Thüringer Schäfer: Kein Auszubildender zum Lehrjahresstart
Thüringer Schäfer: Kein Azubi zum Lehrjahresstart

Hohenfelden (dpa/th) – Zum Ausbildungsstart am 1. August 2026 fehlt in Thüringen der gesamte neue Schäfer-Nachwuchs. Nach Angaben von Uwe Erl vom Landesverband Thüringer Schafzüchter wurde bislang kein einziger Ausbildungsvertrag für den Schäferberuf unterzeichnet. „Es ist nicht auszuschließen, dass in den kommenden Wochen noch Verträge unterschrieben werden“, sagte Erl am Rande des Schäfertags in Hohenfelden. Doch das Ausbildungsjahr habe bereits begonnen, und ohne zeitnahe Zusagen blieben die Ausbildungsplätze unbesetzt.

Drei Absolventen stehen vielen Rentnern gegenüber

Die Bilanz der jüngsten Ausbildungssaison fällt aus Sicht des Verbands ernüchternd aus: Nur drei Lehrlinge haben in diesem Jahr ihre dreijährige Ausbildung abgeschlossen und ihr Facharbeiterzeugnis erhalten. „Das ist viel zu wenig für das, was jetzt in den Betrieben gebraucht wird“, betonte Erl. Ein großer Teil der aktiven Schäfer in Thüringen sei bereits über 60 Jahre alt. Viele Betriebe stünden vor der Frage, wer die Herden in den kommenden Jahren übernehmen soll. Der Beruf leide seit Jahren unter einem massiven Image- und Erlösproblem, das sich nun auch in den Ausbildungszahlen spiegele.

Einkommen: Öffentliche Gelder dominieren

Die wirtschaftliche Basis der Schäfereibetriebe ist nach den Worten Erls denkbar fragil. Der Verkauf von Lämmern und Altschafen mache lediglich 30 bis 35 Prozent des Einkommens aus. Wolle spiele für die Erlöse nahezu keine Rolle und sei häufig sogar ein Minusgeschäft: Die Erlöse deckten nicht einmal die Kosten für das Scheren und die Vermarktung. „Die anderen 70 oder 65 Prozent sind Zahlungen aus öffentlichen Geldern“, so Erl. Damit seien die Betriebe in hohem Maße von Förderprogrammen und Beihilfen abhängig.

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Um die Schafhaltung langfristig zu stärken, fordert der Landesverband Thüringer Schafzüchter eine deutliche Aufstockung der Beihilfesätze für die Pflege von Flächen. Nur mit höheren Sätzen könnten die Einkommen der Schäfer verbessert und die Schafbestände ausgebaut oder zumindest stabil gehalten werden. „Es hängt alles an den Erlösen und an der Lohnsituation“, sagte Erl. Eine verbesserte finanzielle Perspektive sei zugleich der Schlüssel, um den Beruf für junge Menschen wieder attraktiver zu machen.

Schäfertag in Hohenfelden

Beim Schäfertag in Hohenfelden, der als zentraler Branchentreff in Thüringen gilt, kamen am Wochenende zahlreiche Schäfer, Fachleute und Interessierte zusammen. Neben Fachvorträgen und Informationsangeboten stand vor allem die Landesmeisterschaft der Schäfer im Mittelpunkt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mussten ihr Können im praktischen Umgang mit den Tieren beweisen, darunter das sachgerechte Führen und Beurteilen der Herde.

Den ersten Platz sicherte sich Herbert Kind aus Königsee im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Auf Platz zwei folgte Mario Scheffel aus Artern im Kyffhäuserkreis. Dritter wurde Burkhard Sautscheck aus Bad Langensalza im Unstrut-Hainich-Kreis. Die Siegerehrung zeigte, dass das handwerkliche Können in der Branche weiterhin hochgehalten wird – auch wenn der Nachwuchs fehlt.

Landschaftspflege als gesellschaftlicher Auftrag

Die Bedeutung der Schafhaltung reicht weit über die Produktion von Fleisch und Wolle hinaus. Schafherden übernehmen einen unverzichtbaren Beitrag zur Pflege der Kulturlandschaft. Sie halten Grasflächen kurz, verhindern die Verbuschung von Hanglagen und schaffen Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere. Gerade in den Mittelgebirgen Thüringens ist die extensive Weidewirtschaft ein traditionelles Element der Landnutzung. Der Landesverband weist darauf hin, dass dieser ökologische Nutzen gefährdet wäre, sollten die Bestände zurückgehen.

„Wenn es keine jungen Schäfer gibt, werden wir diese Aufgaben nicht mehr erfüllen können“, warnt Erl. Die Landschaftspflege sei ein öffentliches Gut, das entsprechend honoriert werden müsse. Die aktuellen Beihilfesätze reichten jedoch nicht aus, um den Betrieben eine verlässliche Perspektive zu bieten.

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Politik in der Pflicht

Vor dem Hintergrund des anhaltenden Nachwuchsmangels richten die Schafzüchter deutliche Appelle an die Landespolitik. Es brauche nicht nur höhere Fördersätze, sondern auch gezielte Maßnahmen, um den Beruf bekannter zu machen. Ausbildungsbotschafter, Schulkooperationen und Praktikumsprogramme könnten helfen, junge Menschen für die Schäferei zu begeistern. Zudem müsse die Wertschätzung für den Beruf in der Gesellschaft steigen. Der Landesverband erwartet von der Politik eine langfristig angelegte Strategie zur Sicherung der Schafhaltung in Thüringen.

Bis dahin bleibt die Lage angespannt. Das laufende Ausbildungsjahr beginnt in den Betrieben ohne neue Auszubildende – ein Weckruf, den die Branche nicht überhören will.