Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat Fifa-Präsident Gianni Infantino im Zusammenhang mit den gescheiterten Investorenplänen unverantwortliches Handeln vorgeworfen. DFB-Präsident Bernd Neuendorf forderte eine lückenlose Aufklärung und eine grundlegend andere Kultur im Weltverband. Der Weltverband hatte die umstrittenen Pläne in der Nacht zum Samstag beendet.
Fifa beendet Investorenprojekt nach massivem Widerstand
Die Fifa wollte Anteile an den kommerziellen Rechten ihrer Wettbewerbe – darunter die Männer- und Frauen-Weltmeisterschaft sowie die Club-WM – an private Investoren verkaufen. Nach wochenlangem Druck von europäischen Verbänden machte der Weltverband einen Rückzieher. Neuendorf nannte den Schritt unausweichlich. „Der Versuch, Fifa-Wettbewerbe für private Investoren zu öffnen, ist gescheitert“, erklärte er. Dies sei unter anderem dem sehr geschlossenen Auftreten aller 55 Uefa-Mitgliedsverbände zu verdanken.
In einem schriftlichen Statement ging der DFB-Präsident noch weiter: „Die Vorgänge rund um dieses von Gianni Infantino initiierte Projekt müssen jetzt lückenlos aufgeklärt werden. Der Fifa-Präsident hat eigenmächtig, intransparent und letztlich auch unverantwortlich im Sinne des Fußballs gehandelt.“ Man müsse nun gemeinsam mit der Uefa und anderen Konföderationen dafür sorgen, dass bei der Fifa eine grundsätzlich andere Kultur einzieht – eine Kultur, in der Entscheidungen wieder von den Mitgliedern in den Gremien diskutiert und getroffen werden.
Uefa und FA: Scharfe Kritik an Infantino
Die Uefa hatte den Rückzug des umstrittenen Plans bereits begrüßt und Infantino scharf angegriffen. Der Plan war von der europäischen Dachorganisation zuvor als „schäbig“ bezeichnet worden. Auch der englische Fußballverband FA übte deutliche Kritik. Auf der Plattform X forderte die FA eine „umfassende und gründliche Überprüfung der Führung und Governance der Fifa“, um sicherzustellen, dass das globale Spiel transparent geführt wird. Damit schloss sich die FA den Forderungen des DFB an. Die FA reagierte damit als einer der ersten nationalen Verbände auf den Rückzug und stellte sich hinter die Uefa-Linie.
Dänemark: „Vertrauen in Infantino verloren“
Der dänische Verband DBU richtete ebenso deutliche Worte an Infantino. DBU-Chef Jesper Møller sagte, er stimme der Uefa voll und ganz zu, dass das Vertrauen in den Fifa-Chef verloren gegangen sei. „Deshalb kann ich ihn auch nicht unterstützen“, so Møller. Den Rückzug der Investorenpläne nannte er die „einzig richtige Entscheidung“ – und sie sei zu erwarten gewesen. Der internationale Fußball habe an einem Scheideweg gestanden, an dem einige Werte, die den Kern und die Seele des Fußballs ausmachen, unter Druck geraten waren. Møller machte deutlich, dass die Aufarbeitung des Vorgangs für ihn noch nicht abgeschlossen ist. Møller sprach damit aus, was viele Funktionäre in Europa denken.
KNVB: „Grundlegender Vertrauensbruch“
Auch der niederländische Fußballverband KNVB zog eine harte Bilanz. „Mit dem Rückzug des Vorschlags ist die Angelegenheit für den KNVB nicht erledigt“, hieß es in einem Statement. Die Art und Weise, wie dieser Prozess verlaufen sei, habe zu einem grundlegenden Vertrauensbruch mit dem Führungsstil von Infantino geführt. „Der KNVB hat kein Vertrauen mehr in seine Führung“, teilte der Verband mit. Die Situation erfordere ein ernsthaftes Gespräch über die Zukunft der Governance und Führung innerhalb der Fifa. Diese deutliche Wortwahl zeigt, dass die Kritik weit über den konkreten Investorenplan hinausgeht. Die Reaktionen zeigen, wie tief das Misstrauen gegenüber dem Fifa-Präsidenten inzwischen ist.
Europäische Verbände fordern eine neue Führungskultur
Die Kritik aus Europa ist damit so laut wie selten zuvor. Der Rückzug der Investorenpläne gilt als herbe Niederlage für Infantino, der das Projekt persönlich vorangetrieben hatte. Die europäischen Verbände, die geschlossen hinter der Uefa stehen, fordern nun eine grundlegende Neuausrichtung des Weltverbandes. Ob Infantino aus dem Debakel persönliche Konsequenzen ziehen wird, bleibt offen. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die Verbände ihre Forderung nach einer anderen Kultur bei der Fifa durchsetzen können. DFB-Präsident Neuendorf hat bereits klargemacht, dass es nicht bei der bloßen Rücknahme der Pläne bleiben darf. Die kommenden Tage werden richtungsweisend sein. Der Druck bleibt hoch.



