Hainer attackiert Infantino: „Dieser Vorgang ist eigentlich unglaublich“
Hainer: Fifa-WM-Verkaufsplan war „aberwitzige Idee“

München – Herbert Hainer, Präsident des FC Bayern, hat mit deutlichen Worten auf das gescheiterte Vorhaben der Fifa reagiert, Anteile an künftigen Weltmeisterschaften an private Investoren zu verkaufen. Bei der Abreise zur Asientour des deutschen Rekordmeisters am Samstag äußerte sich der 72-Jährige ungewöhnlich kritisch über Fifa-Präsident Gianni Infantino.

“Es ist ein Glück, dass dieser Spuk so schnell vorbeigegangen ist, wie er gekommen ist und diese aberwitzige Idee vom Tisch ist”, sagte Hainer. Die Uefa habe in den zurückliegenden Tagen ganz klar gemacht, dass sie Transparenz vermisse und von Vertrauensverlust gesprochen. „Dieser Vorgang ist eigentlich unglaublich, dass niemand eingeweiht war vorher von den ganzen Verbänden und das über Nacht auf den Tisch kam“, ergänzte der Präsident des deutschen Rekordmeisters.

Ein Plan, der die Fußballwelt entrüstete

Hintergrund der Aufregung ist eine Initiative, die Fifa-Boss Gianni Infantino in den vergangenen Wochen lanciert hatte: Geplant war, einen Teil der wirtschaftlichen Rechte an WM-Turnieren an externe Investoren zu verkaufen. Konkret sollten zwischen 20 und 30 Prozent der Vermarktungsrechte an eine Gruppe von Finanzinvestoren veräußert werden, zu der auch Joshua Kushner zählt – der Bruder von Jared Kushner, Ehemann von Ivanka Trump und Schwiegersohn von Ex-Präsident Donald Trump.

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Besonders verärgerte die Verbände, dass der Vorstoß überraschend und ohne vorherige Konsultation erfolgte. Die nationalen und kontinentalen Fußball-Organisationen waren nicht eingeweiht, als der Plan am Wochenende an die Öffentlichkeit drang. „Es ist eigentlich unglaublich, dass niemand von den ganzen Verbänden eingeweiht war“, kritisierte Hainer. Der Vorgang sei über Nacht auf den Tisch gekommen.

Uefa und AFC laufen Sturm

Der Widerstand formierte sich schnell. Die 55 Mitgliedsverbände der Europäischen Fußball-Union Uefa fassten einen einstimmigen Beschluss, sämtliche Turniere der Fifa zu boykottieren, falls Infantino den Deal durchsetzt. Auch der Asiatische Fußballverband (AFC) stellte sich klar gegen die Pläne. Damit verfügte Infantino nicht mehr über die nötige Unterstützung, um das Vorhaben gegen den Willen der Mitglieder durchzusetzen.

Die Kritik richtete sich nicht nur gegen die Beteiligung externer Investoren, sondern auch gegen die Art und Weise, wie der Vorstandsvorsitzende der Fifa vorging. Der Vorwurf der Intransparenz stand im Raum. Uefa-Vertreter sprachen laut Hainer von einem Vertrauensverlust, den dieser Prozess ausgelöst habe. Diese Einschätzung teilten offenbar viele andere Verbände.

Infantinos nächtliche Kehrtwende

Unter dem Druck der Verbände gab Infantino schließlich nach. In einer Stellungnahme in der Nacht zum Sonntag erklärte er, dass der Vorschlag nicht weiterverfolgt werde. „Nachdem wir uns alle Standpunkte aufmerksam angehört haben, ist deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen geführt hat, die – unabhängig vom Ausmaß der Unterstützung – nicht mehr im Interesse des ursprünglich angestrebten Ziels liegen“, ließ der Fußball-Boss verlauten.

Damit ist der Plan vom Tisch, doch das Vertrauen in die Führung des Weltverbands bleibt beschädigt. Viele Beobachter werten die Episode als das bislang deutlichste Zeichen dafür, dass die Fifa unter Infantino in eine grundlegende Krise geraten ist. Die Ankündigung eines Teilverkaufs der WM-Rechte – für viele ein Tabubruch – hat eine Debatte ausgelöst, die weit über den konkreten Fall hinausreicht.

Hainer fordert: Fußball muss Fußball bleiben

Herbert Hainer, seit November 2019 Präsident des FC Bayern, nutzte die Gelegenheit zu einer grundsätzlichen Klarstellung. „Ich denke, Fußball muss Fußball bleiben“, sagte er. Die Fifa habe als oberster Dachverband die Aufgabe, den Fußball zu organisieren. Wenn Fremdinvestoren mitbestimmen wollten, bestehe immer die Gefahr, dass es an die Grundprinzipien und Grundstrukturen des Fußballs gehe und dass man sich vergreife.

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Hainer bezog sich damit auf die Sorge, dass ein Finanzinvestor wie Joshua Kushner vor allem Renditeinteressen verfolgen könnte. Die Vermarktungsrechte an der Weltmeisterschaft sind eines der wertvollsten Sportgüter der Welt. Eine Übertragung an externe Investoren hätte weitreichende Auswirkungen auf die Organisation und Vermarktung künftiger Turniere haben können. Hainer zog ein klares Fazit: „Ich denke, man muss jetzt sicherstellen, dass so eine Idee nicht mehr auf den Tisch kommt.“

Lehren aus dem Debakel

Der gescheiterte Verkaufsplan könnte langfristige Folgen haben. Zum einen hat sich gezeigt, dass die Mitgliedsverbände der Fifa bereit sind, ihre Interessen konsequent zu vertreten – notfalls auch mit Boykottdrohungen. Zum anderen dürfte die Episode die Diskussion über eine Reform der Fifa-Strukturen weiter anheizen. Schon jetzt wird die Frage laut, ob ein einzelner Präsident weiterhin so weitreichende Entscheidungen treffen kann, ohne die Verbände einzubinden.

Für den FC Bayern ist die Positionierung von Herbert Hainer ein klares Signal. Der Klub, der weltweit zu den erfolgreichsten und einflussreichsten Fußballmarken gehört, stellt sich damit an die Seite der Uefa und aller Verbände, die eine stärkere Transparenz und Mitbestimmung fordern. Die Asientour, zu der Hainer am Samstag aufbrach, wird vor diesem Hintergrund auch zu einer Reise der sportlichen und politischen Standortbestimmung.

Ob Infantino aus dem Debakel Konsequenzen zieht, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Ihre Glaubwürdigkeit hat die Fifa-Führung durch die überstürzte und rückgängig gemachte Initiative beschädigt. Die Fußballwelt wird wachsam bleiben, um ähnliche Vorgänge künftig zu verhindern.