Zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren haben Japan und die USA gemeinsam in den Devisenmarkt eingegriffen, um den Yen zu stützen. Das bestätigte US-Präsident Donald Trump am Sonntag an Bord der "Air Force One" gegenüber Journalisten. "Sie haben einen schwächelnden Yen und wollten ein bisschen Unterstützung", sagte Trump. "Wir sind immer da, um Japan zu helfen." Er nannte den Schritt ein "Zeichen der Freundschaft" und betonte, dass er auch der Weltwirtschaft zugutekomme.
Japans Finanzministerin Satsuki Katayama bestätigte am Montag die Koordination mit Washington. Ihr Ministerium habe gemeinsam mit dem US-Finanzministerium Yen gekauft, um "übermäßige Volatilität und ungeordnete Bewegungen" zu stoppen. Man werde in engem Austausch mit den USA bleiben und bei Bedarf weitere Maßnahmen ergreifen, sagte Katayama.
Eine seltene Form des Eingriffs
Regierungen greifen nur in Ausnahmefällen direkt am Devisenmarkt ein. Bei einer solchen Intervention verkaufen oder kaufen staatliche Stellen große Mengen an Devisen, um den Kurs der eigenen Währung zu beeinflussen. Besonders ungewöhnlich ist eine bilateral abgestimmte Aktion zwischen Tokio und Washington – die letzte liegt mehr als zwei Jahrzehnte zurück, genauer gesagt in den späten 1990er-Jahren.
Ein weiteres historisches Beispiel war die gemeinsame Intervention der G7-Staaten im Jahr 2011, als der Yen nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe von Fukushima gestützt wurde. Damals waren die Industrienationen noch gemeinsam vorgegangen, diesmal genügte den Regierungen offenbar eine Abstimmung zwischen Japan und den USA.
Rapider Verfall des Yen
Der aktuelle Eingriff ist die Reaktion auf eine dramatische Talfahrt der japanischen Währung. Der Yen war zuvor auf den tiefsten Stand seit 40 Jahren gefallen. Als Ursachen galten die deutlich höheren US-Zinsen sowie die steigenden Erdölpreise im Zusammenhang mit dem Irankrieg, die die japanische Handelsbilanz belasteten.
Die "Financial Times" hatte bereits am Freitag berichtet, dass die USA an der Seite Japans bei der Stützung des Yen halfen. Demnach wurde die Aktion über die New Yorker Filiale der US-Notenbank Fed abgewickelt: Sie verkaufte für das US-Finanzministerium Euro und kaufte im Gegenzug Yen. Damit wurde das Ziel verfolgt, den Wechselkurs des Yen zu stützen.
Über das Volumen der Intervention gibt es unterschiedliche Angaben. Analysten, die sich auf Schätzungen mehrerer Institute stützen, gehen von rund 8,45 Billionen Yen aus – das sind etwa 46 Milliarden Euro. Die "Nikkei" berichtete dagegen von einem Volumen zwischen sechs und sieben Billionen Yen. Die genaueren Zahlen dürften erst später aus offiziellen Daten hervorgehen.
Zwischen Exportstärke und Kaufkraftverlust
Die Schwäche des Yen ist für Japan ein zweischneidiges Schwert. Einerseits profitieren die Exporteure, die durch günstigere Preise auf den Weltmärkten wettbewerbsfähiger werden. Japan hat davon in den vergangenen Jahren profitiert. Andererseits werden Importe teurer, darunter Energie, Rohstoffe und Nahrungsmittel. Das belastet die Kaufkraft der Verbraucherinnen und Verbraucher.
Ob die gemeinsame Währungsintervention langfristig stabilisierend wirkt, bleibt abzuwarten. Finanzministerin Katayama hat bereits weitere Schritte angedeutet, falls die Märkte erneut in Unruhe geraten sollten. Politischer Sprengstoff ist der Einsatz dennoch: Koordinierte Eingriffe an den Devisenmärkten sind international umstritten, weil sie die Wechselkursentwicklung verzerren können. Die USA haben mit ihrer Beteiligung jedoch klargestellt, dass sie die japanische Währungspolitik in dieser Krisenlage unterstützen.



