Ukraine versenkt russisches Frachtschiff im Schwarzen Meer
Ukraine versenkt russisches Frachtschiff im Schwarzen Meer

Die ukrainische Armee hat im Schwarzen Meer ein Frachtschiff des russischen Staatskonzerns Rosatom versenkt. Das bestätigten der Konzern und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die »Yanina« wurde nahe dem Hafen Noworossijsk von mindestens zwei ukrainischen Drohnen getroffen und sank.

Betrieben wird das Schiff von der Fesco-Reederei, einer Tochtergesellschaft von Rosatom. Nach Angaben des Konzerns konnten die 17 Besatzungsmitglieder von Bord gehen und blieben unversehrt. An Bord befanden sich Tiefkühlkost und Baumaterialien, wie Rosatom mitteilte. Das Ausmaß des Schadens und mögliche Umweltfolgen sind bislang unklar. Sollten Treibstofftanks beschädigt worden sein, drohen erhebliche Umweltgefahren für das Schwarze Meer.

Der Hafen von Noworossijsk zählt zu den wichtigsten Handelshäfen Russlands am Schwarzen Meer. Insbesondere für Ölexporte hat er große Bedeutung. Die Ukraine attackiert seit Monaten immer wieder russische Schiffe in der Region, um Exporte zu behindern und den Krieg finanziell auszutrocknen. Sie wirft Russland vor, über das Schwarze Meer sanktionierte Güter wie Erdöl zu verschiffen. Russland seinerseits greift seit der Vollinvasion im Februar 2022 regelmäßig ukrainische Hafeninfrastruktur und Schiffe an.

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Die Versicherungswirtschaft hat die Prämien für Fahrten im Schwarzen Meer infolge der Angriffe deutlich erhöht. Viele Frachtschiffe meiden die Region oder nehmen Umwege in Kauf. Russland hat als Reaktion angekündigt, zivile Schiffe stärker zu schützen, eine vollständige Sicherheit ist jedoch nicht in Sicht.

Selenskyj meldet Angriffe auf Ölraffinerien

In seiner abendlichen Telegram-Mitteilung erklärte Selenskyj, dass die Ukraine neben der »Yanina« weitere Ziele im Schwarzen und Asowschen Meer getroffen habe. Zudem sei die Infrastruktur von drei russischen Ölraffinerien in der Region Baschkortostan beschädigt worden, mehr als 1500 Kilometer nördlich der ukrainischen Grenze. Die Angriffe zielen darauf ab, die russische Treibstoffproduktion und die Versorgung der Armee zu stören.

Die Ukraine hat ihre Angriffe auf russisches Territorium in den vergangenen Monaten deutlich ausgeweitet. Im Fokus stehen Ölraffinerien, Treibstofflager und militärische Einrichtungen. Moskau verurteilt die Angriffe regelmäßig und spricht von einer Gefahr für die Zivilbevölkerung. Die jüngsten Schläge zeigen, dass die Ukraine inzwischen auch Ziele in mehr als 1500 Kilometern Entfernung treffen kann.

Die Angriffe auf die Ölraffinerien haben auch internationale Märkte verunsichert. Ölpreise reagierten zuletzt schwankend auf die ukrainischen Schläge. Sollte die Ukraine ihre Trefferquote erhöhen, könnte dies langfristig die russischen Exporterlöse schmälern.

Kyjiw: Neun Tote bei russischem Angriff

Währenddessen war die ukrainische Hauptstadt Kyjiw in der Nacht zum Samstag erneut Ziel russischer Luftangriffe. Nach Angaben des staatlichen ukrainischen Rettungsdienstes kamen mindestens neun Menschen ums Leben, 28 weitere wurden verletzt, darunter vier Kinder. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, es habe einen »massiven Schlag« gegen Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes und Logistikzentren in Kyjiw geführt. Zivile Opfer seien nicht beabsichtigt, hieß es aus Moskau weiter, eine Behauptung, die unabhängig nicht überprüft werden kann.

In Kyjiw waren Rettungskräfte die ganze Nacht im Einsatz, um Verschüttete zu bergen und Brände zu löschen. Viele Anwohner verbrachten die Nacht in U-Bahn-Stationen und Notunterkünften. Die Angriffe haben erneut gezeigt, dass die Zivilbevölkerung unter dem Krieg leidet.

Die ukrainische Rüstungsindustrie arbeitet unterdessen an neuen Waffen, um russische Angriffe effektiver zu beantworten. So entwickelt die ukrainische Firma Fire Point Flugkörper, die nach Einschätzung von Experten schwerer abzuwehren sind als herkömmliche Drohnen. Eine dieser Raketen soll die russische Hauptstadt Moskau mit fast 8000 Kilometern pro Stunde erreichen können. Damit könnte die Ukraine künftig Ziele in noch größerer Entfernung treffen.

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Eskalation ohne Ende

Die internationale Gemeinschaft beobachtet die jüngsten Eskalationen mit Sorge. Sowohl die Ukraine als auch Russland scheinen entschlossen, den Konflikt mit militärischen Mitteln zu entscheiden. Diplomatische Initiativen bleiben bislang ohne Erfolg, obwohl die Kosten des Krieges für beide Seiten weiter steigen.

Die Ereignisse zeigen, dass beide Seiten ihre Angriffe weiter verschärfen. Die Ukraine versucht, Russlands wirtschaftliche und logistische Basis zu schwächen, während Russland mit massiven Luftschlägen auf ukrainische Städte antwortet. Eine Deeskalation ist derzeit nicht in Sicht. Der Schwarzmeerraum bleibt ein zentraler Schauplatz des Krieges, in dem sich militärische und wirtschaftliche Interessen überschneiden.

Die Versenkung der »Yanina« ist zudem ein weiteres Beispiel für den zunehmenden Einsatz von Seedrohnen durch die Ukraine. Diese unbemannten Boote sind vergleichsweise preiswert, können aber große Schäden anrichten. Russland hat in der Vergangenheit mehrfach versucht, solche Angriffe abzuwehren, allerdings mit wechselndem Erfolg. Beobachter rechnen damit, dass die Ukraine ihre Seedrohnen-Kampagnen weiter verfeinern wird.