Feuerwalze in Frankreich: Ganze Dörfer zerstört, 42.000 Hektar verbrannt
Feuerwalze in Frankreich: 42.000 Hektar verbrannt

Die verheerenden Waldbrände an der französischen Atlantikküste haben eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Mehr als 42.000 Hektar Land – eine Fläche viermal so groß wie Paris – und 140 Häuser sind den Flammen zum Opfer gefallen. Besonders betroffen ist der Ort Le Porge westlich von Bordeaux, wo die Feuerwehr nach tagelangem Kampf die Zugänge freigegeben hat und die ersten Bewohner in ihr verbranntes Dorf zurückkehren konnten.

„Nichts ist mehr übrig“ – Anwohner fassungslos

„Es ist monströs. Nichts ist mehr übrig. Uns fehlen die Worte. Aber wir leben noch“, zitierte die französische Zeitung „Sud Ouest“ die Einheimischen. Die Fotos zeigen das Ausmaß der Zerstörung: Häuser, die bis auf die Grundmauern niedergebrannt sind, verkohlte Gartengeräte und von der Hitze geschmolzene Autos. Der Wald ist vollständig verkohlt, riesige Pinien sind bis in die Kronen schwarz verbrannt, die Farne unter einer dicken Ascheschicht verschwunden. An manchen Stellen steigen noch Rauchfahnen aus dem Boden auf.

Die Präfektin des Départements Gironde, Sophie Brocas, beschrieb das Feuer als „einen Menschenfresser, der sehr schnell laufen kann“. Sie verwies auf die enorme Geschwindigkeit, mit der sich die Flammen ausbreiten. Die Brände haben eine völlig veränderte Landschaft hinterlassen, die an apokalyptische Szenarien erinnert.

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Ortskern von Le Porge verschont – Umgebung verwüstet

Wie durch ein Wunder blieb das Zentrum von Le Porge verschont. Die Geschäfte und Wohnhäuser im Ortskern stehen noch, berichtet „Sud Ouest“. Dennoch wirken die Straßen wie ausgestorben, da die evakuierten Bewohner noch nicht zurückkehren dürfen. Rund um den Ort, entlang der Avenue du Médoc, der Avenue du Bassin-d’Arcachon, der Route de l’Océan und der Route des Lacs, bieten sich jedoch Bilder der Zerstörung: Wohnhäuser, Fahrräder und Autos sind den Flammen vollständig zum Opfer gefallen.

Die Atmosphäre ist bedrückend, beinahe unwirklich. Was gestern noch ein Sommerparadies war, ist heute nur noch eine Ruinenlandschaft. Die Einwohner, die in der Nacht von Donnerstag auf Freitag evakuiert wurden, dürfen noch immer nicht in ihre Häuser zurückkehren. Die Behörden warnen vor einsturzgefährdeten Gebäuden und giftigen Rauchgasen.

Flammen breiten sich rasant aus – Evakuierungen laufen

Der Waldbrand hat inzwischen die Ortschaft Blagon erreicht und breitet sich weiter aus. Die Gemeinde Marcheprime warnt vor einer dramatischen Entwicklung: Wegen auffrischender Winde breiten sich die Flammen immer schneller aus. Nach Einschätzung der Behörden könnte die Feuerfront die Gemeinde bereits in fünf Stunden erreichen. Die Einwohner wurden aufgefordert, sich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten.

1500 Soldaten und 1200 Feuerwehrleute sind im Einsatz, um das Feuer einzudämmen. Die dichte Rauchwolke gefährdet die Gesundheit der Bevölkerung, weshalb die Regierung rund 2,5 Millionen FFP2-Masken an die Anwohner verteilt hat. Auf der bei Urlaubern beliebten Halbinsel Cap Ferret ordneten die Behörden eine vollständige Evakuierung an. Rund 44.000 Einwohner und Touristen verließen das Gebiet. In ganz Frankreich und im benachbarten Spanien sind inzwischen rund 260.000 Menschen auf der Flucht vor denFlammen.

Klimawandel als Brandbeschleuniger

Experten sehen in den extremen Wetterbedingungen eine Folge des Klimawandels. Hitzewellen und Trockenheit begünstigen die Entstehung und Ausbreitung von Waldbränden. In Südeuropa wird die Waldbrandsaison immer länger und intensiver. Frankreich hat in diesem Jahr bereits mehr Waldfläche verloren als im gesamten Vorjahr. Die Regierung kündigte Hilfspakete für betroffene Gemeinden und eine verstärkte Feuerbekämpfung an.

Die Bewohner von Le Porge und den umliegenden Orten stehen vor dem Nichts. Viele haben ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Die Solidarität ist groß, doch der Weg zurück in die Normalität wird lang sein. „Gestern war das doch noch unser Zuhause“, sagte ein Anwohner fassungslos vor den Ruinen seines Hauses.

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