen Renditen und Umgehungswegen die Rede.
Machtspiele im Fußball-Weltverband
Für Infantino war der Investmentfonds auch ein Machtprojekt. Hätte er über dieses Geld verfügen können, wäre seine Wirkungskraft in den Mitgliedsverbänden noch größer. Viele Verbände sind auf die finanziellen Zuwendungen der FIFA angewiesen. Das stärkt den Präsidenten, weil die Verbände sich kaum Kritik erlauben.
Diese Abhängigkeit hat bereits dazu geführt, dass mögliche Herausforderer schnell wieder verschwinden. Bei der Wahl 2019 gab es keinen Gegenkandidaten. Seitdem wurden die Statuten geändert. Ein Sturz ist deshalb nur über ein geordnetes Verfahren möglich.
So könnte Infantino stürzen
Die FIFA-Statuten bieten mindestens zwei formale Wege. Zum einen kann der FIFA-Kongress den Präsidenten mit einer Zweidrittelmehrheit abberufen. Dafür muss ein Antrag von einer bestimmten Anzahl von Mitgliedsverbänden unterstützt werden. Zum anderen kann der FIFA-Rat ein Verfahren einleiten, wenn ihm ein schwerwiegendes Fehlverhalten des Präsidenten vorgeworfen wird.
Der FIFA-Rat besteht aus 37 Mitgliedern, die vom Kongress gewählt werden. Eine Abwahl wäre also ein Akt der Gremien. In der Praxis wird eine solche Abstimmung allerdings nur selten riskiert, weil die Mehrheit der Verbände an einer stabilen Führung interessiert ist.
Ein weiteres Szenario ist eine Intervention des FIFA-Ethikausschusses. Der Ausschuss kann Untersuchungen aufnehmen und Sanktionen verhängen. Er ist aber unabhängig und nicht an Weisungen gebunden. Bisher hat er in Fällen der Spitze selten durchgegriffen.
Der Druck wächst
In Europa ist der Unmut über die FIFA-Führung unterdessen größer geworden. Mehrere nationale Verbände und Ligen haben die Vergabe von Vermarktungsrechten kritisiert. Der gescheiterte Fonds kommt für sie zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt.
Dennoch gilt ein Bruch mit der FIFA als unwahrscheinlich. Die europäischen Verbände benötigen die FIFA für die Weltmeisterschaften und die Klub-Wettbewerbe. Sie können Kritik äußern, aber sie können die Organisation nicht ersetzen.
Experten skeptisch
Sportpolitik-Experten halten einen Sturz Infantinos für äußerst unwahrscheinlich. Es fehle an einer schlagkräftigen Koalition gegen ihn. Infantino könne sich auf die Unterstützung vieler kleinerer Verbände verlassen, die finanziell von der FIFA abhängig sind. Ein Alternativkandidat mit internationaler Strahlkraft ist nicht in Sicht.
Infantino selbst dürfte das Scheitern des Fonds als Schutz des Fußballs verkaufen. Er könne argumentieren, dass die Interessen der Verbände über denen der Investoren stehen. Diese Botschaft wird bei vielen Delegierten Gehör finden.
Der nächste FIFA-Kongress wird zeigen, ob die Opposition geschlossen auftreten kann. Bis dahin wird Infantino versuchen, Unterstützung zu sichern. Das Investoren-Debakel ist ein Rückschlag, aber keineswegs das Ende.



