Neue LinkedIn-Funktion: Nutzer können KI-generierte Posts melden
LinkedIn: Neue Meldefunktion für KI-generierte Posts

„Was für eine Reise war es!“ – diese Worte, gefolgt von Dankbarkeit für ein außergewöhnliches Team und der Ankündigung eines neuen Jobs, sind der Inbegriff eines typischen LinkedIn-Posts. Das Problem: Solche Beiträge lassen sich inzwischen mühelos von künstlicher Intelligenz nachahmen. Wer auf dem Business-Netzwerk unterwegs ist, begegnet immer häufiger Texten, die von Algorithmen generiert wurden. Genau dagegen geht LinkedIn nun vor – mit einer neuen Meldefunktion.

Nutzerinnen und Nutzer können künftig in dem Drei-Punkte-Menü, das sich oben rechts an jedem Beitrag befindet, die Option „Scheint ein KI-Slop zu sein“ auswählen. Damit lässt sich ein Post zur Prüfung melden, wenn er den Verdacht erregt, von generativer KI erstellt worden zu sein. Der Begriff „KI-Slop“ hat sich als Sammelbezeichnung für qualitativ minderwertige Inhalte etabliert, die mithilfe von Textgeneratoren wie ChatGPT, Gemini oder Claude produziert werden.

LinkedIn kündigt Maßnahmen gegen KI-Slop an

Hari Srinivasan, leitender Produktmanager bei LinkedIn, hat die Neuerung in einem eigenen Beitrag auf der Plattform angekündigt. Nach Angaben von Srinivasan handelt es sich um eine von mehreren Maßnahmen, mit denen das Netzwerk gegen die Flut an KI-generierten Inhalten vorgehen will. Zunächst verweist er auf bestehende Systeme, die automatisch erstellte Beiträge herausfiltern. Darüber hinaus arbeitet LinkedIn laut Srinivasan an einer Reihe neuer, bisher nicht näher beschriebener Klassifikatoren, die die Erkennung von KI-Slop zuverlässiger machen sollen.

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Die Meldefunktion spielt dabei eine entscheidende Rolle: Sie soll dazu beitragen, die selbstlernenden Modelle des Netzwerks zu verbessern. Wenn Nutzer einen Beitrag als KI-generiert markieren, nutzt LinkedIn diese Angaben, um die automatischen Erkennungssysteme zu justieren. So soll das Unternehmen besser lernen, welche Inhalte wirklich von KI stammen – und diese den Nutzern künftig seltener anzeigen.

Weniger „Verbessern“, mehr „Korrekturlesen“

Doch nicht nur die Erkennung soll ausgebaut werden: Auch die eigenen KI-assistierten Funktionen zur Bearbeitung von Beiträgen sollen angepasst werden. Laut Srinivasan soll die KI künftig „Korrekturlesen“ statt „Verbessern“ betreiben. Dahinter steckt die Idee, dass die individuelle Stimme des Verfassers erhalten bleibt. Bisher hoben die Vorschläge von LinkedIn oft den Ton an und glätteten jeden Text zu einer typischen Werbebotschaft – mit dem Ergebnis, dass die Beiträge sich immer ähnlicher anhörten.

Diese Veränderung ist wichtig, weil der klischeehafte LinkedIn-Stil längst nicht nur von KI erzeugt wird. Schon vor dem Boom generativer KI entwickelte sich auf dem Business-Netzwerk ein eigener Sprachstil, geprägt von Erfolgsrhetorik, Bescheidenheitstoppos und einem Hauch von PR-Newsletter. Der Ton liegt irgendwo zwischen Karriereberatung und Quartalsbericht – und wird deshalb von vielen Nutzern als häufig übertrieben empfunden.

Jeder dritte Post ist KI-generiert

Dennoch ist die Lage ernst: Praktisch alle sozialen Plattformen werden inzwischen von KI-Inhalten überschwemmt. Ein Vergleich des KI-Detektors Pangram zeigt, dass LinkedIn dabei besonders stark betroffen ist. Demnach wurden bereits 30 Prozent der kurzen Posts auf der Plattform von KI geschrieben. Bei längeren Beiträgen mit mehr als 250 Wörtern liegt der Anteil sogar bei 41 Prozent.

Diese Zahlen machen deutlich, warum LinkedIn der Problembewältigung nun Priorität einräumt. Ob die ergriffenen Maßnahmen ausreichen, um die Verbreitung von KI-Slop einzudämmen, bleibt abzuwarten. Beobachter wünschen sich zudem Anstrengungen von anderen Netzwerken. Bisher konzentrieren sich die Bemühungen vor allem auf die großen Plattformen wie Facebook oder Instagram, doch auch dort nimmt die Zahl der synthetischen Beiträge zu.

Ein Selbstversuch mit Sonnet

Wie leicht es ist, einen typischen LinkedIn-Post zu faken, zeigt ein Selbstversuch: Die oben genannten Absätze mit Dank, Teamlob und Jobwechsel wurden vom Sprachmodell Sonnet 4.6 verfasst, nachdem der Autor des Artikels die Maschine um einen „typischen KI-Post“ eines Mittelmanagers gebeten hatte. Das Ergebnis ist erschreckend authentisch – und genau darauf zielt die neue Meldefunktion.

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Ob die Maßnahmen von LinkedIn die Quote der KI-Beiträge senken können und ob andere Dienste ähnliche Funktionen einführen werden, ist noch offen. Fest steht: In einer Welt, in der Algorithmen immer bessere Texte erzeugen, wird die Frage nach der Authentizität von Kommunikation zu einer zentralen Herausforderung. LinkedIn versucht nun zumindest, eine Antwort darauf zu finden.