Ukraine-Krieg: Neun Tote bei Raketenangriff auf Kiew
Neun Tote bei Raketenangriff auf Kiew

Russischer Raketenangriff auf Kiew: Mindestens neun Tote

In der Nacht auf Samstag hat Russland die ukrainische Hauptstadt Kiew erneut mit ballistischen Raketen angegriffen. Dabei wurden nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko mindestens neun Menschen getötet und mehr als 30 verletzt, darunter vier Minderjährige. Klitschko schrieb auf Telegram von Bränden und Schäden an Wohnhäusern und weiteren Gebäuden in mehreren Stadtteilen. Unter anderem sei ein fünfstöckiges Wohnhaus durch herabstürzende Raketentrümmer beschädigt worden, in dem Menschen eingeschlossen worden seien.

Präsident Wolodymyr Selenskyj präzisierte das Ausmaß des Angriffs: Die russische Armee habe 35 Raketen und Marschflugkörper sowie 185 Drohnen eingesetzt, darunter 27 ballistische Raketen. Nur eine einzige ballistische Rakete habe abgefangen werden können – weil es an Fla-Raketen für die Patriot-Systeme fehle. „Mittel zur Flugabwehr werden nicht in Lagern für hypothetische Szenarien gebraucht, sondern jetzt in der Ukraine“, appellierte er. Insgesamt seien 18 Häuser, eine Schule, die litauische Botschaft und Infrastruktureinrichtungen beschädigt worden.

Ukraine greift russische Ölraffinerien und Frachter an

Während Moskau Kiew unter Beschuss nimmt, weitet die Ukraine die Angriffe auf russisches Territorium aus. Selenskyj teilte mit, die Ukraine habe die Infrastruktur von drei Ölraffinerien in der Region Baschkortostan angegriffen, knapp 1600 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Zudem hätten ukrainische Truppen das sanktionierte Containerschiff „Yanina“ mit einer Kapazität von mehr als 100.000 Tonnen versenkt und weitere Ziele im Schwarzen und Asowschen Meer getroffen.

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Der russische Atomkonzern Rosatom meldete den Untergang eines Schiffs durch einen ukrainischen Drohnenangriff. Die 17 Besatzungsmitglieder seien unversehrt, so Rosatom-Chef Alexej Lichatschow. Das Schiff habe Tiefkühlkost und Baumaterialien transportiert. Laut Drohnen-Kommandeur Robert Browdi hat die Ukraine in den vergangenen drei Wochen insgesamt 205 russische Tanker angegriffen – 130 im Asowschen und 75 im Schwarzen Meer.

Getreidelobby warnt vor Exportstopp

Wegen der ukrainischen Angriffe auf russische Schiffe und Häfen hat Russlands Getreidelobby vor einem Stopp der Exporte über das Schwarze Meer gewarnt. Die Angriffe könnten zu einer „vollständigen Blockade der Exportkorridore“ führen, teilte der Verband der Getreideexporteure mit. Ein Ausfall von 30 bis 35 Millionen Tonnen Weizen wäre die Folge – rund 15 Prozent des weltweiten Handels. Das sei „eine direkte Bedrohung für die globale Ernährungssicherheit“ und könne Hungersnöte in Afrika und im Nahen Osten auslösen.

Russland und die Ukraine haben in den vergangenen Wochen gegenseitig Verladeanlagen und Handelsschiffe angegriffen. Der ukrainische Geheimdienst SBU meldete Angriffe im Hafen Taman an der Straße von Kertsch. Laut Insidern wurde das Terminal für Sonnenblumenöl von Efko getroffen, während ein Getreideterminal erheblich beschädigt wurde.

Patriot-Lizenzen: Trump bremst

US-Präsident Donald Trump zeigt sich zurückhaltend bei einer möglichen Lizenz für die Ukraine zur Produktion von Patriot-Abfangraketen. „Wir haben dem nicht zugestimmt. Wir sprechen darüber“, sagte Trump in einer Kabinettsitzung. Die „Financial Times“ zitiert ihn: „Wir schauen uns das an. Es ist eine sehr außergewöhnliche Waffe, und wir müssen ein bisschen vorsichtig sein, wem wir die Lizenz geben.“ Trump hatte der Ukraine vor dem Nato-Gipfel im Juli eine Lizenz in Aussicht gestellt; Selenskyj behauptete nach einem Treffen im Weißen Haus, Trump habe sie zugesagt.

Die ukrainische Botschafterin Olha Stefanischyna drängt auf eine schnelle Entscheidung. Die Gespräche mit dem US-Verteidigungsministerium liefen, der Prozess könne ein bis fünf Jahre dauern. „Die verheerenden Auswirkungen jedes nächtlichen Angriffs sind derzeit unglaublich“, sagte sie. „Letzte Nacht und in der Nacht davor waren es 30 bis 40 ballistische Raketen.“

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Nato und Polen nach Raketeneinschlag im Einsatz

Polen bestätigte, dass der Einschlag in der Nähe von Tarnawa Kolonia von einer russischen Ch-101-Rakete stammt. Vizeverteidigungsminister Cezary Tomczyk sagte, die Rakete sei beim Aufprall explodiert und hätte sogar Atomsprengköpfe tragen können. Der Ort liegt 90 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, verletzt wurde niemand.

Nato-Generalsekretär Mark Rutte sprach von einem „weiteren rücksichtslosen Akt Russlands“. Nato-Sprecher Martin O'Donnell berichtete, dass als Reaktion unter anderem F-16-Kampfjets, ein Airbus A330, ein Saab-340-Frühwarnflugzeug und ein Mi-24-Hubschrauber alarmiert worden seien. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verurteilten die Luftraumverletzung.

Weitere Entwicklungen

Russland meldete die Einnahme der Dörfer Olgiwka in Charkiw und Ljubytske in Saporischschja. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte mit, vier Drohnen seien abgeschossen worden. Die Ukraine griff auch Logistikeinrichtungen in Sarapul, Kasan und Wolgograd an. Ein Wildberries-Logistikzentrum in Wolgograd brannte nach einem Drohnenangriff, Ozon evakuierte vorsorglich ein Lager in Tatarstan. Die russische Armee attackierte nach eigenen Angaben einen Frachter mit Rüstungsgütern auf dem Weg nach Odessa.

  • Die Ukraine hat nach eigenen Angaben die Ölraffinerie in Wolgograd attackiert und einen Brand verursacht.
  • Rumänien ließ wegen Flugkörpern an der Grenze zur Ukraine zwei Kampfjets aufsteigen.
  • Die EU erschwert wehrfähigen ukrainischen Männern die Flucht vor dem Krieg.
  • Laut Insidern hat Russland bei Krywyj Rih erstmals seit fast einem Jahr eine nordkoreanische Rakete eingesetzt.
  • Polens Luftwaffe fing erneut ein russisches Il-20-Aufklärungsflugzeug über der Ostsee ab.