Niederlands Premier Jetten ermutigt bei World Pride zu Coming-out
Jetten: Coming-out bei World Pride wird belohnt

Bei der traditionellen Canal Parade im Rahmen der World Pride in Amsterdam hat der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten junge LGBTIQ-Menschen dazu aufgerufen, sich offen zu ihrer Sexualität oder Identität zu bekennen. „Ein Coming-out ist nicht einfach“, sagte Jetten laut der Nachrichtenagentur ANP. „Aber sobald man diesen Schritt gewagt hat, wird es nur noch besser.“

Der 39-Jährige ist der jüngste Regierungschef der Niederlande und der erste, der offen homosexuell lebt. Seit Februar dieses Jahres steht er an der Spitze der Regierung. Als offen schwuler Premier ist er in der europäischen Politik eine Ausnahmeerscheinung. Eng verbunden ist sein Einsatz mit der LGBTIQ-Community, deren Rechte er immer wieder betont. Die Niederlande gelten als Vorreiter bei der Gleichstellung: Bereits 2001 öffnete das Land als erstes der Welt die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare.

Ein Fest mit 80 Booten

Die Canal Parade gilt als Höhepunkt der diesjährigen World Pride, die erstmals in den Niederlanden stattfindet. Sie wird in diesem Jahr mit der traditionellen Pride Amsterdam kombiniert, die alljährlich im Sommer gefeiert wird. 80 bunt geschmückte Boote zogen durch die Grachten der Stadt. Allein zu dem Bootskorso wurden laut Veranstaltern rund 500.000 Besucherinnen und Besucher erwartet.

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Jetten nannte die Parade ein „großartiges Fest voller Freiheit und Spaß“. Zugleich seien solche Veranstaltungen wichtig, um gegen Anfeindungen zu protestieren. „Das hat man beim Anschlag in Berlin letzte Woche gesehen.“ Die Akzeptanz der LGBTIQ-Gemeinschaft stehe weltweit unter Druck, betonte er. „Und es ist wichtig, das heute zu zeigen.“

Verschärfte Sicherheit nach dem Berlin-Anschlag

Nach dem islamistisch motivierten Angriff auf den Christopher Street Day in Berlin vor einer Woche hatten die Verantwortlichen in Amsterdam die Sicherheitsmaßnahmen für die mehrtägige World Pride verschärft. Bürgermeisterin Femke Halsema sagte, Polizei, Staatsanwaltschaft und Stadtverwaltung würden beim Schutz aller Pride-Veranstaltungen eng zusammenarbeiten. „Ich habe Vertrauen in alle Maßnahmen, die wir ergriffen haben“, so Halsema. Einzelheiten zu den Sicherheitsvorkehrungen wurden nicht genannt.

Hamburg setzt Zeichen „jetzt erst recht“

Auch in Hamburg zeigte die queere Community nur eine Woche nach dem blutigen Anschlag Flagge. Zehntausende Menschen versammelten sich nahe dem U-Bahnhof Lübecker Straße, um beim Christopher Street Day zu demonstrieren. Der Zug setzte sich mit 60 Lastwagen als fahrende Bühnen von Unternehmen, Vereinen, Parteien und der evangelischen Kirche durch den Stadtteil St. Georg in Richtung Innenstadt in Bewegung.

Das Motto lautete: „Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!“ Die Veranstalter vom Verein Hamburg Pride erwarteten rund 250.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Hamburger Polizei hatte ihr Sicherheitskonzept nach dem Anschlag in Berlin überarbeitet. Es sollen doppelt so viele Beamtinnen und Beamte im Einsatz sein wie bei der Demonstration im vergangenen Jahr.

Die Ereignisse der vergangenen Woche haben gezeigt, wie wichtig solche Demonstrationen für die Sichtbarkeit und den Schutz von LGBTIQ-Menschen sind. In vielen Ländern wird die Community zunehmend angefeindet. Die World Pride in Amsterdam und die zahlreichen CSD-Veranstaltungen in Deutschland stehen in diesem Jahr daher unter besonderer Beobachtung. Für viele Teilnehmende ist der CSD mehr als nur eine Party – er ist ein politisches Statement gegen Hass und Gewalt.

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